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Aus eigener Kraft kann man bis zu 8 Hektar bewirtschaften, danach kommt es zu Qualitätsproblemen. Zurzeit haben wir nur vier, leben kann man als Familie von sechs bis sieben – sagt Fekete Béla, oder auch Béla bácsi (Onkel Béla), wie er in ungarischen Weinkreisen gerne liebevoll genannt wird, mit seinen 82 Jahren. Und meint das Ernst, steht im Weinberg, arbeitet, schaut nach dem Rechten. Dieses Jahr umso mehr, nachdem sein Sohn nach einem schweren Motorradunfall seit längerem nicht zupacken kann und erst langsam aber sicher wieder fit wird. Zudem wird es immer schwieriger, zuverlässige Arbeitskräfte zu bekommen.

Für Béla bácsi fungiert das Weinmachen wie ein Jungbrunnen. Jeden Sommer verbringt er zusammen mit seiner Frau Bori in ihrem kleinen, völlig unscheinbaren Haus am Südhang des Somló. Auch das ein Gegenkonzept, ein starker Kontrast zu Kreinbacher und Spiegelberg. Alles strahlt Bescheidenheit, Bodenständigkeit aus. Wenn er physisch mal nicht mehr könnte,

Onkel Béla strahlt die Ruhe des Alters aus

Onkel Béla strahlt die Ruhe des Alters aus

wäre für ihn sicher viel, wenn nicht gar alles verloren. Wein machen, das ist sein Leben. Auch wenn er erst so richtig damit begonnen hat, als er in den Ruhestand ging. Davor war es ein Hobby, für das er jedes Wochenende opferte.

Auch er, wie Spiegelberg, ein Autodidakt, der über die Jahre viel lernen musste. Inzwischen bringt Béla bácsi konstant gute Qualität auf den Markt. Weine, die dicht sind, klar und klassisch daherkommen, keine Extreme, keine Extravaganzen. 80% seiner Weine verkauft er über die größte Einzelhandelskette „Bortársaság“ ( Weingesellschaft). Eine bessere Abnahmegarantie gibt es derzeit in Ungarn nicht. Die Arbeit im Weinberg nimmt er nach wie vor sehr Ernst und ist stolz auf die tadellos gepflegten Stöcke.

Den auf Ungarn beschränkten Ruhm seiner alten Tage merkt man ihm kaum an. Er freut sich über Besucher, nimmt sich gerne die Zeit für Fassproben, Erläuterungen; Anekdoten. Am Anfang kredenze er einem einen selbstgemachten Schnaps. Etwas ungewöhnlich als Einstieg in einen Weinprobe, aber lecker war er. Von seiner Frau bekommt man selbstgebackene Pogácsa gereicht. So scheint die Zeit stehen geblieben zu sein, solange man mit den beiden sympathischen Alten am Tisch unter der Pergola sitzt. Im Handumdrehen sind zwei Stunden verstrichen, ohne dass man es bemerkt hat. Man kann ihnen nur wünschen, dass sie noch einige weitere Jahre die Kraft haben für ihren Wein – und einem selber auch…

Verkostungsnotizen

Somlói Olaszrizling, 2007 (Fassprobe)

Jugendlich frisch. Filigrane Säuren, erstaunlich leicht, ein wenig zu leicht, aber feine Mineralität.

Somlói Hárslevelű, 2007 (Fassprobe)

Viel Frucht, Kompott. Kräftige Säuren. Grüner Apfel, Rosen. Schön, aber eher  nur Alltagswein.

Somlói Chardonnay, 2006 (Fassprobe)

Obstladen. Nicht vulgär, sondern ganz dezenter Holzeinsatz im Hintergrund. Unkompliziert, unaufdringlich. Ein Chardonnay, der gefällt.

Die Rebstöcke beiginnen direkt am Haus

Die Rebstöcke beiginnen direkt am Haus

Somlói Juhfark, 2007 (Fassprobe)

Jetzt schon erkennbar: ein klarer, reiner, sauberer klassischer Juhfark. Ganz leicht Botrytis. Honig, Kräuter. Schöne frische Säuren, und doch schon gebunden, gebändigt. Holz kaum wahrnehmbar.

Somlói Furmint, 2006 (Fassprobe)

Mineralisch, markante Säuren, Holz drängt sich im Abgang in den Vordergrund, ein wenig zu flach. Kann sich aber mit der Zeit auch noch geben. Dennoch: war gespannt, wie Béla Bácsi den Furmint interpretiert – und bin ein wenig enttäuscht.

Netterweise bot Béla Bácsi mir dann auch noch an, aus den Flaschen jedweden probieren zu dürfen. Im Grunde hätte mich der Chardonnay auch interessiert, nachdem der 2007er einen so guten Eindruck hinterlassen hatte.
Aber letztlich wollte ich dem Furmint eine zweite Chance geben, einmal mehr einen Juhfark kosten (davon kann man nicht genug kriegen) – und eben nicht unverschämt sein. Weshalb ich es dabei beruhen ließ:

Somlói Furmint, 2005

(Flasche war am Vortag geöffnet worden) Erdbeeren in der Nase!? Metallisch, Rost. Erstaunlicher, außergewöhnlicher Furmint. Vielleicht ist es aber inzwischen auch zu heiß geworden am Somló…? Ich nehme jedenfalls mal eine Flasche mit.

Somlói Juhfark, 2006

Kräftig, männlich, typischer Somloer Juhfark. Markanter als der 2007er, hat aber eben auch ein Jahr Vorsprung. Viel Frucht. Schöner Vertreter seiner Sorte und Heimat.

Anbaufläche: 4 Hektar
Lage: Aranyhegy und Fehérvári dűlő, Südhang
Rebsorten: Juhfark, Furmint, Olaszrizling, Chardonnay, Hárslevelű

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