borfalu_opener

Exakt 99 Winzer machen ein Dorf? Kommt einem zunächst spanisch vor, ist aber ungarisch und Realität. Gestern war ich auf dem Borfalu, dem Weindorf, das zum fünften Mal am Rande des Budapester Stadtwäldchens stattgefunden hat. Bisher hatte es mich nicht dorthin verschlagen, weil ich stets von einem großen Besucherandrang ausging, worauf ich keine Lust hätte. Dem war aber nicht so, zumindest als ich dort war, hielt sich alles in Grenzen. Wohl auch, weil der 20. August der ungarische Nationalfeiertag ist und es zahlreiche andere Veranstaltungen gab. Und die Hitze (32 Grad!) es einem schwer machte, sich wirklich mit Freude um den Wein zu kümmern. Trotzdem gelang es mir, die eine oder andere Entdeckung zu machen und insgesamt 18 Weine zu verkosten, die teils schönes Potential aufwiesen….

Ungarn hat sich in den letzten Jahren zum Land der Festivals entwickelt, auch und besonders im Wein-Umfeld. Das istborfalu_logo bisweilen schon zu viel des Guten, vor allem für die Winzer, die sich aufgrund recht hoher Standmieten mehr denn je fragen müssen, wo sie hingehen und ob es sich überhaupt für sie lohnt. Man sollte, wenn von Weindorf die Rede ist, es sich nicht so vorstellen, wie ich es aus meiner Heimatregion Württemberg kenne bzw. was an vielen Orten Deutschlands unter dem Titel „Weindorf“ firmiert.

Denn das Konzept das hinter dem Borfalu steht ist an sich interessant und spricht für sich: es findet übers Land und Jahr verteilt an verschiedenen Orten statt. Zumeist sind einige Top-Winzer, mehrheitlich aber Vertreter aus der zweiten Reihe anzutreffen. Vor allem deshalb lohnt es sich, hin zu gehen, weil man auf Namen stößt, die man zwar ggf. schon mal gehört hat, aber noch nicht querverkosten konnte. In Budapest waren sage und schreibe 99 Winzer vertreten. darunter auch so bekannte Namen wie Fekete Béla (Somló), Szeremley und Laposa (beide Badacsony), Gróf Degenfeld (Tokaj), Malatinszky Kúria (Villány) und Dúzsi Tamás (Szekszárd).

Der Eintritt kostet dieses Jahr 6,30 EUR (1.500 Ft). Die Preise pro Verkostung sind in Ordnung (150 bis 1.000 Forint, sprich 0,63 bis 4,20 EUR pro 10cl). da fällt es noch relativ leicht, dem Mottos der diesjährigen Veranstaltung zu folgen: „Tölts újra, schenke nach!“ Witzig und gut: an mehreren Stellen gibt es Spülbecken, an denen man sein Verkostung-Glas reinigen kann, ehe man zur nächsten Verkostung kommt – eine simple und gerade deshalb überaus praktische Lösung.

Auch ansonsten sind die Bedingungen gut. Es stehen ausreichend Tische zur Verfügung, der Wein war fast immer richtig temperiert und wer sich zwischendurch stärken möchte, kann von kleinen Naschereien über Käseteller bis hin zu großen gegrillten Steaks alles bekommen, was das Herz begehrt. Nur die Rauchschwaden von den Grillständen erschwerten an manchen Ständen die Wahrnehmung fürs Bouquet.

Ich begann mit Istvándy, einer mir unbekannten Kellerei vom Badacsony-Gebiet. Warum dann ausgerechnet die? Einfach weil es schon gut wäre zu wissen, ob in absehbarer Zeit sich für Szeremley und Co. ernst zu nehmende Konkurrenz abzeichnet.

Istvándy Pincészet, Káptalantóti

Sauvignon Blanc 2007 (trocken)

Veilchen. Weich, wenig Frucht, wenig Säure, kaum Körper, unausgewogen, fast wässrig, Ananas, Banane, leicht mineralisch, was vor allem im Abgang sich offenbart.
Preis: 7,59 EUR (1.800 Ft.)

Olaszrizling 2007 (trocken)

Bouquet: typischer Olaszrizling, will sagen würziges Bouquet, Nuss und Heu. Am Gaumen grüne Kräuter,

Zitronenmelisse, Himbeeren, kommt nicht gerade spritzig daher, „grüne“, unschöne Säuren.
Preis: 7,59 EUR (1.800 Ft.)

