bw_duell_kleinDas zweite Duellpaar. Gegensätze treffen aufeinander. Auf der einen Seite der von Blaublütigen vorangetriebene Großbetrieb, wenn man so will die Fortführung der Familientradition in modernem Gewande: Domaine Gróf Zichy. Auf der anderen, der aufstrebende Jungwinzer, Bolyki János, Eger. Daraus ergeben sich fast zwangsläufig und unabhängig vom Anbaugebiet unterschiedliche Interpretationen der Weinbereitung – und damit ganz unterschiedliche Stile.

Bikavér-Duell: Bolyki vs. Zichy

Bikavér-Duell: Bolyki vs. Zichy

Domaine Gróf Zichy, Szekszárd

Zichy heisst jetzt auch Twickel, oder besser gesagt: zum Jahresbeginn wurde neben der Premiumwein-Serie des Labels Domaine Gróf Zichy die neue Marke Baron von Twickel Szőlőbirtok gestellt. Als Dritte im Bunde ist Chateau Kajmád zu nennen, welche für einfache Tafelweine verantwortliche ist. Damit ist der einstweilige Schlusspunkt der Heimkehr eines deutsch-ungarischen Adelsgeschlechts erreicht, einer Heimkehr, die vor 15 Jahren begonnen und die Reinvestition in verschiedene unternehmerische Tätigkeiten in Ungarn bedeutete.
Weinbau war traditionsbedingt ein Thema. Parallelen zur Degenfeld-Familien in Tarcal sind dabei kein Zufall. Die Twickels, heutzutage in Gestalt von Baron György (Georg) von Twickel, befassen sich vorwiegend mit roten Rebsorten: Merlot, Kékfrankos, Kadarka, Cabernet Sauvignon und Franc und in geringem Umfang Pinot Noir, Kékoportó (Blauer Oporto) und Syrah und haben nach der Privatisierung des staatlichen Weinbaus rund 230 ha Anbaufläche erworben.

Der Bikavér reifte 18 Monate in großen Eichenfässern gereift, das Cuvée besteht aus: Kékfrankos, Cabernet Sauvignon, Merlot, Pinot Noir und Kadarka. 13,5% Vol. 9,25 EUR (2.310 Ft).

Szekszárdi Bikavér 2006, Domaine Gróf Zichy, Szekszárd

Wieder mal Purpur im Glas. So viel Kontinuität muss sein. Dabei etwas dichter als der Bolyki. Tannine und würzige

Gróf Zichy, Bikavér 2006

Gróf Zichy, Bikavér 2006

Kräuter in der Nase. Auch am Gaumen sind die Gerbstoffe markant, die Frucht ein wenig im Hintergrund. Pflaumen, Johannisbeerblätter, Minze, etwas kantige Säuren. Mittel ausgeprägter Körper. Adstringierend, gut entwickelt. Abgang OK. Ein schöner, aber zu sehr auf Internationalisierung getrimmter Wein.

Anbaufläche: satte 230 ha
Internet: www.twickel.hu
Adresse/Kontakt: Rákóczi Ferenc u. 132., 7100 Szekszárd
Tel: +36 70 97-87-220

Bolyki Pincészet, Eger

Den noch recht jungen, überaus sympatisch weil bescheiden auftretenden  Bolyki János hatte ich ja bereits auf dem Borfalu ziemlich loben müssen. Er hat es nach eigenem bekunden nur ganz allmählich zum Winzerdasein reingezogen. OK, in der Familie selbst war das Thema schon indirekt präsent. Die Eltern züchten Reben. Aber ganz naheliegend war es dennoch nicht, dass Bolyki zwischen denselben landen und ihren kompletten Lebensweg und damit auch ihrer Bestimmung zuführen würde. Vor 10 Jahren war der Weg dann aber klar, er studierte Weinbau, parallel dazu wurden dann mehrere Parzellen in zwei Schritten auf nunmehr 25 Hektar aufgekauft. Diese liegen in der Umgebung von Eger auf zahlreiche Lagen verteilt (u.a. bei den Ortschaften/Lagen Kistibrik, Ostoros, Marinka, Kisgalagonyás,…). Seit 2003 kümmert sich der Jungwinzer Fulltime um seine Weine. Und so langsam aber sicher, hat er sich trotz harter Konkurrenz in Eger und über eger hinaus einen Namen gemacht.Die 25 Hektar sind viel für ihn. Mehr sollen es nicht werden. Dafür sind Investitionen in den ausbau des Kellers und in neue Fässer geplant, die Weine sollen, so Bolyki, länger reifen, mehr Körper entwickeln. Ansonsten sieht er sich auf dem richtigen weg, was seinen Stil anbelangt: konzentrierte, fruchtige Weine mit Schokoaromen.

Wie es sich für einen Egri Bikavér gehört vorwiegend Kékfrankos, dann die Bordeaux-Sorten, etwas  Portugieser, etwas Zweigelt und etwas Blauburger. 15 Monate in 5-10 Hektoliter fassenden Holzfässern. 12,8% Vol., 9,00 EUR (2.250 Ft).

Egri Bikavér 2005, Bolyki János, Eger

Im Glas dicker als der direkte Konkurrent, schöne Schlierenbildung. Besser entwickelte Nase: nussig, Eichennote,

Bolyki, Bikavér 2005

Bolyki, Bikavér 2005

Brombeer-fruchtig. Sehr jung und daher recht schlank daher kommend. Wachholder und Pfeffer. Aber auch viel Frucht: Stachelbeere und überreife Kirschen. Weicher, runder, abgestimmter als der Szekszárder Konkurrent. Mittlerer Abgang. Ein schöner, unkomplizierter und doch leicht verspielter Wein.

Anbaufläche: 25ha
Lagen: Eger-Kistibrik: Zweigelt, Kékfrankos; Eger-Ostoros: Marinka: Királyleányka; Eger- Kisgalagonyás: Blauburger; Eger – Hajdúhegy: Királyleányka; Eger:- Fertő-dűlő: Kékfrankos; Verpelét: – Alberki-dűlő: Cabernet Franc, Kékfrankos, Oportó; Verpelét: – Középbérc: Merlot, Blauburger, Hárslevelű, Sauvignon blanc
Internet: www.bolykipinceszet.hu
Adresse/Kontakt: Losonczi völgy (Tal), Eger

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Knapp, ganz knapp liegt diesmal Eger vorne, trotz schlankerem Körper und vermeintlich weniger Potential, zumindest was die  Lagerfähigkeit anbelangt. Aber aus Bolykis‘ Bikavér sprechen mehr die ungarischen Wurzeln, der Zichy ist mir zu sehr auf international getrimmt.

Eger – Szekszárd   1:1

Start einer neuen Serie / Einleitung
Duell I: Bikavér 2005, Juhász Testvérek, Eger vs. Bikavér Válogatás 2006, Szt. Gaál, Szekszárd

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