bw_duell_kleinAjajaj, nicht gut. Gar nicht gut. Musste leider altersmäßig mächtig weit auseinander liegende Kontrahenten gegeneinander verkosten. Aber beide gibt es so im normalen Weinfachhandel, der 2006er von Sebestyén, logisch, aber eben auch den 2003er von  Vincze, dem ungarischen Winzer des Jahres 2005 (was meiner Meinung nach allerdings wenig bis nichts zu sagen hat). Dumm gelaufen, Asche auf mein  Haupt, und tatsächlich zeigt der Vertreter aus Eger auch  noch Zeichen von

Bikavér-Duell: Vincze vs. Sebestyén

Bikavér-Duell: Vincze vs. Sebestyén

Altersschwäche…

Vincze Béla, Eger

Vincze Béla, den kennt man zumindest vom Hörensagen in Ungarn. Zur Not auch aus dem gut sortierten Supermarkt-Regal, aber vor allem und spätesten, seit es die 2005 die Auszeichnung „Kellerei des Jahres“ in Ungarn gab. Immerhin bewirtschaftet das seit 1994 bestehende Familienunternehmen aktuell 33 ha, 20 weitere ha sind bereits bepflanzt und warten auf die erste Ernte. In erster Linie sind es die Bordeaux-Sorten Cabernet Sauvignon (9 ha) und Cabernet Franc (6 ha), danach dann interessanterweise aber gleich die Weißen Olaszrizling und Chardonnay (je 6 ha), die das  Sortiment bestimmen. Vor allem die Cabernets sind auch die Preisträchtigsten. Mit Béla begann der ernsthafte Weinbau in der Familie. Biologie hatte ihn schon in der achtjährigen Grundschule interessiert. Als er zusammen mit einem Freund in einer Ausstellung des Landwirtschaftsmuseum
die Rebsorten der Region Eger präsentieren musste, sprang der erste Funke über.
Inzwischen hat er in Ungarn ausreichend bewiesen, dass er sich im Umgang mit Reben recht gut versteht. Sein Ziel mittelfristiges definiert er in erster Linie darin, die Weine längerlebig zu gestalten. Nun denn, sage ich nach dieser Probe ein wenig frech. Aber es ging hier ja auch nur um einen einfachen Bikavér.

Bikavér 2003, Vincze Béla, Eger

Vincze, Bikavér 2003

Vincze, Bikavér 2003

13% Vol. Purpurrot und klar im Glas, klarer als der Jüngling von Sebestyén. Wirklich schöne Nase: da  sind Zwetschgen, da sind Zimt und Pfeffer, ein wenig Gummi und feuchte Wolle. Am Gaumen wird dann leider sehr schnell klar, dass die beste Zeit des einfachen 2003er vorbei ist. es gibt zwar noch anklänge von Sauerkirschen, Tabak und Erde. Auch ist er immer noch recht stark adstringierend. Aber die Säuren sind schon stumpf, grünes Holz und Kräuter, unangenehm. Mittlerer Abgang.

Anbaufläche: 33 ha bepflanzt, 20 weitere in Vorbereitung (bepflanzt aber noch nicht tragend)
Lage/n: Mész hegy, Ádám tető, Prédahgey tető, Kistó völgy, Ordás tető, Borda hegy, Gyűr-dűlő, Nagyvölgy dűlő
Adresse: Mester u. 2, 3300 Eger
Tel. +36 36 427.515

Sebestyén Csaba, Szekszárd

Sebestyén Csaba ist dieser Archetyp von verrücktem Quereinsteiger. Vor einigen Jahren noch Automechaniker, nun erfolgreicher Winzer und eine der jüngsten großen Hoffnungen in Szekszárd. Als ich ihn vor drei Jahren besuchte, konnte man noch tatsächlich vom Garagenwinzer reden. Zumindest gelangte man über die Garage, vollgestellt mit Gerätschaften
und Fässern, in den privaten Keller, der zur Verkostungsstube und Lager umfunktioniert worden war. Man saß dort drei Stunden bei einer liebevoll hergerichteten kalten
Platte und schwadronierte über seine Wein. Ein absolut sympathischer, gewinnender Kerl. Den Durchbruch schaffte Sebestyén gerade im Jahr 2005, als der größte Einzelhändler Bortársaság gleich drei seiner Weine, den Bikavér, einen reinsortigen Kékfrankos und den den Top-Roten Grádus, in sein Sortiment aufnahm. Gleich hinter seinem Haus beginnt praktischerweise der Weinberg. Insgesamt sind es knapp 10 Hektar die er und seine Familie bewirtschaften, 5,8 davon sind im eigenen Besitz, die anderen dazu gepachtet.

Den Sebestyén Bikavér hatte ich im Frühjahr bereits unter „suboptimalen“ Bedingungen mal kurz verkosten dürfen. Damals waren die Eindrücke recht spärlich, er zeigte mehr Frucht und weniger Alkohol.

Bikavér 2006, Sebestyén Csaba, Szekszárd

Sebestyén, Bikavér 2006

Sebestyén, Bikavér 2006

Auch dieser Mal wieder purpurfarben, aber etwas trüb, stärkere Schlierenbildung als der Vincze. In der  Nase fast ein wenig an Syrah erinnernd, leichte Petroltöne, etwas hohl. Öffnet sich nur langsam, Johannisbeeren und Vanille stehen ohne sich aufzudrängen im Hintergrund. Sauerkirschen, sonst nichts . Etwas fleischiger Körper, recht viel Holz, entsprechend mehr als solide Tannine, die zu spitz geraten sind. Insgesamt unausgewogen, enttäuschend. Volle 14% Vol.

Anbaufläche: 9,8 ha, davon 5,8 ha eigener Besitz, der Rest gepachtet
Lage/n: k.A.
Adresse: Kalász u. 26, 7100 Szekszárd
Tel.:  +36 74 318.360

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Mag sein, dass sich das Holz beim Sebestyén in 1-2 Jahren noch etwas legen wird, die Frucht kann aber nicht mehr aus dem Nichts kommen. Ich gebe nach all den Abstrichen, die ich (selbstverschuldet) machen muss, dem Bikavér von Vincze den Punkt und bin ganz ehrlich enttäuscht vom Sebestyén. Der kann mehr.

Eger – Szekszárd   3:1

Start einer neuen Serie / Einleitung
Duell I: Bikavér 2005, Juhász Testvérek, Eger vs. Bikavér Válogatás 2006, Szt. Gaál, Szekszárd

Duell II: Szekszárdi Bikavér 2006, Domaine Gróf Zichy, Szekszárd vs. Egri Bikavér 2005, Bolyki János, Eger
Duell III: Bikavér 2005, Gál Tibor, Eger vs. Vesztergombi Bikavér 2005, Szekszárd

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