Kéknyelű 2006 (trocken)

Ziemlich verschlossen, Ananas, Südfrüchte, Säuren erst im Abgang, dann zu dominant. Letztlich enttäuschend.
Preis: 9,60 EUR (2.600 Ft)

Szürkebarát 2006 (halbtrocken)

Goldgelb im Glas. Endlich sauber definierte Nase! Fruchtkompott, Zuckermelone und Mango am Gaumen. Nett, gefällig.
Preis: 9,25 EUR (2.200 Ft)

Szemelt Rizling 2003 (halbsüß)
Der Stand von Istvándy

Der Stand von Istvándy

Birnen. Fast unalkoholisch, noch am vollsten, dichtesten von allen Weißen.
Preis: 10,96 EUR (2.600 Ft)

Cabernet Sauvignon Barrique 2006

Leider zu kalt, unter solchen Bedingungen aber auch schwierig, wenn nicht gerade ein Weinklimaschrank zur Hand ist. Sehr frisches Holz, Pfeffer, schwarze Beeren, sehr jung daher kommend. Grüne Paprika, nichts weiter, leider. Leicht adstringierend, kein Körper.

Spontanbewertung: Der gemeinsame Nenner aller Weine: es fehlt allen gänzlich an Dichte, Komplexität, von Power gar nicht zu reden. Sie kommen undefiniert und flach daher. Der Weg hin zur Qualität ist noch ein weiter.

Internet: www.istvandy-pinceszet.hu
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Direkt neben Istvándy befand sich der Stand von Laposa. Und wenn man schon mal da ist, dachte ich mir, hole ich doch gleich das nach, was bei der etwas misslungenen Verkostung vor Ort gefehlt hat, nämlich der Top-Wein des Bazalt Borház.

Bazalt Borház, Laposa, Badacsony

Badacsonyi Rizling Válogatás 2006

Filigrane Nase, Pfeffer-Curry-Noten. Erstaunlich dünn, leicht. Die Mineralität scheint bewusst gebändigt, steht im Hintergund. Feine Säuren kommen am Ende. Hier und jetzt enttäuschend, braucht wohl einfach noch Zeit. Der Preis kann so oder so wohl nicht ganz ernst gemeint gewesen sein.
Preis: 21,00 EUR (5.000 Ft)
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Deshalb weiter zu Bárdos és Fia, Mátraalja, einem Vater-Sohn Unternehmen von dem ich gehört hatte, dass es grundsolide Weine erzeugt.

Bárdos és Fia, Farkasmály, Mátraalja

Chardonnay 2007

Schön fruchtiger Chardonnay. Rauchig, kräftige Säuren, wenig Frucht, Birne- und Ananasaromen deuten sich zaghaft an, aber letztlich zu wenig, daher unausgewogen.
Preis: 5,49 EUR (1.300 Ft)

Tramini 2006

Rosenblüten in der Nase und Äpfel, Apfelkuchen mit Vanille am Gaumen, aber leider zu viel Säure, zu viel Mineralität, Letztlich erstickt die Frucht fast daran.
Preis: 5,49 EUR (1.300 Ft)

Kékfrankos – Pinot Noir 2007

In Nase dominiert Blaufränkisch. Zwetschgen und Sauerkirschen. Geschmeidige Säuren von Pinot Noir, leider fehlt es ein wenig am Körper. Aber grundsätzlich gut gelungen.
Preis: 7,15 EUR (1.700 Ft)

Imperial Cuvée 2007
Bardos és Fia, Imperial Cuvée 2007

Bardos és Fia, Imperial Cuvée 2007

Merlot, Pinot Noir im Barrique ausgebaut. Schwarze Kirsche, grüne Kräuter, viel Frucht, leicht und elegant. Schön.

Internet: www.bardosbor.hu

Spontanbewertung: Ich hatte mir mehr versprochen, aber zumindest die Roten scheinen über Potential zu verfügen und verdienen einer gelegentlichen Überwachung in den nächsten Jahren. Wenn man den Chardonnay jedoch mit dem von Németh Attila vergleicht, so liegt mehr als eine Welt dazwischen.
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Vom Norden gen Süden, nach Szekszárd und dort zu Bodri, auf den ich besonders gespannt war, nachdem es einige

Bodri

Bodri István

Vorschusslorbeeren gab, ich schon eine Flasche Sári Fehér Cuvee (Chardonnay-Rizlingszilvány) von ihm zu Hause, aber noch nicht geöffnet hatte. Seit 1997 bietet das Weingut Flaschenweine an, hat aber erst in der jüngsten Vergangenheit Schritte in Richtung erste Liga getan. Inzwischen werden 25 ha bewirtschaftet. Und Bodri wusste gleich zu Beginn im positiven Sinn zu überraschen. Ein weiß ausgebauter Kadarka! Der musste natürlich getestet werden.

