homonna_intro

Er glaubt nicht an den ungarischen Rotwein, Kékfrankos ausgenommen. Dafür umso mehr an das Potential der Weißen. Und trägt seinen Teil dazu bei. Ein Quereinsteiger, selbstbewusster, nüchtern auftretender Selfmademan, ohne Starallüren, keineswegs unsympathisch, auch nicht verschlossen. Ein wenig harsch, bisweilen etwas vorlaut, nicht vom Wesen, das schnell einnehmend ist und doch etwas Gewinnendes hat. So ist, wie er sein möchte, ohne sich verstellen zu müssen. Ganz wie seine, Homonna Attilas‘ Weine.

Vor fast zehn Jahren, im Jahr 1999, hat Attila sich für den Wein und damit für eine neue Existenz in der Abgeschiedenheit von Erdőbénye, eines kleinen Dorfes am Rande der Welt entschieden. Die meisten in seinem Alter schlagen genau den umgekehrten Weg ein, kehren der Perspektivlosigkeit des Dorflebens den Rücken und ziehen in die Stadt. Doch Attila wusste ganz genau, was er wollte. Der Schritt war dennoch ein großer, weg vom bisherigen Leben als Herausgeber von Stadt- und Regionalmagazinen im 100 km entfernten Debrecen, der zweitgrößten Stadt Ungarns.

Im Winter, wenn die Tage kurz und die Stille gar übermächtig zu werden scheint, hält es ihn nicht mehr zurück. Er zieht für ein-zwei Monate los in die weite Welt, in andere

Dickflüssiger Rebensaft

Dickflüssiger Rebensaft

Weinregionen, um zu lernen. Schon früher trieb es ihn um, war er im Languedoc, der Provence und Ribera del Duero unterwegs, schaute den Winzer auf die Finger. Viele denken, sagte Attila, dass wenn sie 50-100 Millionen Forint (200-400.000 EUR) investieren und ein paar Fachbücher lesen, dass es dann schon klappen wird, mit dem Wein machen. Er selbst hält mehr vom zuschauen, zuhören, nachfragen und letztlich praktischen Lernen. Mit Wein hatte er in seinem vorigen Leben zumindest insofern zu tun, als dass er zwischenzeitlich auch noch einen Weinladen betrieb.

Die Weinbauern aus der Gegend schüttelten nur den Kopf, als er anfing radikal zurück zu schneiden und Traube um Traube auf dem steinigen Boden landete, bis nur noch drei bis fünf am Stock hingen. Warum macht der Städter das nur? Ertragsbeschränkung? Ein Fremdwort. Es als Selbstverständlichkeit sehen, den Keller unter allen Bedingungen sauber zu halten.

Warum? Auch heute noch ist es schwierig, Leute zu finden, die zuverlässig im Weinberg arbeiten, sagt Attila. Auch was die sonstige Arbeit anbelangt. Früher haben sie hier gedüngt was das Zeug hergab. Die Maßeinheit war eine Májkrémes doboz, eine Dose Schweinelebercreme, etwas so groß wie Tomatenmarkdosen. So viel Kunstdünger landete pauschal unter jedem Rebstock. Dass sein Traubengut wider all dieser absonderlichen Handlungen das Beste in der Umgebung ist, bleibt dennoch vielen ein Mysterium.

Als ich zu Besuch war, kam gerade eine Ladung frisch geernteter Trauben an, nicht von Attila, sondern von einem Bekannten, der sich nicht darum kümmern konnte, für den Attila das Material verarbeitete, weil es sonst verkommen wäre. Er schaute sich kritisch an, was da in 20kg Kisten anlandete, probierte ein paar Trauben,  um schließlich grinsend

Das allenfalls für Fröccs taugende Traubengut

Das allenfalls für „Fröccs“, für Schorle taugende Traubengut

zu sagen, dass er daraus Fröccs machen wird, Schorle. Zu was anderem tauge das Zeug nicht, obwohl es aus bester Lage komme. Man darf den Überblick nicht verlieren, muss sich ernsthaft um alles kümmern können, meint Attila. Daher kommen für ihn selbst nur maximal 5 Hektar Anbaufläche in Frage, derzeit beschäftigt er sich mit 2,7. Selbstverständlich ist alles Handarbeit, auch das behutsame Pressen, das sich bei den Aszú-Trauben schon mal über 12 Stunden erstrecken kann pro Füllung.

