Der Frühling schien noch unendlich weit entfernt, unerreichbar. Und damit auch die Zeit der Open Air Festivals, die mit kulinarischen Themen in Ungarn zu einem mächtigen Trend geworden sind. Insofern musste der anhaltende Winter bis zum inzwischen spürbaren Frühlingsanfang überbrückt werden durch einige Verkostungen. Nach der Somló Jahrgangspräsentation war konsequenterweise eine Woche später bereits die nächste Region an der Reihe: das Felvidék. Übersetzt heißt das erst einmal nur Oberland und findet sich auch im Namen des Balaton felvidék, dem Balaton-Oberland.In diesem Fall handelt es sich jedoch um das hügelige Mittelgebirge, das unmittelbar nördlich der Donau beginnt – und damit im Südwesten der Slowakei liegt. Warum ich in meinem Blog über ungarische Weine dennoch darüber berichte? Weil die Winzer zur ungarischen Minderheit gehören, die in manchen Ortschaften und Dörfern im Süden der Slowakei nach wie vor die Mehrheit der Bevölkerung stellen, ihre Sprache und Tradition bewahren und die Nähe zu Ungarn suchen. Bis zum Ende des ersten Weltkrieges, der für Ungarn 1920 mit einem dramatischen Landverlust im Vertrag von Trianon endete, gehörte dieser Teil der heutigen Slowakei zur k.u.k. Monarchie Österreich-Ungarn. Natürlich sind die Winzer gemäß ihren offiziellen Papieren slowakische Staatsbürger, ihre Reben wurzeln in slowakischen Böden und an manchen Flaschen klebt die Banderole des slowakischen Zolls. Insofern habe ich wieder einmal einen Grenzgang gemacht, setze das Tag „Slowakei“ und weise die diesen und die folgenden Einträge der Kategorie „Grenzgänge“ zu.

Spannend ist es allemal, ohne Scheu über den Grenzrand zu schauen, tummelt sich dort doch eine kleine illustre Schar von Winzern, die sich mit aus ungarischer und deutscher Perspektive seltenen Sorten, wie etwa St. Laurent – Habsburg bzw. Österreich lässt grüßen – oder ganz und gar unbekannten Sorten wie Alibernet beschäftigen. Den Weißweinen kommt in den recht kühlen Anbaugebieten der Südslowakei etwas mehr Bedeutung zu. Die Nähe zu Österreich zeigt sich auch hier. So manch einer versucht sich am Grünen Veltliner. Das Potential wird hoch eingestuft, auch bzw. gar von einem so renommierten Winzer wie Egon Müller, der 2003 seinen ersten slowakischen Rieslingjahrgang hervorbrachte. Nicht allein, sondern in einem Joint Venture mit der Familie Ullmann, den Besitzern eines barocken Schlosses namens Château Béla, das heute ein luxuriöses Hotel beherbergt. Er ist mit dem mutigen Ziel angetreten, die besten Rieslinge aus Österreich und dem Elsass herausfordern.

Insgesamt stellen elf Weingüter ihre Weine vor, deren Namen und Heimat ich im folgenden in der ungarischen Sprachvariante wiedergebe, die Slowaken mögen es mir nachsehen: Bott Frigyes (Örsújfalu-Muzsla), Chateau Belá/Egon Müller (Béla Kastély), Drozdík József und Attila (Párkány),  Georgina Pince (Nagy Géza, Gúta), Hengerics Péter (Komáromszentpéter), Kasnyík TG Wine Manufacture (Kürt), Mátyás Pince (Kisújfalu), Molnár Szabolcs (Nádszeg), Strekov1075 (Melecsky-Sütő, Kürt), Vintop-Karkó (Búcs), Zsigmond Pincészet (Ipolynyék). Veranstaltungsort war das Pilinszky Café. Ich habe mich diesmal bei der Erscheinung der Verkostungsnotizen für eine klare Trennung zwischen Weiß und Rot entschieden. Insgesamt konnte ich etwas mehr als die Hälfte der rund 60 Weine verkosten, von manchen Winzern das gesamte Portfolio, von manchen nur ein-zwei Weine, je nach dem welchen Eindruck sie machten. Die Bedingungen waren übrigens deutlich besser, als auf der Somló-Veranstaltung. Auch weil deutlich weniger Andrang herrschte, aber auch, weil die Weine gut temperiert serviert wurden und permanent kleine Häppchen zum Neutralisieren zur Verfügung standen.