Bodri Pincészet, Dr. Bodri István, Szekszárd

Kati Kadarka 2007 (weiß ausgebaut)

Die kurze, simple Geschichte hinter dem weißen Ausbau: es sollte auch Weißwein aus Szekszárd geben. Aber da war nur Kadarka als einzige Rebsorte. Also blieb nicht anderes übrig, als aus ihr Weißwein zu gewinnen. Kamille
Preis: 7,56 EUR (1.800 Ft)

Rozi 2007

Ein Rosé aus Kékfrankos mit satten 14 Vol. %, die man ihm ganz und gar nicht anmerkt. Außer dass er ihm zu einem vollen Körper verhilft, feine Säuren und Fruchtaromen. Ungewöhnlicher, umso schönerer Rosé.
Preis: 5,46 EUR (1.300 Ft)

Bikavér (Faluhely,Gurovica) 2005

Grüne Paprika, Pfeffer, Holz, ordentlicher Körper, kühl und elegant auftretend, sehr schön. Und da hatte ich die Selection gar nicht probiert!
Preis: 7,56 EUR (1.800 Ft)

Spontanbewertung: Bordi ist absolut als aufstrebendes Weingut einzustufen, das man im Auge behalten sollte, behalten muss. Die Weine sind nicht nur sauber und klar ausgebaut, sondern haben einen eigenständigen Charakter, der frisch und kräftig ist und auf mehr hoffen lässt. Beizeiten muss ich unbedingt die Selectionen des Hauses und das Flaggschiff, das Optimus Cuvée probieren.

Internet: www.bodribor.hu
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Noch mehr guten Nachrichten, mit noch mehr Vorschusslorbeeren versehen war das letzte Weingut, das ich ansteuerte. Und damit also Eger, zurück in den Norden, nur ein wenig weiter östlich diesmal als Mátraalja. Auf inzwischen 25ha angewachsen, hat es – das sage ich schon jetzt – Bolyki geschafft, sich als erfolgreicher Jungwinzer in die erste Liga von Eger zu spielen. Wenn, ja wenn die Qualitäten auf dem Niveau bleiben, wie ich sie erleben durfte. Nur ganz langsam näherte er sich der Weinthematik 1998, experimentierte mit Reben, machte 2003 sein Diplom. Inzwischen gibt es kein Zurück mehr.

Bolyki Szőlőbirtok és Pincészet, Bolyki János, Eger

Királyileányka 2006

Schönes Bukett, auf elegante Weise frisch, feine Säuren, ein eleganter, leichter Sommerwein der Lust auf mehr macht.
Preis: 5,05 (1.200 Ft)

Bikavér 2005

Ein Bikavér aus hauptsächlich Kékfrankos, etwas Portugieser, Zweigelt und Kék burgundi. Weinkeller, aber im

positiven Sinne, Zwetschgen, rauchige Note. Dunkle Früchte und Pfeffer, ordentlich adstringierend, schöner Abgang.

Ördöngös 2005

Ein sich bordeauxfarben präsentierendes Cuvée aus Cabernet Franc und Merlot. Duftet nach Zedern, Orangenschalen. Am Gaumen grüner Pfeffer, rauchig, Kakao. Schöner Abgang. Absolut gelungen, hat Potential.

Kékfrankos 2005

Warme Marmelade und Schokoladenoten umschmeicheln die Naseninnenwände. Leicht adstringierend, schön rund und füllig, Brombeeren, schwarze Kirschen. Wiederum schöner Abgang, ein weiterer Rotwein, der frisch und unverkrampft daherkommt und dennoch schon über Subtilität und Komplexität verfügt.

Auch wenn er häufig verlegen lächelt, wenn man mit ihm redet, bescheiden und dadurch ungemein sympatisch wirkt:

Bolyki János

Bolyki János

Bolyki hat es im Grunde schon geschafft. So wie er sich anfangs Zeit gelassen hat, wird die Zeit nun für ihn arbeiten. Seine Weine weisen jetzt schon so viel Potential auf, dabei hat er im Grunde erst vor drei-vier Jahren richtig begonnen. Den Namen Bolyki wird man künftig öfter hören.

Für mehr Winzer und Weine hatte ich leider keine Zeit. Schade, denn die eine oder andere Entdeckung hätte es sicher noch gegeben. Ich bin zufrieden mit meiner Auswahl, vor allem der Reihenfolge, die ich gegangen bin. Und werde nächstes Jahr wiederkommen, keine Frage.

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