Tokaji Bormívelők Társasága

Tokaji Bormívelők Társasága

Vergangenen Freitag hatte die Tokaj Wine Artisans’ Society (ich kürze das ab zu TWAS) die Fachwelt ins Onyx Restaurant in Budapest zu einer Verkostung geladen. Nicht nur fanden sich als Mitglieder der Vereinigung einige Weingüter von Rang und Namen ein, beispielsweise Királyudvar, Disznókő, Patricius und Demeter Zoltán. Allein der Gesamtansatz, zu dessen Zweck sich 24 Winzer aus der Gegend zusammen getan haben ist bedeutsam genug gewesen, um die Ohren zu spitzen und die ersten Ergebnisse davon zu testen.

Vorweg: mit dieser Verkostung tritt der Weinbau in Ungarn meiner Meinung nach allmählich in eine neue, dritte Phase. Die erste war durch
Reprivatisierung und grundsätzliche Investments gekennzeichnet, bis überhaupt ein funktionierender freier Markt für Qualitätsweine wieder hergestellt und ein gewisses Niveau erreicht war. Die zweite Phase stand im Zeichen der Ausdifferenzierung und konsequenten Ausrichtung hin zu mehr Qualität. Einer Ausdifferenzierung sowohl im Sinne von mehr Weingütern mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung und Eigenidentität, kleinen und großen, die am Markt erschienen als auch im Sinne von Produkten bzw. Angebotspaletten. Und zwar in jeglicher Hinsicht: Wiederbelebung alter Rebsorten, Einführung neuer Rebsorten, Varianten im Ausbau, etc. Diese Phase hält an und wird noch lange fortwirken. Sie ist aber bereits in einem Stadium, wo der Markt reif genug ist, um Phase drei beginnen zu lassen.

Das heißt hier: die Weingütern aus verschiedenen Ortschaften und Teilregionen von Tokaj-Hegyalja haben sich nicht mehr und nicht weniger zum Ziel gesetzt, als ein Appellationensystem zu entwickeln und zu unterhalten, um die Einzigartigkeit des Anbaugebietes zu bewahren und zu stärken. Im Kern geht es bei der Initiative, wie soll es auch anders sein, um Qualität. Soll heißen strikte Qualitätsvorschriften für die Weinherstellung und – mindestens so wichtig und damit untrennbar verbunden: die Wiederbelebung der Lagen-Klassifizierung in den einzelnen Weinbergen.

Konkret bedeutet das, dass Weine, die von den Mitgliedern stammen und aus den definierten Lagen gewonnen wurden mit einem entsprechenden Label versehen auf den Markt gelangen. Und dass vor Ort, in den Einzellagen, man alles für die Einzigartigkeit tut, für eine Profilierung der spezifischen Charakteristika mit all ihren Besonderheiten, sprich für die Alleinstellungsmerkmale, das USP, wenn man es in Neuwirtschaftsdeutsch sagen möchte.

Wo setzt man dabei an? Nicht im Nirgendwo, sondern an einem der ältesten Appelationensystem der Welt, das vor über 350 Jahre entstand und demzufolge zwischen Lagen von drei
verschiedenen Güteklassen unterschieden wurde. Schon 1641 trafen sich Vertreter verschiedener Ortschaften der Gegend in Mád, um ein 48 Artikel umfassendes Regelwerk
zu unterzeichnen, das fortan die Grundlage für den Weinbau der Gegend darstellte. Im Hintergrund standen vermutlich die 1613 von Aristokratie und Mittelklasse festgelegten Statuten, die nun nicht nur erweitert, sondern von der selbstbewussten Gemeinschaft von Winzern eigenständig festgeschrieben und reguliert wurden. 1737 kam der „Ritterschlag“ durch ein königliches Dekret, das die knapp 100 Jahre zuvor in Mád zusammengefassten Appelationen in denselben wirtschaftlichen Rang stellte wie jene, die der Stadt Tokaj angehörten. Eine der ersten geschützten Appelationen der Welt war geboren.

Zurück ins heute, wo auch niemand so etwas allein stemmt werden. Das Denken in Gemeinschaftskategorien bei der TWAS betont. Was ungewöhnlich ist für Ungarn. Denn es ist eher üblich, dass man sich nicht gegenseitig hilft, sein Knowhow im hintersten Eck des eigenen Kellers hortet. Ein Appelationensystem zu entwickeln, heißt also auch gleichzeitig, eine
Gemeinschaft heterogener Winzer zu entwickeln, die an einem Strang ziehen. Die Gesellschaft ist offen für jeden, es besteht kein Zwang, auch was die Entgegennahme von Hilfe anbelangt. Derzeit sind es 24 und es scheint bislang ganz gut zu funktionieren. Gewiss werden und müssen zwangsläufig mehr Produzenten hinzukommen, und das allein kann Schwierigkeiten bedeuten. Man wird sehen.

Und man wird auch sehen bzw. kommen sehen, dass es Diskussionen bis hin zu Auseinandersetzungen darüber geben wird, warum man auf dem alten System aufsetzen, welche Lage auf- und welche nicht aufgenommen wird etc.

Schwierig ins Deutsche übersetzbar ist der Name der 2006 gegründeten Vereinigung (wobei „társaság“ eigentlich Gesellschaft bedeutet). Im Englischen kann man sich mit Wine Artisan behelfen, um „Bormívelők“ zu knacken, spiegelübersetzt meint es „Weinkunsthandwerker“.

In den kommenden Tagen werde ich die Verkostungsnotizen schrittweise veröffentlichen. Zu jeder Notiz liefere ich die Übersetzungen der spezifischen Angaben zu der jeweiligen Lage, die man bei der Präsentation bekommen hat. Das ist leider inkonsistent. Angaben, die es zur einen Lage gibt findet man manchmal bei der anderen nicht und umgekehrt. Ich versuche möglichst viele Lücken zu schließen, die die Vereinigung trotz der schönen Aufbereitung des Informationsmaterials gelassen hat. Und es geht sehr ins Detail. Wen‘s nicht interessiert, kann es einfach rechts liegen lassen. Zudem habe ich die Angaben mit der Karte verlinkt, die man auf der Homepage von Tokaji Bormívelők Társasága finden kann. Dort gibt es manches, was ich hier von mir gegeben habe, auch nochmals auf Englisch.

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