Der Terroir Club hatte zu einer Királyudvar Vertikalen der jüngsten Jahrgänge geladen und entsprechend voll war der Verkostungsraum. Anthony Hwang selbst, geschäftsführender Eigentümer von Királyudvar, führte durch die Verkostungsreihe und wartete mit einigen Neuigkeiten und einer Premiere auf. Erstmals überhaupt in der Öffentlichkeit wurden aus dem 2008er Jahrgang die Weine Sec, Demi Sec, Lapis Furmint und das Ilona Cuvée verkostet. Überraschung und Premiere zugleich war die Vorstellung des ersten Sekt-Jahrgangs aus Tokaj. All diese Weine werden erst in den kommenden zwei bis drei Monaten, der Sekt gar erst Ende des Jahres auf den Markt kommen.

Der Abend begann mit einer Meldung, die nicht ganz unerwartet kam. Demeter Zoltán, lange Jahre verantwortlich für die Weine von Királyudvar und zuletzt technischer Direktor, wird künftig dem berühmten Tokajer Weingut nur noch als Berater zur Verfügung stehen. Demeter hatte in den vergangenen vier Jahren stetig an der Entwicklung der eigenen Weine gearbeitet, dass daraus irgendwann Konsequenzen folgen würden, war nur eine Frage der Zeit.

Eine gewiss noch entscheidendere, richtungsweisende Nachricht für die Zukunft der Weine von Királyudvar war jedoch, dass man 2008 begonnen hatte, auf biodynamischen Anbau umzustellen und die ersten Ergebnisse das Team um Anthony Hwang darin bestärkt haben, die Umstellung fortzuführen und bis 2012 abzuschließen. Unabhängig davon sei nach wie vor das Ziel, Királyudvar zu einer Marke zu machen, hinter der das Versprechen steht, bezahlbare Weine in zuverlässig hohen Qualitäten zu produzieren, die zu den besten der Welt gehören sollen. Dazu würden auch 2009 neue Investitionen im Keller und in den Weinbergen getätigt.

Mit der Entwicklung der Weinstile von Sec, Lapis Furmint und Ilona Cuvée zeigte sich Anthony Hwang überaus zufrieden. Die Tatsache, dass auch aus dem recht schwierigen 2008er Jahrgang ein Ilona Cuvée hervorgehen konnte (in schlechteren Jahrgängen kommt sonst lediglich ein Cuvée unter dem Namen Patrícia auf den Markt), sei in sich bemerkenswert und für ihn eine Bestätigung dessen, dass man seit dem 2006er Jahrgang endlich zu einem grundlegenden Verständnis der Lagen und Rebpflanzungen und damit zu einer eigenen Philosophie gekommen sei, die es nun voranzutreiben und zu verfeinern gelte.

Hwang sieht ein riesiges Potential im Tokajer Terroir und der Rebsorte Furmint. Der Weg sei noch lang, viel Arbeit sei zu tun aber perspektivisch sieht er den Furmint als ernst zu nehmenden Gegner der deutschen Rieslinge im Kampf um die „Weißwein-Krone“. Schon zeigt sich, dass die Klaviatur, die die Furmint-Rebe bereithält, über alle erdenklichen Oktaven führt: von filigranen und körperreichen, trocken ausgebauten Weinen, über Weine mit Restsüße und halbtrockene Gewächse bis hin zu edelsüßen Aszú. Der Weg sei lang und beschwerlich und könne nur gemeinsam und nicht gegeneinander gemeistert werden, verdeutlichte Hwang und versetzte damit so manchem ungarischen Weingut und Winzer einen Seitenhieb.

