Fortsetzung der Stimmen von Winzer zur Kadarka-Rebe:

Takler Ferenc junior (Szekszárd)

«Das meiste von unserem Kadarka-Bestand ist in der Nähe unseres Kellers. Die eine Pflanzung nennen wir „Aponyi“, für die wir von alten Reben Ableger gezogen haben. Es handelt sich dabei um einen Klon mit verhältnismäßig großen Trauben, lockeren Struktur und eiförmigen Beeren. In der anderen Pflanzung finden sich Stöcke von verschiedenen alten Weinbergen, die wir einzeln zusammengesucht haben. Ich mache eine negative und eine positive Selektion, markiere die Stöcke und auf jene, die sich auf lange Sicht nicht bewähren, auf diese wird ein anderer Klon aufgepfropft.

Kadarka ist dann richtig gut, je abwechslungsreiche die Stöcke sind, wir es also mit einer recht bunten Mischung verschiedener Klone zu tun haben. Die Ertragssicherheit von Kadarka ist meiner Meinung nach besser, als vielfach genannt oder gemeinhin behauptet wird. Wenn der Weinberg richtig gepflegt wird, kann man Kadarka auch in schlechten Jahrgängen gut verwenden. Schlimmstenfalls wird ein größerer Anteil als Rosé und nur ein kleinerer, selektierter als Rotwein ausgebaut.

Kadarka von Sebestyén und Gróf Buttler

Kadarka von Sebestyén und Gróf Buttler

Kadarka reift relativ spät, Anfang Mitte Oktober. Aber die Reifung kann dennoch jedes Jahr gesichert werden, obwohl sie meiner Meinung nach nicht in den südlichsten Lagen gepflanzt werden soll, weil sie dort schnell ihre Säuren verliert. Alte Stöcke mit traditioneller Einzelerziehung halten natürlich entsprechend mehr aus, dennoch muss man bei der Grünarbeit Vorsicht walten lassen. Bei Kadarka spielt die Verarbeitung eine Schlüsselrolle, obwohl dies seltener angesprochen wird. Die Beeren müssen sehr vorsichtig angepresst werden, weil die Maische durch die dünne Haut der Trauben „marmeladig“ wird und dann der Anteil zu viel wird. Die Betonung muss auf die Frucht gelegt werden und das wiederum ist nur mit einem vorsichtigen Pressvorgang möglich.»

Balla Géza (Ménes, Rumänien)

«Die Kadarka-Frage ist eine komplizierte Frage. Warum? Weil die Rebsorte dem Winzer mehrere spezifische Schwierigkeiten bereitet. Es ist bekannt, dass sie sehr empfindlich gegenüber Mehltau und Fäule ist und nicht nur deshalb von Frühling bis Herbst sehr viel Aufmerksamkeit verlangt.

Es macht das Leben des Winzers auch nicht einfacher, dass auch gute Klone mit dunklerer Farbe, lockereren, kleineren Beeren drei-vier Jahre lang problemlos zu haben sind, ab dem fünften, sechsten Jahr dann aber einen Rückfall erleiden und beginnen, die genau jene negativen Eigenschaften aufzuweisen, gegen die vorgegangen wurde, wesegen eigentlich die Selektion gemacht wurde (u.a. grüne Trauben).

Die Vermarktung wiederum, wie schön der Wein auch sein mag, ist insbesondere im Ausland mit sehr viel Aufwand verbunden, da die Sorte gänzlich unbekannt ist. Und wenn wir uns fragen, was und wie der echte Kadarka-Wein ist, kennen wir selbst die Antwort noch nicht. Die Kadarkas der verschiedenen Regionen und in Szekszárd gar der verschiedenen Winzer sind so unterschiedlich, dass man den typische Standard-Kadarka schlichtweg nicht beschreiben kann. Es gibt keinen, von jedem anerkannten „Superklon“, der ein einheitliches, stilistisch anerkanntes Bild der Sorte abgibt.

Ich selbst erwarte von Rotwein Körper, Tannin und Samtigkeit. Meine Kadarkas sind auch immer dunkler und liegen über 13 Volumenprozent (von 133er Klon, lediglich 50cm hohe Rebstöcken), aber ich stehe auch unabhängig davon dazu, dass ein Kadarka so sein muss wie ein Kadarka: leicht in der Struktur, würzig und geschmacksreich, der in seiner eigenen Gewichtsklasse bestehen muss und nicht mit Cabernets und Merlots in den Ring steigen kann und soll.»

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Sebesytén, Iván-völgyi Kadarka (ACHTUNG: die Bikavér-Auslese hat dummerweise exakt dasselbe Front-Etikett!)

Sebesytén, Iván-völgyi Kadarka (ACHTUNG: die Bikavér-Auslese hat dummerweise exakt dasselbe Front-Etikett!)

