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Postmodern? Da war doch was? Postmodern? Ein viel zu lange überstrapazierter Begriff, den man noch benutzte, obwohl er schon längst nicht mehr zutraf. Den man benutzte, ohne genau zu wissen, was er bedeutete. Einfach weil es gut klang und schick war.

Umso mehr klingelten bei mir alle Alarmglocken, als ich in einem ungarischen Weinmagazin las, dass mit Takács Lajos ein neuer Winzer am Somló aus dem Nichts sich einen Namen zu machen scheint mit, ja, tatsächlich: mit postmodernen Weinen. Was muss man sich unter einem postmodernen Wein vorstellen? Wie riecht, wie schmeckt Postmoderne? Mein Interesse war geweckt, zumal Takács bei einer Probe einer anderen Zeitschrift vielfach Höchstnoten erhalten hatte.

Takács also als vermeintlich krasser Gegensatz zu den Interpretationen Spiegelbergs und Feketes von Somloer Wein? Der Mensch, dem man sich dann gegenübersah, war in erster Linie

Takács Lajos

Takács Lajos

mal sehr freundlich, erfrischend offen, sofort sympathisch. Und straight, um es mal neudeutsch zu sagen. Sehr klar kann er in wenigen Sätzen formulieren, was er will, was er denkt, wie Weine sein sollen. Dass man dann auch sehr genau weiß, wie Weine nicht sein sollen und was er sich über Kollegen denkt, kann man dann selbst erschließen. Takács sagt das alles sehr ruhig und doch so bestimmt, dass Widersprüche nicht aufkommen können. Auch nicht von Mészáros László, immerhin Direktor von Disnókő, einem der bekanntesten und größten Weingüter Tokajs, der zufällig auch anwesend war und mit großem Interesse Takács Ausführungen lauschte.

Mode, Trends interessieren den Kerl nicht, der mit seinem coolen, maskulinen Auftreten auch einen Hauptdarsteller in „Spiel mir das Lied vom Tod“ hätten geben könne.. Er macht, was er möchte, was er für richtig hält. Er arbeitet hart im Weinberg für seine Weine. Und wenn sie erst einmal im Fass gelandet sind, läuft alles vollends von alleine, muss man sich seiner Meinung nach quasi nicht mehr darum kümmern. Das ist der Schluss, den der ehemalige Weinhändler aus drei Jahren selbstauferlegter Lehre, von 2001 bis 2003 gezogen hat. Damals hat er mit größtenteils fremdem Traubenmaterial genau studiert, was der Berghang hervorbringen kann und einstweilen unter fremden Namen verkauft. Eine Art präventivem, vorauseilendem Markenschutz in eigen Sache, wenn man so will.

Wichtig ist im Weinberg. Was bei Takács nicht falsch verstanden werden darf: seine Arbeit im Weinberg ist hart, aber aufs wesentliche reduziert. Er dünnt die Blätter nicht aus, strebt nur nach gesunden Reben. Im besten Falle landen diese dann nach Takács Meinung überreif in der von Hand bedienten Korbpresse und verweilen dort eine Tag. Zusetzung von Hefen, Chemikalien sind ein Fremdwort für ihn. Ich bin kein Chemiker, halte nichts davon, sagt er trocken. OK, geschwefelt wird, teils auch stärker als die Konkurrenz. Aber ansonsten muss das Traubengut sein Potential von alleine einbringen.

Die Ergebnisse? Nun, wenn das postmoderne Weine sind; dann lebe Sie hoch die Postmoderne! Unglaublich konzentrierte Geschöpfe, mit einer Mineralität, einer Fülle an Geschmackseindrücken,  die einen angesichts der relativ hohen Temperaturen im Keller und erst recht draußen schier umhauen. Dazu noch das Experiment mit Sauvignon Blanc, dessen Flaschen nicht in den Handel gelangen, weil Takács die nicht offiziell zugelassene Sorte lediglich als „Tafelwein aus West-Transdanubien“ verkaufen dürfte. Hier wird die postmoderne greifbar, und erschmeckbar. Wiederum: Hut ab, ein Erlebnis. Immerhin durfte ich eine Flasche mitnehmen, obwohl nur noch rund 30 da waren. Ein weiteres Phänomen, das erwähnt werden muss: die Takács Weine kann man jung trinken – die Fassproben waren ausgezeichnet. Und werden sich halten, sicher 10-15 Jahre, mit dem Potential, das sie aufzeigten.

