Es gibt in Ungarn diese Kategorie von Weingütern, die über Jahre hinweg stets ordentliche Weine produzieren und auf diesem Niveau stagnieren. Die man problemlos vorzeigen kann, wenn es um einen klassischen Repräsentanten einer bestimmten Region geht, aber die man – zu Recht oder zu Unrecht – gut und gerne übersieht, sich nicht wirklich mit ihnen auseinandersetzt. Manchmal gelingt ihnen eine Überraschung, ein Ausreißer nach oben, aber ansonsten sind und bleiben sie bodenständig, konservativ (in diesem Falle eher negativ gemeint) auch was deren Gesamtauftritt anbelangt. Damit leben sie und vielleicht ja nicht einmal gar so schlecht. Feind vom Balaton und Frittmann aus der Großen Tiefebene Stufe ich als solche ein – und habe genau deshalb bei ihnen zumindest Stichproben genommen.

Feind Borház, Balatonfõkajár, Balatonfüred-Csopak

Feind ist, obzwar seit 15 Jahren ein Familienweingut, mit 80 Hektar Anbaufläche mächtig groß. Mehrheitlich werden regionentypische Weine ausgebaut, darunter Olaszrizling, Irsai Olivér, Zenit und Kékfrankos. Allesamt für den leicht gehobenen ungarische Massenmarkt. Nur in der jüngsten Vergangenheit haben Vater und Sohn versucht, neue Wege zu beschreiten und auch Syrah produziert.

Chardonnay Premium 2006

Überdeutlich frisches Gemüse in der Nase. Und das soll nicht abwertend gemeint sein. Nur eben erstaunlich, weil so extrem nie erlebt. Kräftige, von Beginn an dominierende Säuren. Schwache Frucht, sehr in den Hintergrund gedrängt. Hinten raus dann versöhnlich stimmende Nougat-Noten. Interessant, weil ungewöhnlich.

Internet: http://feind.hu/joomla

Man trifft auf ein... bunt gemischtes Publikum.

Man trifft auf ein… bunt gemischtes Publikum.

Frittmann Testvérek, Soltvadkert – Alföld (Kunság)

Im Falle von Frittmann wollte ich ganz bewusst die alteingesessenen ungarischen reinsortig ausgebauten Ezerjó und Cserszegi Fűszeres probieren. Die „Geschwister Frittmann“ (Testvérek) meint eigentlich die gesamte Familie, die im größten Weinbaugebiet Ungarns, der Tiefebene, seit mehreren Generationen die Reben bearbeitet. In der Region gehören sie gewiss zu den Besten – und haben eher mit dem Problem zu kämpfen, dass das Terroir nicht mehr hergibt. Zumindest lässt derjenige noch auf sich warten, der das Gegenteil beweist.

Cserszegi Fűszeres 2007

Reduktiv ausgebaut. Lilien, und – unverschämte Assoziation, ich gebe es zu – Haribo-Apfel- und Pfirsichringe! Spritzige Säuren, jung, erfrischend, unverkrampft, zwar fehlt wie immer beim Cserszegi die Tiefe, aber schön zu trinken.

Ezerjó 2007

Auch der Ezerjó, der Tausendgut, reduktiv ausgebaut und zu flach. Aber auch hier frisches Obst in der Nase, diesmal nicht in Verbindung gebracht mit irgendwelchen Gummibärchen-Tüten. Frische Säuren, wenngleich nicht ganz so freudig spritzend, wie der Cserszegi. Ordentlich.

Internet: www.frittmann.hu

Im Grunde ist es schon ein wenig unglücklich, Mitte September das wichtigste Festival stattfinden zu lassen.

Sind ernten gegangen

Sind ernten gegangen

Zumindest sahen sich manche Winzer wie hier etwa Jandl aus Sopron gezwungen, den Gästen vorzeitig den Rücken zu kehren und ihrer eigentlichen Bestimmung, dem Weinmachen nachzukommen. Zurück blieb an der einen oder anderen Bude nur eine kurze Notiz: „Szüretenli mentünk, sind lesen gegangen“

Der dritte und letzte Teil wird sich dann einzig und allein den Rotweinen widmen…

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