istvandy_opener

Auf dem diesjährigen Budapester Borfalu, dem Weindorf, war der Stand von Istvándy der erste, den ich Istvandy ansteuerte und der Winzer, von dem ich am meisten quer verkostete. Viel Gefallen fand ich nicht an dem, was mir da ins Glas geschenkt wurde. Das Resümee daher schon an dieser Stelle, vor allem weg. Nach meinem Besuch vor Ort rehabilitiere Istvándy ein Stück weit. Seine Weine sind schön, meist noch recht einfach, sprich nicht zu komplex, gewissermaßen der Einstieg zu den besseren Qualitätsweinen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt, noch, wenn er in den kommenden Jahren mehr verlangen möchte, muss er aber im Weinberg und Keller in Vorleistung gehen. Vielleicht es auch ratsam, sich weniger auf ein bereits jetzt sehr breitgefächerte Angebot als auf ein paar spezifische Weine zu konzentrieren. Aber das ist nur eine persönliche Vermutung, von einer ernst zu nehmenden Beraterrolle bin ich weit entfernt. Allzu viel Luft tut ihnen jedenfalls nicht gut. Am Folgetag hatten die in den Flaschen verbliebenen Reste (trotz entzogener (herausgepumpter) Luft und kühler Lagerung) der Olaszrizlinge schon viel von ihrer Substanz und Frische verloren, wirkten flach und müde.

Dass grundsätzlich mehr möglich ist, kann man dem noch jungen Winzer zutrauen. Der Weg ist ein weiter und ziemlich

Istvándy Gergely

Istvándy Gergely

langsamer, sagt er selbst. Erst recht im Vergleich zu der Konkurrenz, die binnen fünf Jahren durch entsprechende finanzielle und personelle Investitionen aus brachliegenden Top-Lagen sämtliche Qualitätsstufen in einem Sprung nimmt. Der sehr ruhig erzählende, für einen Ungarn erstaunlich reserviert, verschlossen, fast emotionslos kühl wirkende junge Istvándy Gergely ist auf sich selbst verwiesen. Die Zusammenarbeit mit anderen Winzern vor Ort gelingt nur ganz allmählich und nur zwischen wenigen. Nach seinem Studium an der Universität für Landwirtschaft im nahegelegenen Keszthely macht er Weine nach Lehrbuch. Richtig gelernt hat er das Handwerk nicht, auch wenn der Weinbau in seiner Familie Tradition hat. Was sein Großvater machte, war zwar trinkbar aber letztlich anspruchslos. Manchmal ergab es ein paar Flaschen Aszú, die dann immer im Kellerfenster standen – und wenn der Großvater nicht da war, stibitzten wir Kinder einen kleinen Schluck daraus, erzählt Gergely mit einem Schmunzeln.

Noch heute stehen die vom Großvater gepflanzten Rebzeilen direkt vor dem Presshaus, eine heterogene Mischung aus diversen Sorten, sauber gepflegt, aber ohne echten Wert. Sie durch Neupflanzungen zu ersetzen bringt Gergely bis auf weiteres nicht übers Herz. An Anbaufläche mangelt es außerdem auch nicht, derzeit werden 40 ha bewirtschaftet. Erst recht spät begann er mit dem reduktiven Ausbau, zuvor fand alles seinen Weg in die alten Holzfässer des Großvaters. 2006 war der erste Jahrgang, der Stabilität und Sicherheit in der Herstellung bedeutete und zur konsequenten Flaschenabfüllung führte. dabei muss auch gesagt werden, dass der Eigenanspruch von Gergely ein höherer ist, als der vieler ungarischer Winzer. Da landen ganz andere Wein schon viel früher in Flaschen. Ehe ich es vergessen und ehe die Verkostungsnotizen starten: nicht nur wegen der Weine lohnt es sich, bei Geregly vorbei zu schauen, sondern auch wegen der vorzüglichen kalten Wurstplatte aus Mangalica-Schweinefleisch, einer alten ungarischen Schweinerasse, die Istvándy neben den ebenfalls klassisch ungarischen Graurindern hält.

