Kadarka von Halmosi und Malatinszky

Kadarka von Halmosi und Malatinszky

Veredelung geschieht durch Selektion und Kreuzungen, so auch beim Kadarka. Als jahrhundertealte Rebsorte hat Kadarka im Laufe seiner Geschichte lokal viele Variationen gebildet. Die Anfänge staatliche organisierter Forschung und Rebzucht sind in Ungarn mit der Etablierung des sozialistischen Staates eng verbunden – zeitlich, also auch, leider, programmatisch.

Die beiden bis heute aktiven önologischen Forschungsanstalten des Landes, in Kecskemét (in der Alföld, der Großen Tiefebene, knapp 90km südsüdöstlich von Budapest liegend) und Pécs (im Südwesten, nahe der Grenze zu Kroatien) definieren seit 1948 die Klone einzelner Rebsorten. Anfangs ging in erster Linie und überhaupt nur um Menge, wurde bewusst auf Quantität und nicht auf Qualität gesetzt. Die Gegenwart versucht nun wieder dieses Rad zurück zu drehen. Ziel ist folglich: lockere Rispen, kleine Beeren, viel Farbe und ein hoher Zuckergehalt.

Derzeit gibt es drei Klone, die staatlich zertifiziert sind. Zwei davon stammen noch aus den durch großen Aktionismus gekennzeichneten Anfangsjahrzehnten des Sozialismus:
Fűzeres Kadarka (Würziger Kadarka), Abkürzung P9 – seit 1969
Nemes Kadarka (Edler Kadarka), Abkürzung Kt.4 – seit 1958
Kadarka Kt.3 – seit 2007

Die Nachfrage nach qualitativ hochwertigen Klonen steigt kontinuierlich, weshalb sowohl in Kecskemét als auch Pécs den Kadarka-Klonen aktuell viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Gleichzeitig versuchen Erzeuger, die in der glücklichen Lage sind in ihren Weinbergen noch alte Stöcke stehen zu haben, eigenhändig Setzlinge für Neuanpflanzungen zu züchten.

Neben der Selektion wird auch verstärkt an Hybriden, also Kreuzungen gearbeitet, von denen es bereits fünf eigenständige, staatlich zertifizierte Sorten gibt, wobei die Ziel dieselben sind: hoher Zuckergehalt, intensivere Farbe, gute Widerstandsfähigkeit.

Rote Rebsorten
Bíbor Kadarka – Kadarka x Muscat Bouschet
Karmin – Petit Bouschet x Kadarka
Rubintos – Kékfrankos (Blaufränkisch) x Kadarka
Turán – Teinturier x Kadarka x Medoc Noir x Csaba Gyöngye

Weiße Rebsorte
Szirén – Kadarka x Muscat Ottonel – Irsai Olivér

Bislang werden allesamt nur selten angebaut. Manche, wie etwa der Bíbor Kadarka, werden lediglich zur Färbung eingesetzt. Den Turán hatte ich als reinsortigen Wein bereits probiert.
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Halmosi Pince: Szekszádri Kadarka 2006

Halmosi Pince: Szekszádri Kadarka 2006

Szekszárdi Kadarka 2006, Halmosi Pincészet (Halmosi József), Szekszárd

Mittleres Pupur, etwas trüb. Spannendes Boquet: rote Johannisbeeren, ganz feine Pfefferwürze, gedecktes, warmes Holz, auch Mandelaromen und vegetabile Anklänge von Mais und Artischocken aus der Dose und grünem Paprika. Im Mund ein mittlerer Körper, kompakt und doch breit genug, um füllend zu sein, Frucht von Holunder, Maulbeeren und schwarzen Johannisbeeren, etwas Würze und sehr fein leicht adstringierend. Mittlerer Abgang. Sehr gefällig!

Alkoholgehalt: 13,0% Vol.

Malatinszky: Le Sommelier Kadarka 2007

Malatinszky: Le Sommelier Kadarka 2007

Kadarka ‚Le Sommelier‘ 2007, Malatinszky Kúria, Villány

Sehr helles, klares Rubinrot, leicht goldfarbene Ränder. In der Nase Spagel und Kohltöne, auch etwas Kokos, rote Früchte, sanft rauchig. Am Gaumen eigenständig, sehr leicht, Frucht aus eingelegten Zwetschgen und gekochten roten Kirschen, feuchte Wolle, kaum Körper, im kurzen Abgang Bonbonaromen. Interessant, außergewöhnlich.

Alkoholgehalt: 12,0% Vol.

Man hat genau das Gegenteil bekommen, von dem was zu erwarten war. Der Szekszárder fällt deutlich kräftiger aus als der Villányer. Dabei schienen mir die Weine von Malatinszky bislang stets von ordentlichem Holzeinsatz geprägt, dieser Kadarka nicht. Wo er durchs (etwas zu viel) Leichtigkeit auf fast spielerische Weise mit seiner Frucht zu betören versucht, weiß die Interpretation von Halmosi durch mehr Dicht, Konzentration, Kraft und Druck zu punkten. Er gefällt mir bislang sogar am meisten.

Szekszárd vs. alle andern: 4:2

Bisherigen Artikel dieser Serie:
Zur Einleitung und zum Teil I der Kadarka-Serie: Borműhely (Szekszárd) vs. Frittmann (Kunság)
Zum Teil II der Kadarka-Serie: Heutige Verbreitung des Kadarka in Ungarn. Duell II Villányi Kadarka 2006, Vylyan (Villány) vs. Kadarissimo 2006, Szt. Gaál Pince (Szekszárd)
Zum Teil III der Kadarka-Serie: Name und Herkunft des Kadarka. Duell III: Kadarka 2005, Balla Géza, Ménes (Rumänien) vs. Kadarka 2007, Heimann (Székesfehérvár)
Zum Teil IV der Kadarka-Serie: Die Landnahme des Kadarka in Ungarn. Takler (Szekszárd) vs. Orsolya (Eger)
Teil V der Kadarka-Serie: Farbenspiele und Imageprobleme – eine Zwischenbilanz, und Duell V: Vida Péter (Szekszárd) vs. Maurer Oszkár (Délvidék, Serbien)

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  1.  Stimmen einiger Winzer über die Rebe 1, Mészáros und Malatinszky. Kadarka-Duell VII: Válogatás 2007, Eszterbauer (Szekszárd) vs. Ördögárok Kadarka 2007, Günzer Zoltán (Villány) | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine

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