Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat Ungarn deutlich stärker getroffen als manch andere Länder der mittelosteuropäischen Region. Das hat auch und vor allem mit hausgemachten Problemen zu tun, die es bereits vor der Krise gab. Etwa dem höchsten Haushaltsdefizit innerhalb der EU, einem entsprechenden, auf haltlosem Pump basierenden Konsumverhalten der Ungarn, Missmanagement der Regierung sowie einer tiefen innergesellschaftlichen Spaltung des Landes in zwei politische Lager, die kaum eine sachliche Diskussion geschweige denn ein problemlösungsorientiertes Verhalten möglich macht.

Der Einzelhandel im Laufe des Jahres spürbar zurück. Der Weinkonsum hingegen stieg um fünf Prozent an, was jedoch dem untersten Billigpreis-Segment zu verdanken ist, in dem Weine (oder aus was auch immer hergestellte, als Wein deklarierte alkoholhaltige Getränke) in 2-5 Liter fassenden Kunststofflaschen oder kanistern verkauft werden (Quelle: GfK Meinungsumfrage). Dennoch zeigt sich auch ein anhaltender, positiv zu bewertender Trend: immer mehr Menschen greifen  immer bewusster Qualitätsweinen, informieren sich ausgiebiger und nehmen sich die Zeit, zu Weinveranstaltungen wie den zahlreichen Festivals oder Einzelverkostungen zu gehen.

Dabei weitet sich das Angebot permanent aus, nicht nur was ungarische Weine anbelangt, wo der Markt nach wie vor permanent in Bewegung ist und neue Namen an die Oberfläche befördert. Es sind zunehmend auch importierte Weine, vorwiegend aus Italien, Frankreich und Übersee, die neben den ungarischen Erzeugnissen angeboten werden. Beide Bewegungen kriegen die heimischen Winzer auf unangenehme Weise zu spüren. Noch zeigt sich der zunehmenden Wettkampf nicht in sinkenden Preisen. Dies dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein.

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