szeleshat_logoDie Verkostung am gestrigen Donnerstagnachmittag war der Auftakt schlechthin für die Ungarische Händler- und Pressewelt. Szeleshát steht ganz am Anfang und hat doch schon einen ziemlich steilen Aufstieg hinter sich. Was umso bemerkenswerter ist, als dass das Weingut zum Anbaugebiet Szekszárd gehört, wo in den vergangenen Jahren so viele Newcomer sich einen Namen machten wie nirgendwo anders in Ungarn. Die Konkurrenz vor Ort ist also groß und dennoch verdichteten sich in diesem Jahr die Hinweise, mehrten sich die Stimmen, die von den Weinen aus Várdomb ausgesprochen Positives zu berichten hatten.

Rechtlich gesehen gehören die Weinberge von Szeleshát noch zu Szekszárd, wenngleich deren Lage nahe der Ortschaft Várdomb rund 40km südlich des Kerngebietes, also bereits weit entfernt an den südlichsten Ausläufern der Szekszárder Berge liegen. Die 40km sind deshalb ein beachtliche Distanz, weil die sonstigen bekannten Namen sich allesamt in der Nahen Umgebung der Stadt Szekszárd tummeln. Szeleshát also, wörtlich übersetzbar als „windiger (Berg)rücken“. Auf einer rund 300 Meter breiten Ebene des „Großen Berges“, des Nagyhegy“,  rund 180 Meter über dem Meer, werden seit 2001 Weinberge bewirtschaftet. Schrittweise wurden kleine Parzellen von zig Familien zusammengekauft, so dass man heute auf insgesamt 26 Hektar ausschließlich Rotweine produziert – und zeigt sich damit der Weinbautradition vor Ort verbunden. In submediterranem Klima reifte 2004 auf schweren, mehrschichtigen, kalkhaltigen mit rotem Lehm durchsetzten Lössböden der erste Jahrgang heran.

Mit Ausnahme von Kékfrankos hat man sich bislang ganz auf die großen internationalen Rebsorten konzentriert, als da wären über knapp 20 Hektar bewirtschaftete Fläche verteilt:

3,7 Hektar Kékfrankos (Blaufränkisch), 6,5 Hektar Merlot, 2,6 Hektar  Cabernet Sauvignon, 3,0 Hektar Cabernet Franc, 2,3 Hektar Syrah und 1,2 Hektar Pinot Noir

Zu den Verkostungsnotizen:

Kékfrankos Rosé 2008

Die Farbe von Blutorangenfruchtfleisch, jedoch selbstverständlich klar, mit ins Bräunliche gehenden Reflexen. In der Nase meiner Meinung nach Fehltöne, kaum Frucht, steinig mineralisch, fein rauchig, stumpf. Aber sonst schien es niemand zu bemerken….? Am Gaumen Orangenaromen, Eisen, Bitterkeit, gute Säuren, hinten raus leicht süßlich, an Johannisbeeren und Erdbeeren erinnern. Insgesamt – wenn nicht fehlerhaft – so doch zumindest atypisch. Nicht mein Fall.

Pinot Noir 2007

Der erste Jahrgang, nach großer Hitze im Sommer schon am 3. September geerntet. Neun Monate in Barriques gereift. Mittleres Purpur bis Rubinrot, sehr schöne Reflexe. In der Nase kühle Frucht aus Zwetschgen und vor allem roten Kirschen, feine Würze, die sich an der Luft mit der Zeit etwas verstärkt. Am Gaumen im ernsten Eindruck erstaunlich weich, schlanke Frucht aus roten Früchten, filigrane Säuren, angenehm dezente Würze, feine, frische, leicht grünlich wirkende Tannine, klare, schlanke Strukur. Mittlerer Abgang. Insgesamt sehr Pinot Noir-typisch, schlank, nicht opulent, schön zu trinken.

Kékfrankos 2007

Man hat sich offen dazu bekannt, noch auf Stilsuche zu sein. Schwere, dichte Blaufränkisch sollen es am Ende aber nicht sein. Da passen die ersten Eindrücke. Mittleres Rubinrot. Schönes fruchtiges Bouquet, sehr frische, reife dunkle Früchte. Stilisitsch durchaus an den Pinot Noir angelehnt, recht leicht, dennoch mit kompaktem Bau, extraktreich, Kräuteraromen, schöne, klare Säuren und Frucht, leicht adstringierend, im mittleren Abgang treten die Tannine nochmals etwas stärker hervor. Schön.

Kékfrankos „K2“ 2007

Ein ziemlich genau einen Monat später als der andere Kékfrankos, nämlich zwischen dem 25. und 28. Oktober geerntet. Zwölf Monate in Holzfässern, dritte Füllung. In der Nase, dichter, weicher, runder, jedoch nicht so fruchtig wirkend. Für meinen Geschmack am Gaumen dann aber nicht so harmonisch, wobei er natürlich auch noch jung ist. Der recht hohe Alkoholgehalt zeigt sich auch ein wenig zu sehr, ledrig, Laub, Zartbitterschokolade, Frucht von getrockneten Zwetschgen, auch nussige Töne, matt adstringierend. Mittlerer Abgang. Etwas zu alkoholisch, etwas unausgeglichen, ungestüm, legt sich möglicherweise mit der Zeit.

Merlot 2007

Die Hauptrebsorte des Weingutes, sie macht rund ein Drittel des gesamten Bestandes aus. Rubinrot, leicht bräunliche Ränder. Weiches warmes Holz, schwarze Johannisbeeren, Milchprodukte, aber nicht als Fehlton. Gleich von  Beginn an der weichste, rundeste und körperbetonteste Wein bislang. Schon dieser einfache Merlot ist ziemlich kraftvoll, schöne klare Frucht von Brombeeren, Heidelbeeren und Schlehen, Bittermandelaromen und dunkle Schokolade. Feine, warme Tannine, gut abgestimmte Säuren. Mittlerer Abgang. Schön!

Später Teil 2, die Cuvées und Selektions-Weine

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  1.  Verkostung der Weine der Prantner Pince, Szekszárd – Teil I | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine

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