Nach kurzem Zeitabstand schon wieder ein Wein aus der Mache der Abtei von Pannonhalma? Ja, ist aber nur Zufall, d.h. ich konnte trotz Hitze nicht widerstehen, diese absolute Neuheit gleich zu probieren.

Ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnlicher Wein. Ich sage nur: ein Roter mit 15,5% Vol., – man denkt unweigerlich an Amarone – von einem Weingut, das ansonsten – typisch und angebracht für die Region – sich mehrheitlich mit Weißweinen auseinandersetzt. Nur das Beste vom Besten und daher wird es den „Infusio“ auch nur in ausgezeichneten Jahrgängen geben, weshalb 2007 gleich durchfiel. 2006 ist der allererste und hat gleich eine wahre Granate hervorgebracht. Sein Name geht zurück auf die Tradition der Benediktiner-Mönche, die diese Bezeichnung früher ihren besten Qualitäten gaben. diese landeten dann auch nicht, wie sonst üblich, zu festlichen Anlässen einfach auf den Tischen, sondern – ganz fein für damalige Verhältnisse – in einzelnen Gläsern.

Zum Großteil besteht der „Infusio“ aus Merlot, was man ihm auch anmerkt und ihm auch gut tut. Er dämpft sein Temperament (die Ungarn würden hier gleich von Feuer reden). Dennoch kommt die Würze dank des Cabernet Franc nicht zu kurz. Tiefes Rubinrot, schwer im Glas liegend. Im Bouquet Zwetschgen, Kräuter, Leder. Und, kleines Wunder, bei 16 Grad erstaunlich, überaus angenehm leicht sich präsentierend! Herrlich ausgewogene Säurestruktur, leicht adstringierend, das Holz sanft im Hintergund, da hätte ich mehr erwartet, bin also angenehm überrascht. Tabak und Karamell am Gaumen, im Abgang zeigt sich dann doch die alkoholische Schwere, kein Wunder. Aber er ist ja auch noch jung. Viel Potential, ich bin begeistert! Da müssen noch ein paar Flaschen her, und dann lasse ich ihm die Zeit, die er braucht, die Zeit, die ihm gebührt.

Wein: Pannonhalmi Infusio, 2006
Weingut, Ort: Pannonhalmi Apátsági Pincészet, Pannonhalma
Rebsorte/n: 80% Merlot, 20% Cabernet Franc
Alkoholgehalt: 15,5% Vol.
Sonstige Angaben: 14 Monate lang reiften die beiden Rebsorten getrennt voneinander in neuen 500l-Holzfässern, danach gemeinsam noch 3 Monate in Flaschen.
Preis: 17,15 EUR (4.290 Ft.)
Internet: www.apatsagipinceszet.hu

6 Antworten

  1. Hallo Herr Klingler,
    schön etwas über die Weine von Pannonhalma zu lesen.
    Ich bin zwar keine grosser Weinexperte,aber Weine aus Pannonhalma sind für mich die Favoriten!!! Ich finde man liest darüber noch viel zu wenig.
    (Könnte natürlich auch sein, dass das gut ist und die Weine mehr so Geheimtipp bleiben???)
    Mit freundlichen Grüssen
    Karin P.

    • Liebe Frau P.,

      die Pannonhalma Apátsági Pincészet gehört sicher nicht zu den ungarischen Erzeugern, die allzu viel Support benötigen. Klar, irgendwo im Gespräch zu sein, hilft immer. Aber Pannonhalma ist kein kleines Weingut, sucht auch gezielt den Export (das tricollis Cuvée gibt es bspw. bei manufactum: http://www.manufactum.de/Produkt/188265/1395223/2008er-Tricollis-Cuv-e-weiss.html). Allenfalls haben die ein Problem, Ihre erezugte Menge loszuwerden. Da kann ich aus dem Stand 50 kleine Erzeuger nennen, für die etwas mehr Unterstützung noch besser wäre. Unabhängig davon: wenn Sie sich noch ein wenig auf BorWerk umschauen, werden Sie noch den einen oder anderen Eintrag zu Pannonhalma von mir finden (am einfachsten über die Suche oben rechts).

      Schöne Grüße, Peter Klingler

    • Danke, Karin. Wusste ich schon, wäre gerne auch hin, bin aber schon seit langem für dieses Wochenende nach Tokaj eingeladen…

      Was es wiederum erträglicher macht.

      Beste Grüße
      Peter Klingler

      P.S.: Werden Sie hingehen?

  2. Hallo,
    na Tokaj ist wohl die bessere Wahl.
    Viel Spass und interessante neue? Erfahrungen.
    Ich hoffe, ich kann die Familie dazu überreden.
    Falls ja, werde ich darüber einen Erfahrungsbericht schreiben (falls ich dann noch kann 😉 )
    Mit freundlichen Grüssen
    Karin P.

    PS.Meinen Nachnahmen halte ich deswegen „geheim“, er passt nicht zu „bor“werk

    • Es wird wohl auch neue Weine geben, von 2009 und 2010. Geladen hat Tokaji Bormívelők Társasága, einige Blogger, zum Lagen-Besichtigen und zum Blind-Verkosten. Wird interessant, spannend – und, wegen letzterem peinlich… 🙂

      In der Hoffnung, dass es bei Ihnen klappt: viel Spaß in Pannonhalma! Lassen Sie von sich hören.

      Beste Grüße, Peter Klingler

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