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Stephan ist ein schwieriger Kerl. Nicht unsympathisch, aber nicht einfach zu haben. Ein Trotzkopf, der gerne viel redet, sehr viel, bisweilen ein wenig zu viel. Und sich als Robin Hood des Somló gebiert, in dem Sinne, als dass er sich und die anderen kleinen Qualitätswinzer bedroht sieht durch die Expansionsbestrebungen der Kreinbacher Kellerei und gegen sie politisiert. Ganz unbegründet ist dies nicht, schließlich sind seine zwei Hektar Anbaufläche inzwischen fast zur Gänze umstellt von den Neupflanzungen der Investorengruppe. Stephan ist der konservative Robin Hood, der Bewahrer der Traditionen. Für Weinmagazine schlüpft er gerne in Trachtenkleidung. Sein Wohnhaus inmitten der eigenen Bepflanzungen gleicht einem Heimatmuseum, steckt so sehr voller Gegenstände aus vergangenen Tagen, dass es fast schon wieder kitschig und unecht rüberkommt.

Doch die Linie des konservativen Bewahrers alter Werte hält er durch. Bei ihm kann man als Besucher noch Zwetschgen und Birnen von den Bäumen pflücken, die zerstreut in Weinbergen stehen. Er verflucht das große Geld, die gesichtslosen, seiner Meinung nach für internationale Gaumen getrimmte Weine der Kreinbachers dieser Welt. Er verweist auf die

Stephan vor seinen beiden Häusern

Stephan vor seinen beiden Häusern

weit zurückreichende Geschichte des Weinbaus am Somló und preist die Kräfte der Natur, die seinen Weinen die Grundlage für ihren einzigartigen Somlóer Charakter verleihen.

Dabei ist der in Deutschland geborener Ungar noch gar nicht so lange professionell im Geschäft. Zwar kam er schon als Kind immer wieder zum Somló, wo seine Großeltern Wein anbauten. Doch lange Zeit lebte er in Deutschland. Nach diversen Jobs in Berlin war er zuletzt Testfahrer bei BMW in München. Von dort fuhr er jedes Wochenende innerhalb sechs Stunden zum Somló, zum Weinberg, den seine Eltern vor 15 Jahren gekauft haben. Das sind seine Wurzeln am Somló, daher kennt er die Gegend, das Terroir, die Charakteristika der Weine.

Stück für Stück kaufte man dazu. Irgendwann merkte Stephan, dass es so nicht mehr weiter ging, dass er sich entscheiden musste. Die Arbeit am Weinberg nahm überhand. Entweder oder, also Somló. Ziel ist es, ohne finanzielle Sorgen von seinen Weinen leben zu können. Die ersten Schritte dazu hat er getan, aber der Weg ist noch weit. Noch muss viel investiert, noch viel Arbeit in Weinberg und Keller gesteckt werden. Heutzutage verkauft er ein Drittel seiner Weine an Großhändler, ein Drittel direkt vor an Besucher, das
letzte Drittel geht allein für Verkostungen bei Festivals drauf. Marketing ist nicht so sehr sein Ding. Dafür politisiert er auch zu sehr, hält kein Blatt vor den Mund. Er hat eine klare Meinung, auch und vor allem, wie seine Weine sein sollen. eigenständige, klassische Somlóer, die auf die Tradition am Berg und die Stärken ihres Terroirs verweisen.

Alle Weine reifen 12-16 Monate in großen Holzfässern, ehe sie abgefüllt werden. Manche auch länger, wie das Somlói Cuvée aus 2004, mit dem Stephan nicht zufrieden war und das er deshalb erst einmal 4 Jahre lang unangetastet im Fass ließ. Er experimentiert gerne, spielt mit einem bei der Verkostung, möchte durch überraschende Stiländerungen überraschen und überzeugen. Dahinter verbirgt sich immer auch ein wenig Unsicherheit, Angst vor den Großen und Neid auf deren Bedingungen. Sicher hat er es nicht einfach. Und was er sich autodidaktisch beigebracht hat in den Jahren, ist dem kann man nur Respekt zollen. Insofern kann man ihm nur wünschen, dass er seinen Weg geht und seinen Platz und damit auch seine Ruhe findet; als Kleiner zwischen den Großen und Kleinen der kleinen Weinwelt des Großen Somló.

Bei Spiegelberg kann man auch im Nachbarhaus übernachten. Abendessen und Frühstück gibt es auf Wunsch aus seiner eigenen Küche. Derzeit geht es noch ein wenig spartanisch zu,

Eingang zu einem der Keller bei Spiegelberg

Eingang zu einem der Keller bei Spiegelberg

fließend Wasser gibt es nicht.

