Mészáros József

Mészáros József

Konnte vergangenen Woche für elf Stunden dem Büroalltag entfliehen, gen Balaton, der um diese  Jahreszeit ein ganz anderes Gesicht zeigt. Vom Winter rede ich nicht, obwohl auch dieser sehr wohl seinen ganz besonderen Reiz an den Ufern des ungarischen Meeres entfaltet. Sondern von der gähnenden Leere auf der Hauptstraße, die um den See führt. Überaus angenehm. Auch die Ramschwaren-Läden für Touristen vermisst man nicht wirklich. Ein Stück landeinwärts, stets etwas abseits von allem Tamtam, gewissermaßen in der zweiten Bergreihe, liegt die kleine Ortschaft Pécsely. Dort befand sich das erste Ziel unserer kleinen Rundfahrt zu diversen Winzern, Mészáros József.

Der eigentliche Grund war ein anderer und tut hier nichts zu Sache. Das eigentlich interessante an József ist, dass man

Szimpla Rizling

Szimpla Rizling

einen seiner Weine in einem Café in Berlin trinken kann, den Szimpla Rizling. Ein simpler, ein einfacher Riesling, ein simpler Olaszrizling eben. Seinen Namen hat er jedoch nicht von  seiner Beschaffenheit, sondern vom Szimpla Kávéház, dem Kaffeehaus, und dem dazu gehörenden Szimpla Kert in Budapest, einem Café/Biergarten/Minifreiluftkino samt Bühne für kleinere Konzerte im Innenhof eines schon ziemlich verfallenen Hauses mit dem Charme des Alternativen, des post-Industriellen, da auch Gebäudeteile einer ehemalige Fabrik dazu gehören. Immer Sommer ist das jedenfalls ein absoluter Tipp und schon lange kein wirklich geheimer mehr. Die Studentenszene trifft sich dort, aber die Gäste sind ein bunt gemischtes Völkchen. Das Bier kommt in
Kunststoffbechern, was natürlich inakzeptabel ist, aber davon will ich hier ohnehin nicht reden.

Jedenfalls gibt es seit diesem Sommer auch in Berlin Szimpla in Berlin, Kaffehaus Budapest. Und dort wird der Olaszrizling von Mészáros ausgeschenkt. Als erfrischender, unkomplizierter Sommerwein lange laue Abende eignet dieser sich bestens. Allein das war es wert, kurz bei József vorbei zu schauen, der nunmehr in der sechsten Generation und in Kürze mit einer Kapazitätserweiterung im Keller von 1.500 auf dann satte 4.000 hl seinen Weg geht. Der heißt nach wie vor eher Menge denn Qualität. Wir probierten diverse Olaszrizling, Chardonnay, Tramini, auch einen Cabernet Sauvignon / Franc Cuvée mit dem Namen Sziklavér, Felsblut, in spielerischer Anlehnung an Bikavér, Stierblut. József ist ein witziger, positiv denkender Kerl, der auf seiner Erfolgswelle schwimmt. Leider wir sauberkeit bei ihm klein geschrieben, was einen dann schon ein wenig ärgert,
weil es einfach nicht sei muss, eigentlich nicht sein darf. Die Verkostungsnotiz eines Weines möchte ich am Ende jedoch nicht vorenthalten, weil er  hervorstach und unser aller Interesse weckte:

Legádó 2007

Eine Spätlese, die bis Dezember gären durfte und deren Restzuckergehalt folgerichtig bei Null liegt. Ihr Bukett lässt erst einmal das Gegenteil vermuten: Multivitaminsaft pur – und zwar nicht aus Konzentrat! Am deutlichsten stechen Ananas- und Mangoaromen hervor. Am Gaumen dann Kräuter, Spuren von feuchtem Heu, Botrytis-Töne, Orangenmarmelade, hinten raus eine leichte Bitterkeit und Laub. Ordentlicher Abgang. Kein großer Wein, nein, sicher nicht, aber interessant.

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