Die Entwicklung am ungarischen Weinmarkt sieht er kritisch. Die Konkurrenz aus dem Ausland wird immer größer, drängt sich den ungarischen Kunden mit großen Mengen und Kampfpreisen auf. Auch deshalb schielte er von Beginn an aufs Ausland, als Absatzmarkt der Zukunft. Gewiss, noch kauft der größte Einzelhändler Ungarns, die Bortársaság, ihm den größten Teil seiner Bestände ab. Doch das soll anders werden. Ohnehin ist Attila es leid, sich mit der Schicht Neureicher und alter Kader herumschlagen zu müssen. Kultur- und Stillose, die Wein blind kaufen, Hauptsache teuer, am liebsten aber Johnny Cola  trinken und Weingläser einfach achtlos runterkippen. Die schmerzende Künstlerseele spricht da aus ihm, begehrt auf. So gesehen ist es dumm, dass auch gerade seine Weine jedes Jahr deutlich teurer werden. Aber auch immer besser. Das Potential scheint bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Das weiß Attila auch und so muss man doch wenig Mitleid mit ihm haben.

Verkostungen

Hárslevelű Furmint 2007

Ein säurereicher Jahrgang, der erst zwei Wochen vor meinem Besuch abgefüllt wurde. Zitronengelb im Glas. Zitrusfrüchte in der Nase. Sehr jung, spritzig, aber nicht zu ungestüm. Kräftige Säurestruktur, nussig, schöne Mineralität. Mittlerer Abgang.
Preis: 10,00 EUR (2.500 Ft)

Furmint Határi dűlő 2006
Die außergewöhnlichen, reduziert und männlich wirkenden Etiketten gestaltet Attila selbst. Das Symbol der drei ineinander greifenden Hirschkäfer-Geweihe entstammt Kindheitserinnerungen. Schon als er klein war, gefiel es Attila, den Männchen bei ihren Kämpfen zuzuschauen, wenn sich deren Geweihe ineinander verhakten oder sie diese einfach nur drohend gen Himmel streckten.

Die außergewöhnlichen, reduziert und männlich wirkenden Etiketten gestaltet Attila selbst. Das Symbol der drei ineinander greifenden Hirschkäfer-Geweihe entstammt Kindheitserinnerungen. Schon als er klein war, gefiel es Attila, den Männchen bei ihren Kämpfen zuzuschauen, wenn sich deren Geweihe ineinander verhakten oder sie diese einfach nur drohend gen Himmel streckten.

Ein Jahr im Fass, ein Jahr auf Flasche, jetzt auf dem Markt. Attilas bester, sein wichtigster Wein aus der steinigen Lage Határ, mit 80 Jahre alten Stöcken, die viel Pflege benötigen. Helles Zitronengelb. Noch recht verschlossen, sehr jung, Anklänge von reifen grünen Äpfeln. Am Gaumen robuste steinerne Säuren, Grapefruit und grüne Äpfel, Stein. Aufgrund seines jugendlichen Charakters wirkt er anfangs schlank, hinten raus dann körperreich. Langer Abgang. Schon trinkbar, wenn man ihn dekantiert, hat aber noch viel Potential (Attila selbst sprach von 25-30 Jahren).
Preis: 20,00 EUR (4.950 Ft)

Édes Hármas 2007

Der „Süße Dreier“ aus etwas Hárslevelű, etwas Muskotály aber überwiegend Furmint. Auch diese ein Jahr im Fass. Goldgelb mit Bernstein-Einsprengseln. Eine symbiotische Beziehung von Karamell und Tabak umschmeichelt die Nase. Schöne Frucht, die aber nicht in Vordergund steht. Leder und Honig, Botrytis-Töne. Nicht zu süß, daher ein eher männlich wirkender Süßwein, den man auch gut zum Essen trinken kann.
Preis: 14,00 EUR (3.500 Ft)

Tragischer, aber schöner Tod eines Marienkäfers... inmitten von Aszú-Trauben, die darauf warten, gepresst zu werden.

Tragischer, aber schöner Tod eines Marienkäfers… inmitten von Aszú-Trauben, die darauf warten, gepresst zu werden.

Homonna Szőlőbirtok
Homonna Attila
3932 Erdőbénye, Hunyadi u. 61.
Tel.: +36 20 598.4195
Internet: www.homonna.com

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