logo_tokaj-renaissanceGestern stellte die Mehrheit der Mitglieder von Tokaj Renaissance, der „Vereinigung der Tokajer Prädikatsweingüter“, ihre Aszú des Jahrgangs 2005 im Atrium des Gerbeaud vor. Nicht mit dabei war Szepsy, auf den man natürlich immer gespannt ist. Aber viele andere große Namen, wie Árvay, Dereszla, Pajzos Royal Tokaji… Angenehmerweise war die Veranstaltung nicht allzu gut besucht, fand auch gut versteckt statt. Vermutlich hatte man den Weg dorthin ganz bewusst nicht ausgeschildert.

2005 galt im Vorfeld als ausgezeichneter Jahrgang und wurde gar mit dem überragenden 1999er verglichen. Auch oder gerade trotz diverser Schwierigkeiten, die das Jahr mit sich brachte: viel Regen im Mai, große Pilzgefahr im Sommer, aber auch viel Sonne und ein herrlicher Altweibersommer, der mehr als nur die letzte Rettung war.

Vor den 2005er Tokaj konnte und musste man jedoch die Gelegenheit nutzen, auch die jüngsten Jahrgänge der trocken und halbtrocken ausgebauten Weine zu probieren, die gleichzeitig vorgestellt wurden. Es scheint, dass inzwischen auch jene „klassisch konservativen“ Weingüter auf den Trichter gekommen sind, langsam mal nachzulegen, was trocken ausgebaute Weißwein anbelangt um schnell noch auf den bereits in Bewegung befindlichen Zug aufzuspringen. Denn diese hatten sich bisher einzig und allein auf Aszú spezialisiert. Der Markt gerät immer mehr in Bewegung, was unsereins nur Recht sein kann.

Hárslevelű 2007, Béres Szőlőbirtok

Trocken ausgebaut, 80% in Holzfass, 20% im Stahltank. In der Nase kühle Frische von Zitrusfrüchten, leicht mineralische Note. Am Gaumen eher Hárslevelű untypische Charakterzüge, zuerst und vor allem kräftige Säuren, auch hier sehr frisch, nicht allzu konzentriert, Limetten und frische saure Äpfel. Gegen Ende etwas schwachbrüstig.

Lőcse Furmint 2007, Béres Szőlőbirtok

Zu 2/3 in gebrauchten, zu 1/3 in neuen Holzfässern ausgebaut, trocken. Klassische Furmint-Nase nach grünen Äpfeln, daneben Mandelblütenaromen. Am Gaumen noch recht verschlossen, frische grüne Kräuter, mineralisch-rauchige Noten, hinten raus feine Bittermandelaromen. Gefällt.

Kabar 2007, Château Dereszla

Ein trockenes Cuvée aus Hárslevelű und Bouvier mit 14% Vol. Sehr schönes, ungemein fruchtiges Bouquet aus Pfirsich, Aprikosen und Veilchen. Am Gaumen filigran bis ein wenig schlank, zarte Butternote, Trockenfrüchte, Orangenbitter und Mandelaromen, am Ende dominieren die Bitterstoffe etwas zu sehr. Aber durchaus interessant.

Sauvignon Blanc 2008, Château Dereszla

Der erste Sauvignon Blanc von Dereszla und soviel ich weiß von ganz Tokaj. 11,5% Vol. Was für ein Bouquet: Frucht pur! Wirkt fast schon wie künstlich parfümiert, ohne jedoch an bisweilen unangenehm schwülstigen Muskateller-Töne zu erinnern. Eben die typischen exotischen Früchte, vor allem Mango oder auch an den klassischen Teeladen-Geruch mit seinen aromatisierten Tees. Im Mund cremig fruchtig, Aprikosen und vor allem Pfirsicharomen, die Restsüße ist von Beginn an deutlich bemerkbar. Schönes Säure-Süße-Spiel.

Furmint 2007, Royal Tokaji

Trocken ausgebaut. Kühles, noch recht verschlossenes Bouquet nach frischen Trauben und unreifen Äpfeln. Am Gaumen sanfte Frucht, Spuren von Honigmelone und Rosinen, ausgesprochen wenig Säure, dadurch etwas flach, rückgratlos wirkend. Gegen Ende entwickelt sich eine würzige Wärme mit angenehmer Bitternote. Ein wenig fehlt die Linie, das Konzept. Kein Kraftpaket, aber auch kein wirklich filigraner Furmint.

Furmint 2007, Château Pajzos

Trocken ausgebaut. Wunderschönes Bouquet, warm, voll, einnehmend – leicht mineralisch-rauchig-würzig, ganz deutliche Birnen und vor allem Apfelaromen. Am Gaumen Spuren von Vanille und Mandeln, Backäpfel, gut entwickelte kräftige Säurestruktur, extraktreich, herrlich konzentriert und ordentlich lang im Abgang. Schön.

Morgen dann Teil II der Verkostungsnotizen zu den trockenen Weinen von Patricius, Alana, Árvay és Társa und Füleki…

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