Drozdík Pincészet, Drozdík József és Attila / Párkány

Devin 2006

Die gerade einmal 10 Jahre alte Neuzüchtung Devin (Roter Traminer x Rotweißer Veltliner) hatte ich bereits ein Mal probieren können. Frisches, warmes Bouquet, floral, Zitrusfrüchte. Recht säuerlich, daneben leichter Schmelz, dennoch etwas sehr trocken daher kommend, Anklänge von Honigmelone, ordentlich, aber bei weitem nicht so schön wie der von Strekov1075.

Zöld Veltelini 2006

Verhalten würziges Bouquet, frisches Gemüse. Schöne Frucht aus Litschi und Mango, daneben aber zu viel Säure, im Abgang würzig, fast scharf beißend. Unausgewogen.

Szürkebarát 2006

Fruchtig warm, angenehm freundlich, weil unaufdringlich in der Nase. Daneben ledern, sanft erdige Töne. Am Gaumen Limettenschalen, grüne Blätter, matte, mineralische Herbheit, schön, wenn nicht wieder zu viel Säure im Spiel wäre.

Zsigmond Pincészet, Zsigmond László und Gábor /Ipolynyék

Morva Muskotály 2007

Klassische Muskatellernase, Rosenblätter, jedoch angenehm kühl und daher nicht allzu ausgeprägt. Dem ersten Eindrucknach voll, geradezu fleischig im Mund. Dann aber eine wässrige Zwischenphase, hernach unangenehm parfümiert und umso mehr Zeit er bekommt, umso schwerer, aufdringlicher wird er. Unangenehm.

Rajnai Rizling 2007

In der Nase ziemlich fruchtig und floral, Veilchen und Litschi. Am Gaumen Aprikosen, säuerlich-frische Nektarinen. Angenehm leicht und unbeschwert. Schöner, unkomplizierter Sommerwein.

Szürkebarát 2007

Ein halbtrocken ausgebauter Grauburgunder. Grüne Birnen, kühle, steinige, leicht mineralische Noten. Am Gaumen dann erstaunlich schwer, wieder Birnen und auch überreife Trauben. Daneben Blattsalat und angenehme matte Bitterkeit. Interessant.

Vintop-Karkó / Búcs

Rajnai Rizling 2007

Leichte Frische und Herbheit. Wassermelone-, Eukalyptus- und Pfirsich-Eindrücke in der Nase. Kräftige, spritzige Säuren dominieren den ersten Eindruck nachhaltig, erst allmählich schält sich eine gewisse Frucht in Gestalt von Pfirsich heraus, daneben warme Kräuter und Heu. Ordentlicher, einfacher Riesling.

Mátyás Pince / Kisújfalu

Rajnai Rizling 2007

Merkwürdiges, unsauberes Boquet, beherrscht von fauligen Tönen, daneben trockene Kräuter und Honigmelone aber der Fehlton überlagert letztlich doch alles. Daher nur Vermutung von Aprikose und Pfirsich-Frucht neben leichten Säuren. Misslungen.

Weiße Teil II, morgen

Eine Reaktion

  1. Ich bin auf der Suche der Ortschaft Matyas, dem Geburtsort meiner Mutter,geb. 1902. Auslandschweizer Familie. Könnten Sie mir bitte die genaue Lage von damals Matyacz-Matarsko angeben. Bin auch nicht mehr der
    Jüngste, Jahrang 1930.
    Herzlichen Dank und freundliche Grüsse

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