Was bleibt zurück? Ein einfacher Deutscher Weinliebhaber, der von einem smarten Winzer aufgezeigt bekommen hat, was für ein bis dato unvorstellbares Potential das Terroir des

"Die Qualität entscheidet sich einzig und allein im Weinberg"

„Die Qualität entscheidet sich einzig und allein im Weinberg“

Somló auch in sich birgt. Danke dafür und für die Einladung, wann auch immer wieder zu kommen. Bestimmt. Allein schon, weil Takács mit dem Gedanken spielt, auf dem noch brach liegenden Hektar als weiteres Experiment Rieling zu pflanzen! Unabhängiug davon drücke ich ihm für alles die Daumen und hoffe, noch die eine oder andere Flasche
Olaszrizling und Furmint ergattern zu können, die es im normalen Handel noch gibt. Wo? Sage ich ausnahmsweise nicht…

Verkostungsnotizen

Somlói Furmint, 2007 (Fassprobe)

In Barrique ausgebaut. Deutet dichtes, würziges Aromenpotential an, kann und sollte aber gut eine Tag vor dem Trinken schon belüftet werden. Dass er eigentlich viel zu warm probiert werden muss, tut ihm nichts an. Auch am Gaumen anfangs zurückhaltend, dann explodiert seine Mineralität förmlich, etwas salzig, schöne Säuren. Noch so jung und doch schon so mächtig.

Somlói Furmint „töltögete“, 2007 (Fassprobe)

Ebenso reinsortiger Furmint, nur mit Trauben von fremden, umliegenden Weingärten angereichert, da der eigene bestand nicht ausgereicht hat, um das Fass zu füllen. Leichter zugänglich, weniger schwer als sein Vorgänger, der „eigene“ Furmint. Dennoch auch hier im vergleich zu allem anderen, was ich bis dahin verkosten durfte: dichter, gehaltvoller, reicher.

Somlói Hárslevelű, 2007 (Fassprobe)

Wahnsinn. Öl pur, unheimlich dicht. Satte 16% Vol. Alkohol, aber diese schön eingebettet. Butter und Karamellaromen. Ein Kraftpaket mit riesigem Potential! Wahrlich kein Wein für jeden Tag, absolut beeindruckend.

Somlói Aszú, 2007

Ein Spiel, ein Versuch, den sich Takács Lajos erlaubt hat. Ein Aszú aus Hárslevelű. Schön klar, viel Zucker, zu viel, leider, die Säuren dadurch fast erschlagen, Zwetschgen, kurzer Abgang.

Somlói Olaszrizling, 2007 (Fassprobe)

Die erste Enttäuschung, nach so vielen Überraschungen, aber vielleicht auch weil die Erwartungen gestiegen sind. Ein wenig flach, das Gerüst fehlt. Auch Takács Lajos ist unzufrieden, aber es kann ja nicht alles gelingen.

Takács Lajos
Sauvignon Blanc, 2006 (Fassprobe)

Sauvignon Blanc am Somló, das gab es noch nie. Und Takács ist überaus zufrieden. Die Rebsorte scheint für das Terroir wie geschaffen. Halbsüß ausgebaut, einmal mehr ein sehr dichter Wein. Zarte Honigaromen, ein schöner Dessertwein.

Sauvignon Blanc, 2005

Der „Ferrari bor“, wie er – damals noch im Fass – genannt wurde. Für einen kurzen Augenblick sortentypischer Eindruck, dann überlagern Gewürze alles andere. Absolut eigenständig, nicht vergleichbar mit den modischen Sauvignon Blancs dieser Welt. Den ganzen Mundraum ausfüllen, würzig, aromatisch, schöne Säuren. Langer Abgang. Gigantisch, welch Überraschung!

Somlói Juhfark, 2005

Auch hier: der kräftigste, mächtigste Juhfark, den ich an diesem Wochenende probieren durfte. Wenn auch nicht so mineralisch, wieder

Die Basaltorgeln als Namensgeber für das Weingut: "Hollóvár" meint "Burg der Raben", die teils in Scharen um die Felsen kreisen und "Party machen", wie Lajos sagte

Furmint, nicht so dicht, wie der Hárslevelű. Viel Früchte, sehr harmonisch.

Die Basaltorgeln als Namensgeber für das Weingut: „Hollóvár“ meint „Burg der Raben“, die teils in Scharen um die Felsen kreisen und „Party machen“, wie Takács sagte.

Anbaufläche: 5 Hektar, davon einer bis dato unbepflanzt
Lage: Taposó-kút dűlő, beste Südlage
Rebsorten: Juhfark, Furmint, Olaszrizling, Hárslevelű, Sauvignon Blanc

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