bw_duell_kleinDas erste Duell, nach der Einführungs-, der Aufwärmrunde. Viele der Weine landen als leicht gehobenes Angebot  – die untere Mittelklasse bis Mittelklasse, wenn man so will) in Supermärkten, was nun nicht abwertend klingen soll und ich gleichem Maße für Szt. Gaál wie Juhász zutrifft. So richtig spannend sind derlei Erzeugnisse ja zumeist nicht, können es per Definition gar nicht sein. Ausnahmen bestätigen die Regel. Das Paptag Cuvée der Juhász Brüder aus Cab. Sauv., Blauburger und Kékfrankos der Juhász Brüder sei hiermit genannt, das ich vor rund zwei Jahren mal trinken konnte und das ein schnörkelloser, schön abgestimmter Alltagsrotwein ist. Den ich jedem unumwunden empfehlen würde, der auf die Schnelle einen Wein braucht.

Bikavér-Duell I: Juhász vs. Szt. Gaál

Bikavér-Duell I: Juhász vs. Szt. Gaál

Wie dem auch sei. Ein wenig verzerrt ist der Wettbewerb um den ersten Punkt meines Duells dennoch: Jahrgang 2005 Eger, durchschnittlich, tritt gegen Jahrgang 2006 Szekszárd, sehr gut, an. Der einfache Bikavér von Juhász gegen die Válogatás, die Selektion von Szt. Gaál. Aber dass ich Abstriche machen muss, hatte ich ja schon gesagt. Preislich sind beide unter der psychologischen Grenze von 2.000 Ft, also bei bzw. unter 8 EUR angesiedelt.

Szt. Gaál Pincészet, Zomba-Szentgál-Szőlőhegy

Sie soll ganz bewusst kein Modewein sein, die Bikavér Válogatás. In vielen Szerkszárder Bikavérs spielt Pinot Noir inzwischen eine tragende Rolle. In diesem nicht. Hier ist es der klassische Kadarka – und Kékfrankos. Zudem noch Merlot und Cabernet Franc. Letztere sind im einfachen Bikavér nicht enthalten, und geben der „Selection“ etwas mehr Körper. Ganz bewusst möchte man bei Szent Gaál jedoch allzu körperreiche Rote auf der Kadarka-Grundlage schaffen, wie es ansonsten zu einem Trend geworden ist. Das gilt auch für den Barrique-Einsatz, der nicht zu dominant, zu universalisierend sein soll. Auf 6.000 Flaschen beschränkt sich die Selektion.
Die Szent Gaál Kellerei ist seit 2003 in neuer Hand und wurde komplett umstrukturiert. Ein traditioneller szekszárder Weinbetrieb sieht anders aus, den werden noch im weiteren Verlauf dieser Verkostungsserie kennen lernen. Seit dem Besitzerwechsel hielt Ertragsbegrenzung und Einsatz modernster Technik hielt. Eine Premium-Linie wurde eingezogen, zu welcher auch die von mir hier vorgestellte Bikavér Selektion zählt. Ziel ist es, von modischen Trends unabhängige Weinstile zu entwickelt, die als moderne Repräsentanten des Szekszárder Rotweins sich auch im Ausland sehen lassen können.

Bikavér Válogatás 2006, Szt. Gaál, Szekszárd

Purpurrot, recht dicht, jedenfalls etwas dichter als der Juhász. Pflaumenaromen und Holz in der Nase. Am Gaumen

Szt. Gaál, Bikavér Válogatás 2006

Szt. Gaál, Bikavér Válogatás 2006

viel Frucht, Mandeln, Marzipan, Zwetschgenkompott, in letzterem ist auch der Alkoholgehalt von 14% Vol. spürbar. Feine Säurestruktur, leicht adstringierend, insgesamt auch mehr Körper als der Juhász. Mittlerer Abgang. Etwas unrund, etwas zu viel Alkohol, aber gut trinkbar. Wir sich in den kommenden 1-2 Jahren gewiss noch entwickeln. Für rund 8 EUR (1.950 Ft.) zu haben – ein erstaunlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis!

Lage/n: Strázsahegy
Internet: www.szentgaal.hu
Adresse/Kontakt: Szentgál-szőlőhegy 83.; 7173 Zomba-Szentgál-szőlőhegy
Tel: +36 74 431-256

Juhász Testvérek, Egerszalók

Kékfrankos, Cabernet Sauvignon und Franc, Pinot Noir, Oportó, Zweigelt, Blauburger und Merlot wachsen auf den Hängen der Gebrüder Juhász. Welche Sorten und zu welchen Anteilen sie in den Bikavér Einzug hielten, konnte ich – sorry – leider nicht herausfinden.
Die Juhász sind ein Familienbetrieb der großen Sorte, der binnen 15 Jahren auf 30 Hektar eigene und 100 Hektar gepachtete Anbaufläche gewachsen ist und ein breites Sortiment an Rot- und Weißweinen erzeugt. Insgesamt reden wir derzeit von 6.500 Hektolitern.
Neben den oben genannten roten werden auch noch die weißen Sorten Leányka, Muskotály, Olaszrizling und Rizlingszilváni angebaut. Entsprechend sind sie in zahlreichen Supermärkten aber auch Weinfachgeschäften zu finden.

Bikavér 2005, Juhász Testvérek, Eger

Auch der Vertreter aus Eger kommt mit recht tiefem Purpurrot daher. In der Nase deutlich mehr Frische und Frucht:

Juhász, Bikavér 2005

Juhász, Bikavér 2005

Kirsche, Erdbeer-/Himbeer-Bowle. Am Gaumen dann genau der umgekehrte Eindruck: der Juhász wirkt strenger, herber, hat weniger Frucht. Schwarze Johannisbeeren, etwas Vanille, leicht medizinischer Touch, relativ viel Holz, wenig Körper. Kurzer bis mittlerer Abgang. 12,5% Vol. Geht für 1.650 Ft, also etwa 6,80 EUR über die Ladentheke.

Anbaufläche: 30 + 100 Hektar
Lage/n: –
Internet: www.juhaszvin.hu
Széchenyi út 79.; 3394 Egerszalók,
Tel: +36 20 9268 529

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Unterm Strich schlägt Szekszárd Eger im ersten Duell, auch nachdem ich gerechtigkeitshalber noch ein paar Abstrichen bei Szt. Gaál gemacht hat. Die Válogatás ist runder, in sich besser abgestimmt und hat mehr Potential.

Eger – Szekszárd   0:1


Start einer neuen Serie / Einleitung

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  1.  Bikavér Duell-Serie, Teil II: Szekszárdi Bikavér 2006, Domaine Gróf Zichy, Szekszárd vs. Egri Bikavér 2005, Bolyki János, Eger | BorWerk - Das Blog über ungarische Weine

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