kadarka_eszterbauer-guenzerAus dem Weinmagazin Borigó (Nr. 25. Oktober 2008) möchte ich zu den kommenden Verkostungsnotizen die Stimmen einiger Winzer wiedergeben, die sich mit Kadarka auseinandersetzen:

Malatinszky Csaba (Villány)

«Natürlich gibt es Platz für Kadarka, wenn man ihn ihr zur Verfügung stellt. Von der Struktur her ist sie wie ein Burgunder, mit wenigen Tanninen, hohem Säure- und verhältnismäßig geringem natürlichem Zuckergehalt, sprich sie ähnelt in Ihrer Struktur nach Weißweinen. Ergo ergibt sie leichtere Weine, so wie sie in früheren Zeiten getrunken wurden.

Kadarka war und ist in Ungarn stets der Wein zur Halászlé, zur Fischsuppe, und nicht grundlos auch die Basis für viele Schillerweine. Wenn wir also dem internationalen Trend nach dunklen, dichten Weinen folgend dazu übergehen  immer dunklere Kadarka anzubieten, dann zerschneiden wir das historische Band zur klassischen ungarischen Gastronomie und Weinherstellung. Eine Rebsorte kann nur dann ein Hungaricum, ein ungarisches USP, also Alleinstellungsmerkmal sein, wenn sie die Rahmenbedingungen einer – damit meine ich ein jeder – ungarischen Anbauregion widerspiegelt. Wenn ich sie durch Tricks dazu bringe, wider Ihrer Natur und ihrer Umgebung am Ende einen uniformierten, dunkel konzenrierten Wein herzugeben, dann kann das meiner Meinung nach nicht der Weg sein, den man mit Kadarka einschlagen soll.»

Mészáros Pál (Szekszárd)

«Kadarka hat unbedingt eine Existenzberechtigung und Zukunft, aber nicht die Kadarka, die wir kennen und an die wir uns gewöhnt haben. Der P9-Klon mit großen Beeren und großen Trauben ist nicht dieselbe Kadarka, die in alten Zeiten so gelobt wurde, beispielsweise von Franz Liszt oder Justus Liebig, die sie gar mehr schätzten als Burgunder.

Die „echten“ Kadarka-Klone haben kleine Beeren und kleine Trauben. Wenn man sie neben die großbeerigen Verwandten legt, sehen die armen aus wie irgendeine mickrige, wilde Traube. Genau so ist auch unsere Mészi-Kadarka, die schon unter diesem Namen im Rebsorten-Katalog gelistet ist. Die habe ich von alten Weinberg meines Großvaters selektiert, weil ich mich daran erinnern konnte, dass ich als kleiner Junge stets nach deren Trauben gesucht habe, weil sie am süßesten geschmeckt haben. Im extrem heißen Sommer von 2003, als sogar die Cabernet-Trauben zusammenschrumpften, standen die Blätter dieser Kadarkasorte starr wie Sonnenkollektoren und die Beeren wuchsen trotz der geringen Wasserzufuhr. Daher verstehe ich die Winzer in Eger, die nicht viel von Kadarka halten, weil es dort kühler ist und Kadarka selten große Weine ergibt. Wenn man die Trauben nicht rechtzeitig erntet, platzen sie auf. Bei uns in Szekszárd geben die guten Klone in 3-4 von 5 Jahren einen guten Wein und nicht nur in 2 von 10, wie wahrscheinlich das in Eger der Fall. Der große Kadarka ist weder mit dem alten noch P9 identisch. Man muss die guten Klone suchen.»

Eszterbauer, Kadarka Válogatás 2007

Eszterbauer, Kadarka Válogatás 2007

Szekszárdi Kadarka Válogatás 2007, Eszterbauer Pince, Szekszárd

Recht intensives Purpur. Kühles, recht gedecktes Bouquet, vor allem Milch, feines trockenes Holz, hat auch etwas Stumpf-Steiniges, wenig Frucht. Am Gaumen geschmeidig mit mittlerem Körper, fein adstringierend, dunkle Früchte – aber auch hier halten sich diese zurück. Schokolade, Muskatnuss, Lorbeerblätter. Ordentliche Säuren. Kurzer bis mittlerer Abgang. Ein wenig nichtssagend.

