Bei  Szeleshát legt man von Beginn an Wert darauf, Qualität und Quantität in Einklang zu halten. Sprich: qualitativ hochwertige Weine zu machen, die jedoch nicht exklusiv in Kleinstmengen erzeugt werden, sondern erreichbar sein sollen, also in ausreichender Menge verfügbar und zu angemessenen Preisen. Die Spanne liegt zwischen 8 und rund 22 EUR – und erscheint mir absolut fair und berechtigt.

HáromFiu 2007

Merlot (55%), Kékfrankos (30%),  Cabernet Sauvignon (15%). Zusammen über neun Monate in neuen Barriques gereift. Der Name, drei Jungen, geht auf die Geburt des dritten Sohnes zurück. Mitteldichtes Rubinrot. In der Nase nach den bisherigen Weinen ausgesprochen warm, fast feurig-würzig, Marzipan, Wachholder, dunkle Früchte. Am Gaumen dicht, kompakt, Druck in der Mitte, in die Breite  drängend aber nicht weit. Schön eingebettete, vitale Säuren, Frucht von roten Kirschen und Johannisbeeren, Zartbitterschokolade, Mandeln, etwas Nougat, zudem grüne Kräuter. Fein adstringierend, im mittleren Abgang wieder Mandelaromen. Sehr schön schon jetzt, aber noch jung und sicher mit Potential.

Oroszlán 2007

Der „Löwe“, noch etwas dichter im Glas als der HáromFiú. Auch dieses Cuvée wurde erst im Sommer auf Flaschen gezogen. Im vergleich zum Vorgänger schon in der Nase ungestümer, wilder, ungebändigter. Animalische Noten, getrocknete Kräuter, Leder, Waldbeeren. Am Gaumen ausgesprochen interessante Noten, ledern, salzig, dunkle Trockenfrüchte, auch hier wieder Marzipan, noch etwas grünliche Tannine und kraftstrotzende Säuren, schön Druck aufbauend. Mittlerer bis langer Abgang. Spannend.

Szeleshát, Nomád 2007 (Copyright: Szeleshát)

Szeleshát, Nomád 2007 (Copyright: Szeleshát)

Nomád 2007

16 Monat in neuen Barrique gereifte Merlot-Selektion, die erst vor einem Monat abgefüllt wurde. Etwas mehr as 15% Vol. Alkohol. Das Flaggschiff von Szeleshát, das ebenso wie der Cabernet Sauvignon „Nyék“ erst im März 2010 auf den Markt kommen wird und bis dahin noch in Ruhe in der Flasche reifen soll. Dichtes Rubinrot, dick schlierend. In der Nase zu Beginn noch etwas zurückhaltend, dann treten zunehmend Aromen von Vanille, Schokolade und dunkelroten Früchten hervor. Am Gaumen von Beginn an dennoch sehr präsent, ungemein warm, dicht, füllig, breit, komplex, baut gleich schönen Druck auf. Das junge Holz ist noch etwas uneingebunden, stark. Doch auch die Frucht zeigt sich in Gestalt von Brombeeren und schwarzen Johannisbeeren, daneben Marzipan, Nougat und Milchschokolade. Schöne, kräftige, schon jetzt gut eingebettete Säuren, für einen Merlot erstaunlich würzig. Langer Abgang. Beeindruckend.

Nyék 2007

Die Cabernet Sauvignon Selektion, benannt nach einem der sieben ungarischen Stämme, die vor über 1000 Jahren begannen das Karpatenbecken zu besiedeln und nach dem Ort Alsónyék, welcher an der Grenze zu Szeleshát liegt. 16 Monate in Barrique. 14% Vol. Alkohol. Auch diesen Wein wird es erst ab März 2010 in den Ladengeschäften geben. Dichtes Rubinrot, dicklich schlierend. In der Nase vor allem schwarze Johannisbeeren, feuchtes Holz, leicht pfeffrige Würze. Am Gaumen fallen zuerst die ungezügelten Tannine und das feste, einnehmende Säuregerüst auf. Die Tannine zügeln sich mit der Zeit an der Luft etwas. Dann schält sich die Frucht von schwarzen Johannisbeeren, Brombeeren und schwarzen Kirschen hervor. Klassischerweise fehlen auch Aromen von grünem Paprika nicht. Schöner Druck baut sich auf, insgesamt aber nicht so breit und vollmundig wie der Nomád, dennoch schön. Mittlerer bis langer Abgang.

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Was unterm Strich bleibt, nachdem ich durch die Vorschusslorbeeren mit großen Erwartungen zur Verkostung gegangen war: in letzter Konsequenz ein überaus positives Bild  von schönen bis bemerkenswerten Erstlingswerken. Da hat jemand den richtigen Zeitpunkt für den Markteintritt abgewartet, hoffentlich zahlt sich das dann auch aus. Zu wünschen wäre es den Leuten von Szeleshát, die so klar strukturierte „Einstiegsweine“ wie den Pinot Noir und Kékfrankos hinkriegen. Und die mit den (untertrieben gesagt) einfachen Cuvées unheimlich viel Trinkspaß und insbesondere mit der Merlot Selektion Nomád mehr als nur ein Ausrufezeichen gesetzt haben.

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