kislaki_bormanufaktura_01

Ich bin stets bemüht, ausgewogen über die ungarische Weinwelt zu schreiben. Dass nach dem Merlot und Chardonny Vítéz und der Querverkostung vor Weihnachten bei Zwack ein Verkostungs-Bericht zu den Weinen von Légli Géza erscheint, ist eher Zufall. Und Gelegenheiten soll man ja bekanntlich beim Schopfe packen. So eine Gelegenheit hat sich vergangenes Wochenende ergeben. Ich konnte Légli Géza zu Hause in Szőlőskislak besuchen, zusammen mit dem Weinhändler meines Vertrauens.

Am Ende waren wir gute sieben Stunden lang beim überaus sympathischen Géza, hatten seinen Keller (der bis dato kein richtiger ist) und seine Weinberge gezeigt bekommen, sein wunderschönes Haus, hatten extremst lecker speisen dürfen und ach ja – auch seine Weine verkosten können. Mit dem Abstand von gut sechs Wochen zum letzten Aufeinandertreffen bei den ZWACK Open, hatten sich die 2008er, allesamt nach wie vor Fassproben, ein gutes Stück weiter entwickelt. Überhaupt verdichtet sich bei mir zunehmend der Verdacht, dass da etwas Großes heranwächst. Ein weiterer bedeutender Name für die Region Süd-Balaton, neben seinem Bruder Ottó und natürlich Konyári. Einige seiner Weine sind gewiss nicht für jeden Tag und auch nicht leicht zugänglich. Aber dafür umso charakteristischer, mit hohem Wiedererkennungswert.

Rosé 2008 (Fassprobe)

Es sind immer noch dieselben 40% Merlot, 40% Cabernet Sauvignon und 20% Kékfrankos, 6 Stunden auf der Maische, 13% Vol. Recht dunkel im Glas, noch leicht trüb, kommt aber Mitte Februar auf die Flasche und dann in den Verkauf. In der Nase ganz deutlich frische Quitten, fast schneidbar, so deutlich und konzentriert ist der Eindruck, daneben noch Apfelschalen. Am Gaumen Birnen, etwa starke Säuren. Ein kräftiger, ein ausdrucksstarker Rosé.

Vitéz Chardonnay 2008 (Fassprobe)

Zu gleichen Teilen in drei verschiedenen Fässern ausgebaut, einem großen Eichenfass (10 Hektoliter), einem Barrique und in Akazienholz. Helles Zitronengelb, noch leicht trüb. Sofort sehr präsent mit unglaublich intensiven tropischen Fruchtaromen. Der Holzeinsatz hingegen scheint anfangs völlig verschwunden, kommt erst nach einiger Zeit zum Vorschein. Neben den Früchten dann auch Minze und Eukalyptus-Töne, Anklänge von Honig und eine feine, metallische Säurestruktur, die Komplexität und Halt gibt. Und dann ist da auch wieder dieser wachsartige Ton. Ein schöner, sehr eigenständiger Chardonnay, der gewiss nicht für jedermanns Gaumen ist. Aber mir persönlich gerade deshalb so gut gefällt.

Sauvignon Blanc 2008 (Fassprobe)

In 500l Eichenfässern ausgebaut. Wie schon vor einigen Wochen sind wieder Litschi und banae-Aromen präsent. Etwas kräuterig am Gaumen, deutliche Aprikose-Note, aber auch Ananas und grüne Äpfel, schöne mineralische Säuren, ausgesprochen extraktreich. Derzeit ganz klar mein Lieblings-SB in Ungarn.

Piros 2008 (Fassprobe)

Der Schillerwein von Géza, aus 100% Merlot. Reduktiv ausgebaut. Witzig, die allererste Assoziation: TrollinGer-Nase. Und das ausgerechnet mir, dem Schwaben, der einst so Trollinger-gebeutelt war, dass er fast zum nicht-Weintrinker wurde… Dazu passt dann noch die hellrote Farbe. Duft nach schon einmal eingefrorenen Erdbeeren. Im Mund Zwetschgen, eingelegte rote Früchte, eine deutliche Bitterkeit, die an grünes Laub erinnert. Wird im März/April fertig sein. Interessant, ähnlich wie der Rosé auch eher männlich geraten.

Morgen dann Teil II mit den Rotweinen…

Trackbacks/Pingbacks

  1.  Borúton, auf Weinwegen - Teil II: Besuch in der Kislaki Bormanufaktúra, bei Légli Géza, Süd-Balaton | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine
  2.  Cabernet Sauvignon – Merlot ‘Pupas’ 2007, Kislaki Bormanufaktura (Legli Geza), Süd-Balaton - BorWerk – Das Blog über ungarische Weine

Kommentieren? Hier entlang... ▼

Connect with Facebook


Verwandte Artikel