Internet: www.spiegelberg.hu

Verkostungsnotizen

Vorabbemerkung: Die Verkostung begann gegen halb acht Uhr abends nach einem längeren Spaziergang mit Stephan durch einen Teil des Südhanges. Sie endete am frühen Morgen um kurz vor zwei Uhr mit einem deftigen kalten Abendessen in seiner Küche. Ich bitte um Verständnis, wenn die Notizen und damit verbundenen Bewertungen hinten raus kürzer, weniger präzise werden. Mehr muss ich nicht sagen, oder?

Somlói Juhfark Ilona Dűlő, 2007 (Fassprobe)

Honig, Lebkuchen, typische Sekundäraromen (ganz leicht Holz, Hefe), trotz jugendlicher Wildheit recht diskrete Säuren, weich, warm. Hat Potential.

Somlói Juhfark Ilona Dűlő, 2006

wurde nichts, gibt’s daher nicht

Somlói Juhfark Ilona Dűlő, 2005

Grünes Moos. Viele Früchte, noch mehr Mineralien. Langer Abgang.
Alkoholgehalt: 12,61 % V/V; 2,3 g/l Restzucker; 9,8 g/l Säure.
Preis: 2.500 HUF (10,20 EUR))

Somlói Juhfark Ilona Dűlő, 2004

Dill, Karotten. Pfirsich am Gaumen, mineralisch weich. erstaulich, wie unterschiedlich dieselbe Traube aus derselben Lage doch sein kann.
Alkoholgehalt: 12,67 % V/V; 1,4 g/l Restzucker; 9,4 g/l Säure.
Preis: 2.500 HUF (10,20 EUR))

Dann Cuvées, was bei Spiegelberg nach sehr klassischem Verständnis gemeint ist, und soviel heißt wie: jedes Jahr andere Anteile, je nachdem, was von reinsortigen Weinen nach Befüllen der Fässer an „Überschuss“ da ist, wird Teil des Cuvées.

Morgenstund über Stephans Rebreihen

Morgenstund über Stephans Rebreihen

Somlói Cuvée, 2007 (Fassprobe)

Schlehen, leicht adstringierend, Holunder, feine Minze. Noch sehr frisch, ungestüm.

Somlói Cuvée, 2006 (Fassprobe))

Erschien mir noch erstaunlich verschlossen. Halbtrocken ausgebaut. Honig, Weihnachten (!). 10 gr./l Säure
Preis: 2.500 HUF (10,20 EUR))

Somlói Cuvée, 2005

Halbtrocken ausgebaut. Erschien mir noch erstaunlich verschlossen. Anfänglich seifiger Abgang (was mir Stephan noch am Folgetag übel nahm, aber er wollte es ja unbedingt wissen), verschwand aber nach 5-10 min Lüften und Erwärmen auf 14 Grad. Honigmelone, Sommerfrüchte.
Alkoholgehalt: 11,84 % Vol.; 1,6 g/l Restzucker; 7,5 g/l Säure.
Preis: 2.500 HUF (10,20 EUR))

Somlói Cuvée, 2004

Soll ein schwieriger Jahrgang gewesen sein, weshalb Spiegelberg erst nach 4 Jahren einen Blick ins Fass warf. Orange, Ingwer, auch hier nicht leicht zugänglich. Etwas flach. Nicht so mein Ding.

Furmint, 2007 (Fassprobe, ohne Schwefel behandelt)

Apfelmus. Himbeeren, Botrytis-Aromen kräftig, ungestüm. Ein wenig fehlt das Rückgrat.
Alkoholgehalt: 13 % Vol. 3,1 gr./l Restzucker

Furmint, 2007 (Fassprobe, geschwefelt)

Öffnet sich nur allmählich, schwer und leicht zugleich – Butter und grüne Äpfel. Schönes Gerüst. Wird interessant zu sehen, wie der in 2-3 Jahren sein wird.

Olaszrizling, 2005

Stählern. Lavagestein pur. Birne, Kiefer. Kräftige Säuren. Hinten raus etwas zu eckig.

Olaszrizling, 1999

Klassische Olaszrizling-Nase: Mandeln, Marzipan. Ein wenig zu viel Schwefel. Wirkt aber erstaunlich jung für sein Alter.

Olaszrizling, 2007

Halbtrocken ausgebaut. Aprikosen, Aprikosen, Aprikosen. Schwierig, jetzt schon was zu sagen.

Anbaufläche: 2 ha zusammenhängendes Gebiet, einer davon beflanzt, der andere noch nicht.
Lage: Szent Ilona-dűlő (Riede). Südwesten, zwischen Szent Ilona kápolna (Kapelle) und Séd-forrás (Séd-Quelle)
Rebsorten: Juhfark, Furmint, Olaszrizling

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