Pezsgő 2007

Rebsorte/n: 55% Furmint, 45% Hárslevelű
Lage: Henye
Alkoholgehalt: 12,5% Vol.
Sonstige Angaben: 3,5 g/l Restzucker, 7,5 g/l Säure, erste Gärung in ungarischen Eichenfässern, danach 7 Monate Reife in Stahltanks, zwei Gärung in der Flasche mit Hefen aus der Champagne

Sekte, ganz vereinzelt auch Winzersekte, gibt es durchaus in Ungarn. Wiewohl die Qualitäten zumeist alles andere als berauschend sind und die Perlen häufig auch einem Schaumbad gut zu Gesichte stünden. nach Meinung von Anthony Hwang sind Furmint und Hárslevelű kräftig genug, um dem Sekt ausreichend Körper zu verleihen, so dass es keiner roten Rebsorte bedarf.
Das erste Ergbnis von Királyudvar ist ein echter Brut: Helles Strohgelb, fein perlend. Noch leichte Hefespuren in der Nase, daneben Banane, Mandarine. Schöne markante Säuren, feine Frucht, nicht zu trocken, wunderbar anregend, ordentlicher Körper. Mittlerer bis langer Abgang. Mir, der nicht gerade ein Sekt-Freund ist, gefiel er gut. Noch mindestens sechs Monate Reifung auf der Flasche wird ihm sicher gut tun.

Sec 2008

Rebsorte/n: 82% Furmint, 18% Hárslevelű
Lagen: Percze, Henye, Becsek
Alkoholgehalt: 12,5% Vol.
Sonstige Angaben: 11 g/l Restzucker, 7,5 g/l Säure, Gärung in ungarischen Eichefässern, Reife in 500l Eichenfässern über sechs Monate

Der 2008er ist der vierte Jahrgang dieses trocken ausgebauten Cuvées aus unterschiedlichen Lagen, diesmal dominiert der Furmint sehr. Helles Strohgelb. In der Nase etwas verhaltene Anklänge von trockenen Blättern und Zitrone. Am Gaumen leicht cremige Textur, bereits angenehm entwickelte Frucht – erst aus Äpfeln und Mandarinen, später dominieren dann schöne, klare, kräftige Säuren in gestalt von Grapefruit- und Limettenaromen. Durchweg klar strukturierte Mineralität. Mittlerer bis langer Abgang. Interessanterweise erscheint der 2008er trotz höherem Restzuckergehalt trockener als der 2007er

Sec 2007

Rebsorte/n: 70% Furmint, 30% Hárslevelű
Lagen: Percze, Henye, Becsek
Alkoholgehalt: 12,5% Vol.
Sonstige Angaben: 9 g/l Restzucker, 6,8 g/l Säure, Gärung in ungarischen Eichefässern, Reife in 500l Eichenfässern über sechs Monate.

Helles, glänzendes Strohgelb mit sehr schönen Brechungen. In der Nase Nougat und Nussaromen, daneben getrocknete Äpfel und Birnen. Im Mund cremiger und körperreicher, gleichzeitig filigraner als der 2008er, reife Fruchtaromen von Birnen, die steinige Mineralität ist weniger stark ausgeprägt und kommt erst gegen Ende. Mittlerer bis langer Abgang.

Demi Sec 2008

Rebsorte/n: 70% Furmint, 30% Hárslevelű
Lagen: 100% Becsek
Alkoholgehalt: 12,0% Vol.
Sonstige Angaben: 26 g/l Restzucker, 7 g/l Säure, Gärung in ungarischen Eichefässern, Reife in 500l Eichenfässern über fünf Monate.

Ein Problem der alten Tokajer Weinberge ist, dass sie nie sortenrein, sondern zumeist mehr oder weniger bunt gemischt beflanzt sind. Insofern kommt es nur selten vor, dass zu 100% sortenreine Weine entstehen, ausgenommen sind natürlich Neupflanzungen. Der Demi Sec aus der Lage Becsek kommt auch deshalb als Cuvée daher, dessen Anteile wenn man so will vom Weinberg diktiert wurden.
Leuchtendes Zitronengelb. In der Nase Vanille und Nougat, reife Birnen und Quitten. Am Gaumen elegante feingliedrige Säuren, die harmonisch gegen den deutlich wahrnehmbaren Restzucker laufen. Bereits reife, leicht buttrige Textur, Spuren von Butterkeksen, Pfirsich, Birnen und Äpfel-Aromen. Erstaunlich kurzer bis mittlerer Abgang.

Morgen dann Teil II: Lapis Furmint 2008 und 2007, Ilona Cuvée 2008, 2007 und 2003 udn der 6 puttige Aszú aus der Lage Lapis von 2005

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