Iván völgyi Kadarka 2007, Sebestyén Csaba, Szekszárd

Gerade einmal 529 Flaschen wurden abgefüllt, der erste Jahrgang überhaupt dieses streng selektierten Kadarka aus dem „Iván Tal“. Auf dem Rücketikett verweist Sebestyén darauf, dass er stets so einen Wein, so einen Kadarka erzeugen wollte. Die  Voraussetzungen waren da: herausragende südliche Hanglage, mehr als 50 Jahre alte Rebstöcke, traditionelle Bearbeitung und eineinhalb bis zwei Jahre lange Reifung. „2007 kam das Bild zusammen. Meiner Meinung nach muss so ein großer Kadarka sein.“

Doch was heisst das konkret? Ein internationaler Stil. Wer nicht weiß, was er im Glas hat, könnte glatt auf einen Cabernet Sauvignon tippen. Der dann mit seinem klaren, mittleren Rubinrot zwar verhältnismäßg hell ausfällt. Aber in der Nase und am Gaumen  erstaunlich „verständlich“, konform erscheint. Recht viel dunkelrote geröstete Frucht, etwas Holz und Würze, das ist verkürzt die Inhaltsformel. Nicht allzu dicht, nicht dick, eher ein filigraner Stil, dennoch konzentriert. Mittlerer Abgang. Schön, aber etwas beliebig.

Wein: Iván völgyi Kadarka 2007
Weingut, Ort: Sebestyén Csaba, Szekszárd
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 14,0% Vol.
Preis: 12,50 EUR (3.350 Ft)

Gróf Buttler, Egri Kadarka Nagy-Eged 2006

Gróf Buttler, Egri Kadarka Nagy-Eged 2006

Egri Kadarka Nagy Eged 2006, Gróf Buttler, Eger

Mit viele Vorschusslorbeeren ist dieser Wein versehen, noch mehr der 2005er Jahrgang. Heller im Glas, als der Vertreter aus Szekszárd, nicht so klar, deutlich bräunlicher. Warmes Holz, grüne Gewürze und dunkles Trockenobst in der Nase. Am Gaumen erinnert er in der Tat am ehesten an einen Pinot Noir, jedoch mit den typischen Erdbeeraromen des Kadarka,. Deutlich würziger als der Konkurrent, Petersilienwurzel, leicht pfeffrig, eine kleine Spur Zartbitterschokolade, füllige, griffige, fleischige Textur. Mittlerer bis langer, warmer, nochmals von kräftiger Würze geprägter Abgang. Wirklich, ein schöner Wein.

Wein: Egri Kadarka Nagy Eged 2006
Weingut, Ort: Gróf Buttler, Eger
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 13,5% Vol.
Preis: 18,50 EUR (5.000 Ft)
Internet: grofbuttler.hu

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Beide Weine können sich sehen lassen  – nur dass das im Falle von Gróf Buttlers‘ Kadarka Untertreibung ist, bei Sebestyéns‘, ehrlich gesagt vor allem genährt durch die vollmundige Ankündigung auf dem Rücketikett, stimmt das so. Punkt. Auch was den Preis anbelangt kann man nicht klagen. Aber ein wenig mehr Projektionsfläche, ein wenig mehr Abenteuer für meine Geschmackspapillen hätte ich mir dann doch gewünscht. Insofern geht dieser Punkt, leider wie zu erwarten war, nach Eger und führt zum zwischenzeitlichen Gleichstand.

Szekszárd vs. alle anderen: 4:4

Bisherigen Artikel dieser Serie:

Zur Einleitung und zum Teil I der Kadarka-Serie: Borműhely (Szekszárd) vs. Frittmann (Kunság)
Teil II der Kadarka-Serie: Heutige Verbreitung des Kadarka in Ungarn. Duell II Villányi Kadarka 2006, Vylyan (Villány) vs. Kadarissimo 2006, Szt. Gaál Pince (Szekszárd)
Teil III der Kadarka-Serie: Name und Herkunft des Kadarka. Duell III: Kadarka 2005, Balla Géza, Ménes (Rumänien) vs. Kadarka 2007, Heimann (Székesfehérvár)

Zum Teil IV der Kadarka-Serie: Die Landnahme des Kadarka in Ungarn. Takler (Szekszárd) vs. Orsolya (Eger)
Teil V der Kadarka-Serie: Farbenspiele und Imageprobleme – eine Zwischenbilanz, und Duell V: Vida Péter (Szekszárd) vs. Maurer Oszkár (Délvidék, Serbien)
Teil VI der Kadarka-Serie: Veredelung des Kadarka. Halmosi Pincészet (Szekszárd) vs. Malatinszky Kúria (Villány)
Teil VII der Kadarka-Serie: Stimmen von Winzern I. Eszterbauer (Szekszárd) vs. Günzer Zoltán (Villány)

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