Wein: Szekszárdi Kadarka Válogatás 2007
Weingut, Ort: Eszterbauer Pincészet, Szekszárd
Alkoholgehalt: 13,5% Vol.
Preis: 9,00 EUR (2.500 Ft)
Internet: eszterbauer-bor.hu

Günzer, Ördögárok Kadarka 2007

Günzer, Ördögárok Kadarka 2007

Ördögárok Kadarka 2007, Günzer Zoltán, Villány

Etwas dunkler im Glas als der Kontrahent aus Szekszárd. Viel Präsenz durch eine schöne Frucht strömt einem entgegen und ein wenig Süße schwingt mit, leicht florale Aromen. Waldbeeren, Tanne, daneben kräftige Würze. Am Gaumen steht er auch sofort parat mit einer kompakten, saftigen Frucht, schwarze Kirschen, Zwetschgen und schwarze Johannisbeeren, fleischige Textur, gute Würze, erinnert etwas an dunkle Bratensoße, schöne Säurestruktur im Hintergrund, angenehm adstringierend. Mittlerer Abgang. Wirklich schön, baut aber mit der Zeit im Glas leider auch ab, wirkt dann unstrukturiert, kraftlos.

Wein: Ördögárok Kadarka 2007
Weingut, Ort: Günzer Zoltán, Villány
Alkoholgehalt: 13,5% Vol.
Preis: 11,80 EUR (3.250 Ft)
Internet: gunzer.hu

Auch wenn ich Malatinszky im Großen und Ganzen zustimmen möchte, sehe ich im hiesigen Duell den Kadarka von Günzer vorn, obwohl er neumodisch ausgebaut wurde. Die Selektion Eszterbauer enttäuscht fast völlig. Günzers Wein ist immerhin ein Repräsentat für außen, für die internationale Bühne, wo man dann zwar nicht alle klassischen Charakteristika der Kadarka aufzeigen kann, wohl aber bleiben noch genug (Nase und Würze am Gaumen) und auf eine Weise, die zumindest verständlich, oder um es deutlicher zu sagen: leichter verkaufbar ist.

Szekszárd vs. alle anderen also: 4:3

Bisherigen Artikel dieser Serie:
Zur Einleitung und zum Teil I der Kadarka-Serie: Borműhely (Szekszárd) vs. Frittmann (Kunság)
Zum Teil II der Kadarka-Serie: Heutige Verbreitung des Kadarka in Ungarn. Duell II Villányi Kadarka 2006, Vylyan (Villány) vs. Kadarissimo 2006, Szt. Gaál Pince (Szekszárd)
Zum Teil III der Kadarka-Serie: Name und Herkunft des Kadarka. Duell III: Kadarka 2005, Balla Géza, Ménes (Rumänien) vs. Kadarka 2007, Heimann (Székesfehérvár)
Zum Teil IV der Kadarka-Serie: Die Landnahme des Kadarka in Ungarn. Takler (Szekszárd) vs. Orsolya (Eger)
Teil V der Kadarka-Serie: Farbenspiele und Imageprobleme – eine Zwischenbilanz, und Duell V: Vida Péter (Szekszárd) vs. Maurer Oszkár (Délvidék, Serbien)
Teil VI der Kadarka-Serie: Veredelung des Kadarka. Halmosi Pincészet (Szekszárd) vs. Malatinszky Kúria (Villány)

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  1.  Stimmen von Winzern zur Rebe 2: . Kadarka-Duell VIII: Kadarka Nagy Eged 2006, Gróf Buttler (Eger) vs. Iván völgyi Kadarka 2007, Sebestyén Csaba (Szekszárd) | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine
  2.  Kadarka – Stimmen von Winzern zur Rebe 3: Jekl Béla (Villány) und Heimann Zoltán (Szekszárd); und: Kadarka-Duell IX: Dúzsi Tamás (Szekszárd) vs. Jekl Béla (Villány) | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine

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