borfeszival_2009

 

Das Internationale Budapester Wein- und Sektfestival auf der Budaer Burg ist die größte Veranstaltung ihrer Art in Ungarn – was bei der schieren Menge von Festivals und sonstigen Veranstaltungen und um das Thema Wein auch was heißen soll. Das 18. Budapesti Nemzetközi Bor- és Pezsgőfesztivál, so der Name auf Ungarisch, freut sich nach wie vor über einen großen Besucherandrang und auch die einzelnen Buden, in denen Winzer und Händler die Weine zur Verkostung anbieten könnnen, sind stets früh ausgebucht, trotz recht hoher Standmieten.

Der Teil „International“ im Namen bekommt langsam aber sicher ein wenig mehr Bedeutung und damit Existenzberechtigung. Dennoch sind es nach wie vor überwiegend ungarische Weine, die man angeboten bekommt. Die Internationalen sind einige große Namen, vertreten durch Importeure. Wirklich Interessantes findet man darunter kaum. Schön ist, dass auch kleine ungarische Winzer durch gemeinsame Stände die Möglichkeit haben, sich zu präsentieren.

Bei dem riesigen Angebot muss man allerdings entweder die gesamte Dauer des Festivals ausnutzen, also von Mittwoch bis Sonntag dort sein. Oder aber Abstriche machen und, ja, leider Gottes, kühl planend herangehen. So machte, musste ich es denn auch anpacken, schaute mir die Liste mit Ausstellern im Voraus an, markierte auf der im Internet abrufbaren Karte jene Winzer bzw. deren Stände, die ich besuchen wollte, setzte Prioritäten, um, ja um am Ende doch nochmals Abstriche machen zu müssen.Ich verbrachte am Ende knapp fünf Stunden auf der Budaer Burg, um am Ende wenigstens mit ein paar ausgesprochen schönen Eindrücken den Heimweg anzutreten. Das war am Donnerstag. Hier nun endlich schrittweise meine Verkostungsnotizen.

Mit den Weinen von Miklóscsabi konnte ich mich bislang wenig auseinandersetzen. Sie sind gar nicht einfach zu kriegen (warum eigentlich?) und gehören (neben den Erzeugnissen aus dem Hause Maurus) doch zum Besten, was aus dem Weingebiet Mór kommt. Doch auch hier musste ich mich gleich einschränken, auf den Klassiker aus Mór, die autochthone Rebsorte Ezerjó, Tausendgut.

Moorer Ezerjó 2008, Miklóscsabi, Mór

Das kleine Weinbaugebiet Mór fristet ein Randdasein, liefert kaum gute Qualitäten und ist, wenn überhaupt, für oder durch die Rebsorte Ezerjó, Tausendgut, bekannt. Zur einen Hälfte in Stahl, zur anderen in Holz ausgebaut. Helles Zitronengelb, in der Nase ein Bund frischer Kräuter, Gras, Kapern und feuchte Erde. Im Mund dann die klassischen Komponenten von Ezerjó, viel Säure, dazu noch Zitrusfrüchte und kräuterhafte Bitterkeit, daneben noch, durchweg präsent eine steinern-eiserne Mineralität. Auf einen Punkt konzentriert, nicht breit.Wem die Säure nicht zu viel ist, hat Spaß an dem Wein.

Csakazízéer Ezerjó 2008, Miklóscsabi, Mór

Gänzlich in kleinen Holzfässern ausgebaut. Dunkles Strohgelb. Man denkt zuerst, dass man es mit einem Chardonnay zu tun hat, Bonbondüfte entsteigen dem Glas, warmes Holz und Vanille. Im Mund dann kräftige und doch filigran, weil schön eingebaute Säuren, leicht cremige Textur, vor allem Orangenfrucht und deutlicher Holzeinsatz. Erst am Ende zeigt sich eine metallene Mineralität und die Säuren zeigen sich unangenehm spitz im Abgang. Vielleicht sehr subjektiv: mir zu viel Holz.

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