Das alte Weinhaus

Das alte Weinhaus

Olaszrizling, Szürkebarát, Kéknyelű, Cabernet Sauvignon, daneben noch in kleineren Mengen Sauvignon Blanc und Muskotály.

Kéknyelű 2008 (Fassprobe)

Noch sehr früh, um etwas sagen zu können aber Nase sehr schön, Veilchen, tropische Früchte. Viel Frucht, leichte Bitterkeit und feine Säuren. Könnte richtig schön werden.

Muskotály 2008 (Fassprobe)

Schon jetzt sind sie da, die typischen, kräftig duftenden Muskateller-Aromen, Rosenblätter. Halbsüß, wenig Säuren, etwas flach.

Hárslevelű 2008 (Fassprobe)

Ölig schwer im Glas. Botrytistöne und Toast mit Butter und Orangenkonfitüre. Am Gaumen Honig und Vanillearomen, etwas Karamell und dezente Zitrone. Interessant.

Szürkebarát 2008 (Fassprobe)

Sagte mir wenig, noch sehr wenig entwickelt, etwas bitter, Andeutungen von Frucht und Säure.

Blick vom Weingut auf den Balaton

Blick vom Weingut auf den Balaton

Chardonnay – Sauvignon Blanc (zu gleichen Anteilen, Fassprobe)

Neues Fass, nach einem Monat aber natürlich noch nicht wahrnehmbar. Der Wein gärte noch hörbar vor sich hin. Halbtrocken. Fruchtige Nase, überreife Birnen, sanft, geschmeidig. Auch interessant.

Olaszrizling 2007

Vor kurzem erst in Flaschen abgefüllt. 13% Vol. Dunkles Zitronengelb. In der Nase erst allmählich, dann aber umso gewaltiger präsent: steinig, rauchige Töne, gelb-grüne Früchte, Stachelbeeren. Am Gaumen dann etwas enttäuschend, deutlich flauer, flacher daher kommend als erwartet. Trotz ordentlich robustes Mineralien- und Säuregerüst, recht filigran, ordentliche Frucht, aber der Druck fehlt. Saubere Arbeit, ordentliches Preis-Leistungs-Verhältnis.

Olaszrizling 2006

Etwas heller als der 2007er. Starke Zitrusaromen, deutliche Apfeltöne, frische Ananas, schon wunderbar präsent. Am Gaumen dann mannigfaltige Eindrücke: Rosen, Litschi, auch Honigmelone und Kiwi. Schon wirklich schön entwickelt, nur etwas kurzer Abgang.

Olaszrizling 2001

Aus den Zeiten, als der junge Istvándi György noch nicht völlig verantwortlich zeichnete. Helles Goldgelb, fast animalische Note, Petroltöne, dann auch Mango und Banane, Marzipan und ganz leicht Parfüm. Allzu viel Säure und Körper ist nicht geblieben, Reste von mineralischen Zügen beißen ein wenig, Mandelnoten, etwas Frucht, hinten raus schon etwas stumpf.

Badacsonyi Szemelt Kéknyelű 2006

Ein Dessertwein aus der schwierigen, fast nur lokal am Badacsony vertretenen Rebsorte Kéknyelű (Blaustängler) mit satten 15% Vol. Goldgelb im Glas. Natürlich noch sehr jung und daher auch noch ungemein frisch wirkend. Rosinen, Orangenschalen und ganz dezente Botrytis in der Nase. Recht viel mineralische Kraft, Birnen, Johannis- und Erdbeeren. Nicht allzu süß und auch am Gaumen frisch und jung daher kommend. Insgesamt ein fast männlich wirkender Vertreter der edelsüßen Zunft, ohne jedoch mit den Tokajern alten,
klassischen Stils vergleichbar zu sein.

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  1.  der weinfreak » Der Weinfreak is back – Was hat er getrieben?

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