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Im Mittelalter herrschte in den ungarischen Weinbergen die Farbe Weiß. In der heutigen Rotwein-Hochburg Eger etwa, wurde noch im 17. Jahrhundert keine einzige roten Reben angebaut. Gleichzeitig erlebte Tokaj seine erste internationale Blütezeit – mit dem dem Trend entsprechenden edelsüßen Aszú ließ sich so manch Blaublütiger den Gaumen benetzen und gipfelte in der noch heute unermüdlich für Marketingzwecke überstrapazierten Aussage Louis XIV. von Frankreich, der Tokajer sei der „König der Weine und Wein der Könige“.

Rot kam erst im 18. Jahrhundert auf und bedeute Kadarka. Der Umschwung in Ungarn ist (ausgerechnet) den Türken zu verdanken – zumindest indirekt. Die zur Flucht gezwungenen Völker des Balkan brachten u.a. den Kadarka mit ins Karpatenbecken. Damit begann die große Karriere des Kadarka  in den Grenzen des heutigen Ungarn als quasi einzige rote Rebsorte – trotz Zöllen, die den Export innerhalb des Habsburgreiches begrenzten.

Weltweit ist Rotwein heute vermutlich insgesamt gesehen populärer als Weißwein. Die Italiener trugen in den 90ern mit Sangiovese ihren Teil dazu bei, Übersee tat dem globalen Trend mit ihren Grundstandards setzenden, allzeit trinkbereiten charakterlosen Cabernet Sauvignons und Merlots den Rest. Die breite Masse der Weintrinker verharrt dort, sich in ihrem Trinkverhalten ab und an durch 90-Punkte + Parker-Bewertungen bestätigt fühlend. Daneben hat es etwa ein Pinot Noir und erst recht ein Kadarka, der bisweilen mit dem erstgenannten verglichen wird, schwer.

Was sind das auch für Weine, die auf dem ersten Blick im Glas kein undurchdringlich Rubinrotes Bild abgeben und durch Holzeinsatz nicht automatisch tannin- und körperreich werden? Das bedeutet automatisch ein Imageproblem, das der Kadarka bei einer etwaigen Internationalisierung nur schwerlich wird abschütteln können. Nein, sortenrein ausgebauter Kadarka ist mit Sicherheit kein Wein, der die Herzen der breiten Massen spielend erobern kann und wird. Das würde ich zumindest zum jetzigen Zeitpunkt, nach dem fünften Duell meiner Serie sagen. Auch wenn andererseits die letzten Verkostungen zeigen, dass zumindest genügend Potential für unterschiedliche Auslegungen hinsichtlich Farbe und Geschmack in ihr stecken. Das wiederum hat auch etwas mit der Züchtung verschiedenster Klone und neuer Rebsorten aus der Kreuzung von Kadarka mit anderen Sorten zu tun. Dazu beim nächsten Mal mehr.

Szekszárdi Kadarka 2006, Vida Péter, Szekszárd

Mittleres, ganz leicht trübes Purpur. Sehr fein-würziges Bouqet, zartes, leicht grünes Holz, Heu, Zwetschgen und Erdbeeren, auch eine Spur rauchig. Am Gaumen kräftige Säuren, dennoch weich texturiert, frische, punktuelle Frucht aus Pfirsich, Zwetschgen und Sauerkirschen, angenehm sanft adstringierend, würziger mittlerer Abgang. Sicher kein Kraftprotz, aber vielleicht der gehaltvollste Kadarka bislang.

Wein: Szekszárdi Kadarka 2006
Weingut, Ort: Heimann Pince, Szekszárd
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 12,5% Vol.
Preis: (2.390 Ft)
Internet: vidapeter.hu

Kadarka „A La Maurer“ 2007, Maurer Oszkár, Délvidék (Serbien)

Helles, klares Purpur. Durchweg zurückhaltend, vegetabile Noten dominieren, Kohlrabi und Karotten, allmählich schälen sich rote Früchte heraus, im Hintergrund Spuren von Rauchfleisch. Am Gaumen war, anfänglich ausgesprochen kräftige, fast harte, spitze Säuren, mit der Zeit besser eingebettet, dadurch milder, weicher werdend. Auch hier rote Früchte, Kirschen, Erd- und Himbeeren, Zeichen von Lakritz, fast unmerklich, matt adstringierend. Breiter im Mund aber flacher, gehaltloser als der Kadarka von Vida. Kurzer bis mittlerer, leicht süßlicher Abgang.
Wein: Kadarka „A La Maurer“ 2007
Weingut, Ort: Maurer Oszkár, Hajdukovo (Serbien)
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 12,0% Vol.
Preis: (2.880 Ft)
Internet: maurerboraszat.uw.hu

Der Kadarka von Vida weiß deutlich mehr zu gefallen als der „serbische“ von Maurer.

Szekszárd gegen den Rest der Welt 3:2

Bisherigen Artikel dieser Serie:
Zur Einleitung und zum Teil I der Kadarka-Serie: Borműhely (Szekszárd) vs. Frittmann (Kunság)
Zum Teil II der Kadarka-Serie: Heutige Verbreitung des Kadarka in Ungarn. Duell II Villányi Kadarka 2006, Vylyan (Villány) vs. Kadarissimo 2006, Szt. Gaál Pince (Szekszárd)
Zum Teil III der Kadarka-Serie: Name und Herkunft des Kadarka. Duell III: Kadarka 2005, Balla Géza, Ménes (Rumänien) vs. Kadarka 2007, Heimann (Székesfehérvár)
Zum Teil IV der Kadarka-Serie: Die Landnahme des Kadarka in Ungarn. Takler (Szekszárd) vs. Orsolya (Eger)

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