header_kadarka-takler-orsolyaAls Honfoglalás, als Landnahme, wird der Einzug der Ungarn ins Karpatenbecken bezeichnet. Die Honfoglalás war 900 nach Christus abgeschlossen, die des Kadarkas rund 1000 Jahre später. Auch der Kadarka nahm sich das Land, das er brauchte und das ihm gefiel, um jene große Bedeutung zu erlangen, die ihn zwischenzeitlich zur wichtigsten roten Rebsorte Ungarns machte. Selbstverständlich war auch diese Landnahme von Menschenhand bestimmt, von Ungarn aus dem heutigen Serbien, die anfangs die treibende Kraft bei den ersten Pflanzungen waren.
Von den Türken unfreiwillig angetrieben, gelangten mit ihnen Ableger des Kadarka auf zwei Wegen nach Norden, in die pannonische Tiefebene und damit ins heutige Ungarn: über die südungarischen Anbaugebiete Villány, Pécs, Szekszárd bis Buda (dem westlichen Teil des erst später vereinten Budapests), und hernach weiter nordöstlich bis Eger; sowie über die damals noch zu Ungarn gehörende und heute bei der rumänischen Stadt Arad liegende Region Ménes. Nachdem 1686 Buda zurückerobert und die Türken vertrieben waren, wurde Tabán am Fuße des Gellért-Berges, also Mitten im heutigen Budapest gelegen, zum Zentrum des Kadarka-Anbaus in Ungarn.
Die Blütezeit des Kadarka fiel danach mit der des Habsburgerreiches zusammen – und ebenso deren allmähliche Niedergang. Im Großungarn vor dem ersten Weltkrieg lag die Anbauquote von Kadarka bei über 60%. Dieser Anteil hielt sich auch über die Philoxera-Plage hin halbwegs konstant, obgleich Kadarka in allen hügeligen Anbaugebieten ab 1875 quasi ausgestorben war. Denn der steigende Anteil des Kadarka in der von sandigen Böden geprägten Tiefebene trug maßgeblich zum Überleben bei. Das Schicksal wollte es so, dass die Philoxera im Sand schlichtweg nicht überleben kann und so die Alföld, die Tiefebene, zur Arche Noah für die späteren Kadarka Generationen wurde.

Takler, Kadarka 2007

Takler, Kadarka 2007

Kadarka 2007, Takler, Szekszárd

Mittleres, fast gänzlich klares Purpur. In der Nase Kompott aus roten Früchten, sauerkirschen, etwas schweißig-animalische Töne, auch fein-gedämpfte Würze aus Leder und Lakritz. Im Mund greifbar rustikal, recht direkt, schnörkellos, rote Kirschen, Zwetschgen, auch etwas rote Johannisbeeren und Birnen, ordentliche, nicht allzu aufdringliche Säuren, ganz fein adstringierend. Mittlerer Abgang mit etwas muffigem Holznachhall.

Wein: Kadarka 2007
Weingut, Ort: Takler Pince, Szekszárd
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 13,5% Vol.
Preis: 9,80 EUR (2.690 Ft)

Mutet kindisch? Ist ja auch von Kinderhand gemalt. Muss das für Marketingzwecke sein sein? Ich weiß es auch nicht.

Mutet kindisch? Ist ja auch von Kinderhand gemalt. Muss das für Marketingzwecke sein sein? Ich weiß es auch nicht.

Görbesoros Kadarka 2007, Oroslya Pince, Eger

Helles, klares Rubinrot. Absolut außergewöhnliches Boquet mit medizinischen Aromen von Kampfer und Menthol, Erdbeerfrucht, sogar auch dezente Anklänge von Sardellen. Am Gaumen ungemein fruchtig-frisch, Himbeere, Pfirsich und Aprikosen, zwischenzeitlich fast wie ein Rosé oder gar Weißwein wirkend, gegen Ende feine Säuren, spritzig aber drucklos. Kurzer bis mittlerer Abgang. Interessanter, außergewöhnlicher Wein, keine Frage. Mehr aber auch nicht.

Wein: Görbesoros Kadarka 2007
Weingut, Ort: Orsolya Pince, Ostoros
Rebsorte/n: Kadarka
Alkoholgehalt: 12,5% Vol.
Preis: 15,30 EUR (4.200 Ft)
Internet: orsolyapince.hu

Etwas einfallslos gegen außergewöhnlich verspielt, gemeinsamer Nenner: strukturlos. Im Zweifelsfall muss der Mut belohnt werden, also geht der Punkt an den jedoch deutlich überteuerten Kadarka von Orsolya.
Szekszárd vs. Rest der Welt 2:2

Bisherigen Artikel dieser Serie:

Zur Einleitung und zum Teil I der Kadarka-Serie: Borműhely (Szekszárd) vs. Frittmann (Kunság)
Zum Teil II der Kadarka-Serie: Heutige Verbreitung des Kadarka in Ungarn. Duell II Villányi Kadarka 2006, Vylyan (Villány) vs. Kadarissimo 2006, Szt. Gaál Pince (Szekszárd)
Zum Teil III der Kadarka-serie: Name und Herkunft des Kadarka. Duell III: Kadarka 2005, Balla Géza, Ménes (Rumänien) vs. Kadarka 2007, Heimann (Székesfehérvár)

Trackbacks/Pingbacks

  1.  Farbenspiele und Imageprobleme – eine Zwischenbilanz, und Duell V: Kadarka 2006, Vida Péter (Szekszárd) vs. Kadarka 2007, Maurer Oszkár (Délvidék, Serbien) | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine

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