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Wenn schon Weinfest, dann das Budapester auf der Burg, dem Original, wenn man so will. Seit nunmehr 17 Jahren besteht das Festival, das immer im Spätsommer die ungarischen Weinliebhaber und die Fachwelt auf den Burgberg lockt. Es ist ein absolutes Muss, denn fast alle, die Rang und Namen haben, sind dort vertreten. Dieses Jahr waren es etwas mehr als 200 Aussteller, in erster Linie natürlich Winzer, die sich den Besuchern in einem absolut professionell organisierten Rahmen präsentierten. Das Schöne: man kann sonst nie auf so engem Raum so viele Qualitätsweine probieren. Das Interesse steigt und Besucher aller Altersstufen anzutreffen sind, wie überhaupt das Festival einen Querschnitt der Gesellschaft anzuziehen scheint. Gut für die Menschen, gut für den auf Qualität setzenden ungarischen Weinbau. Schade, aber letztlich egal: die Bezeichnung „international“ verdient es nicht wirklich. Eine schwach vertretene Gastregion Sizilien, ein Stand mit Chiantis, eine Repräsentanz von Taittinger und
ein reichhaltiges Angebot an französischem Weich- und Hartkäse reichen da nicht aus. Die paar Touristen, die sich unter die ungarischen Gäste mischen auch nicht. Nein, es ist und bleibt eine rein ungarische Veranstaltung. Und das ist schon OK so, denn es spiegelt die Verhältnisse am hiesigen Verbrauchermarkt wider.

Insgesamt dauert die Veranstaltung vier Tage. Ich selbst hatte leider nur ein paar Stunden am Sonntagnachmittag, um

vorbei zu schauen und einige Weine kennen zu lernen. Da hatte der Herbst dann schon auf seine ungemütliche Weise Einzug gehalten, was sich im Laufe meiner Tour auch negativ auswirken sollte. Zwar regnete es kaum, aber ein Temperatursturz von rund 15 Grad binnen 36 Stunden war dann doch ein wenig zu viel.

Ich hatte mir angesichts der begrenzten Zeit vorgenommen, mich auf ein Tokajer Weingut zu konzentrieren, danach eher durch Stichproben einzelne Eindrücke von anderen Regionen zu bekommen, um mich am Ende noch einigen „Super-Villányern“ zu widmen, die mir im Normalfall schlichtweg zu teuer erscheinen, um sie als ganze Flasche zu kaufen.

Árvay és Társa Pincészet, Tokaj

Am Anfang war Tokaj. Árvay és Társa. Eines der großen, absoluten Top-Weingüter, das meiner Meinung nach zumindest im Ausland immer noch zu sehr im Schatten von den bekannteren Namen wie Oremus, Hétszőlő oder Disznókő steht. Die inzwischen 80 Hektar Anbaufläche wird für ein sehr breites Angebot an süßen, aber auch trockenen Weinen, allesamt weiß, genutzt. Seit 1995 besteht der Betrieb, konnte sich aber erst ab 1999 durch einen Investor schrittweise zur heutigen Größe entwickeln.

Ich habe es mir zur Regel gemacht, bei Tokaj-Weingütern stets die reinsortigen Furmint und Hárslevelű-Weine zu testen, die ja normalerweise die Grundbestandteile der Aszú sind – weil meiner Meinung nach es schon dort viel über ein Weingut gesagt werden kann, und eben nicht erst bei den Edelsüßen. Überhaupt zeichnete sich in den vergangenen Jahren ein Trend hin zu trocken ausgebauten reinsortigen Weißen in der Region ab, die teils herrliche Ergebnisse hervorgebracht haben. Zuvor versuchte ich aber den Gelben Muskateller, auch dieser ist trocken ausgebaut:

Tokaji Hétfürtös Sárgamuskotály 2007

Hellgelb, Zitrus- und Vanilletöne. Frisches Kernobst, vor allem Äpfel, Anflüge von Anis, unterlegt mit erstaunlich

kräftigen stählern wirkenden Säuren. Ein wenig zu wenig Frucht, ansonsten anständig.

Tokaji Hétfürtös Hárslevelű 2007

Charakteristisch, stark duftende Nase, weich und rund und leicht beschwingt am Gaumen, Holunder, feine Säuren, etwas zu wenig Frucht aber dadurch auch angenehm unaufdringlich.

Tokaji Köves Furmint 2007

Kräftige Säuren entsteigen dem Glas, charakteristische Furmint-typische Nase. Umso erstaunlicher, dass der Wein den Gaumen sanft umschmeichelt. Dann entwickelt er seine Kraft, auch hier starke Säuren, viel Mineralität. Feuerstein-Note, Orangenschalen. Im Abgang ein wenig kurz aber insgesamt schön.

Tokaji Hétfürtös Istenhegyi Furmint 2006

Den Gewinner des Großen Preises der Pannon Bormustra im direkten Vergleich zum Köves Furmint zu sehen, war überaus  interessant. Im Glas quasi identisches helles Grüngelb. Aber völlig andere Nase – und was für eine! Frisches Heu, nasser Stein, sehr mineralisch, voller Energie – und am Gaumen…. Dort ganz dezente Honigaromen, sehr mineralisch, unheimlich viel Kraft. Sicher noch sehr jung und fast zu schade, aber dennoch schon jetzt ein Spaß ihn zu trinken. Langer Abgang, viel Potential. Kaufen, so lange es ihn noch gibt!

Tokaji Hétfürtös 6 Puttonyos Aszú 2001

Tiefes Goldgelb. Wunderschöne warme Butter- und Mandeltöne, sowohl in der Nase als auch am Gaumen. Dick und dicht gleitet er den gesamten Mundraum aus. Ausgesprochen fruchtig, Kompott-artig. Im langen Abgang gegen Ende leichte Bitterkeit, bei der das Mandelaroma nochmals ein Revival feiert.

Internet: www.arvaybor.hu

Nächster Teil, sobald wie möglich, hoffentlich morgen.

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