zwack_isabellaVergangenen Freitag hatte Zwack zu einer Weinverkostung geladen. Zwack mag außerhalb Ungarns nur denjenigen ein Begriff sein, die bereits einmal in hier waren und zwangsläufig mit UNICUM, der ungarischen Variante von Jägermeister in Kontakt kamen. Die mit Abstand bedeutendste Spirituosen und Weinhandelsdynastie Ungarns hatte jedenfalls alle Weinliebhaber zu den „Weihnachts-Open“, zur Verkostung besonderer Weine und weihnachtlichen Specials aufgerufen. Das weckte in mir gewisse Erwartungen, so dass auch ich mit großer Vorfreude ins Zwack Museum pilgerte. Vor Ort entpuppten sich die Vorankündigungen leider als marketingtypische Überzeichnung.

Man traf zwar auf einige Weingüter, sieben an der Zahl, die jedoch mehrheitlich nur ihre B-Ware präsentierten. Trotzdem hat es sich gelohnt, dort gewesen zu sein. Schließlich kommt man immer auf etwas. Und auch die sei es nur zur Erkenntnis, dass es sich bei großen Namen bisweilen nicht lohnt, sich mit deren einfachen Weinen zu beschäftigen.

Kislaki Bormanufaktúra, Legli Géza

Die positive Überraschung des Tages, der gesamten Verkostung. Nachdem ich erst vor kurzem zufälligerweise den Chardonnay und den Merlot von Légli Géza kosten durfte, komplettierte das Angebot vor Ort seine ganze Bandbreite an derzeitigen und kommenden Weinen. Allein diese Erfahrung war es wert, herzukommen. Denn es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis Géza zumindest zu seinem berühmten Bruder Otto aufschließen wird. Ich freue mich zumindest jetzt schon über die Ergebnisse seines noch recht jungen Winzerdaseins.

Rosé 2008 (Fassprobe)

… aus Cabernet Sauvignon (40%), Merlot (40%), Kékfrankos (20%) Der dritte Rosé von Géza. Trocken ausgebaut, war sechs Stunden auf der Maische und wird wohl bis März abfüllbar sein. Noch leicht trüb.
Ein straighter Wein, unkompliziert und schlank ohne einfach zu wirken, unaufdringlich, angenehm, frische Erdbeeren in der Nase, auch am Gaumen, und Himbeeren. Hinten raus Sauerkirschen. Schön, man ist geniegt zu sagen, dass das ein männlicher Rosé ist bzw. sein wird.

Kislaki Sauvignon Blanc 2007

Ausbau in Eichefässern. Hell Strohgelb. Abgekühlte Bratäpfel, fast botrytisartige Töne, leichte Zitrusnase, daneben auch warme rauchige, steinerne Noten. Unreife Äpfel, sanfte Säuren. Eine sich immer stärker aufbauende und im Abgang sehr deutlich werdende, keineswegs unangenehme Bitterkeit. Schöner, spannender Wein.

Sauvignon Blanc 2008 (Fassprobe)

Klasse Bouquet, es dränge sich einem tropische Früchte auf, vor allem Litschi und Mango. Auch am Gaumen die Wiederkehr desselben, auch Ananas. Natürlich noch sehr frisch,
schöne Säuren.

Piros Bor 2007

Im ungarischen gibt es zwei Wörter für die Farbe Rot, piros und vörös. Rotwein ist vörös bor. Inzwischen gibt es einige Weine am Markt, die bewusst „piros“ genannt werden. Sie bilden eine Sonderkategorie zwischen Rot und Rosé, frische, einfach zu trinkende und doch gehaltvolle Alltagsweine. Der Piros Bor von Géza ist aus Merlot und im Grunde ein Schiller. Und in der Tat: er kommt herrlich frisch fruchtig daher. Dunkle, leicht unreife Kirschen und Zwetschgen. Unbedingt gekühlt, wie einen Weißwein trinken. Sicher im Sommer herrlich, ist
er auch jetzt, im trüben Winter ein Vergnügen.

Cabernet Sauvignon – Merlot 2007

Das Jahr 2007 brachte so wenig Ertrag, dass die Menge nicht für reinsortige Weine ausgereicht hätte. Also wurde es ein 50:50 Cuvée aus der Lage Pupas hegy. In der Nase kühl, dunkle Früchte, Kakao und Lakritz. Schöne, recht weiche Tannine, rund und warm, vor allem Zwetschgen. Noch recht jung wirkend aber schon ziemlich langer Abgang. Eher ein filigraner Typ, kein Kraftmax. Aber gerade das macht ihn in Zeiten von übermäßigem Holzeinsatz schön, und absolut trinkenswert.

Cabernet Franc 2008 (Fassprobe)

Der erste Cabernet Franc von Géza. Und wenn auch erst seit nicht allzu langer Zeit im Fass, zeigt er doch schon erstaunlich viel Potential – ohne jung und ungestüm zu wirken. Eindeutig Holunder in der Nase, Laub, enorme Wärme und Weichheit. Wie als würde ein junger Schönling sich seiner bereits in Kindheitsjahren absolut sicher sein. Gleich zu Beginn feine Tannine, nach so kurzer Zeit noch ganz dezenter Holzeinsatz. Wachholder, Lorbeeren und etwas weißer Pfeffer. Dann, mit etwas Verzögerung dunkles Früchtekompott und feine
Säuren. Mittlerer Abgang. Ganz klar der schönste, spannendste Wein von ihm. Da muss man dranbleiben.

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  1.  Zwack Weihnachts-Open, Teil II: Juhfark, Somlói Apátsági Pince; terra nemo, Weninger, Sopron; Dry Furmint, Disznókő; Aszú 2003, Dobogó, Tokaj | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine
  2.  Borúton, auf Weinwegen - Teil I: Besuch in der Kislaki Bormanufaktúra, bei Légli Géza, Süd-Balaton | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine

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