Szekszárd

Es ist eine Krux mit diesem Szekszárd (sprich: ßäckßárd).

Auf der einen Seite hat man es mit einem Anbaugebiet zu tun, das ab dem Jahr 2000 wie wohl kein anderes eine Dynamik entwickelt hat. Wie nirgendwo sonst in Ungarn tauchte eine Vielzahl neuer Erzeuger auf. Der Großteil sind kleine Betriebe, die Winzer meistens jung und gehören entsprechend der Postwende-Generation an.

Auf der anderen Seite hat sich dadurch nicht grundsätzlich viel bewegt. Will sagen, zu einem neuen Trend in Sachen Stilistik, zu einer Umpositionierung oder zumindest Andeutung einer anderen Ausrichtung am heimischen Markt hat diese Dynamik nicht geführt.

Szekszárd ist und bleibt damit eine klassische Rotwein-Region, die mehrheitlich für fruchtbetonte, somit auch eher leicht zugängliche Weine steht. Die verfangen leicht, machen sich selbst dadurch aber genauso vergesslich. Und sie sind durch ihre daraus gewonnenen internationale „Common-sense“-Stilistik bisweilen sehr austauschbar. Kein Thema, auch das soll es, auch das muss es geben. Nicht immer kann und will man anspruchsvolle Weine im Glas haben, die Charakter, Eigenständigkeit und Typizität ihrer Herkunft spiegeln.

Als sanfter Einstieg taugt ein Alltagsroter aus Szekszárd allemal. Zumal diese Rolle durch die vergleichsweise günstigen Preise unterstützt wird. Wer also diese Kombination sucht, liegt innerhalb Ungarns bei Szekszárd mit hoher Wahrscheinlichkeit richtig.

Das ist aber auch die Krux. Denn das allein als USP, das Alleinstellungsmerkmal, reicht mittel- bis langfristig nicht aus. Da hilft es auch nichts, wenn seit einigen Jahren hier und da auch einmal ein Lagenname auf dem Etikett erscheint. Er suggeriert Terroir, bessere Qualität, rechtfertigt höhere Preise, allein – er steht letztlich doch für nichts Spezifisches. Zumindest konnte man das bislang nicht finden. Hier begnügt man sich vermeintlich mit dem erreichten Ist-Zustand, entwickelt sich eher in die Breite, denn in die Tiefe.

A propos finden: die Selbstsuche, so sie denn überhaupt stattfindet, wird deutlich erschwert durch das Underdog-Dasein, das Szekszárd hinter dem berühmten Nachbarn im Südwesten, hinter Villány spielen muss.  Darunter leiden, mal mehr und mal weniger bewusst, auch die Alteingesessenen der Branche. Diese kann man an einer Hand abzählen: Dúzsi, Heimann, Takler, Vesztergombi, Vida.

Dann on top noch der virtuell-reelle Konflikt um den echten Bikavér, den Szekszárd mit Eger austrägt und wo man auch tendenziell den Kürzeren zieht, oder eben auch nicht. Einfach weil im Massentourismus-Denken das Stierblut, wie Bikavér ins Deutsche übersetzt heißt, mit der mythischen Geschichte um die Verteidigung der Burg Eger gegen die Türken in 1552 am ehesten in Verbindung gebracht wird. Das ist schlichtweg Pech, dagegen marketingtechnisch anzukommen ungemein schwer.

Für was steht Szekszárd also noch, neben den zahlreichen jungen Weinmacher-Sprößlingen und zugänglichen Roten für den Alltag? Gewiss auch für die Bemühungen einzelner Erzeuger, die alte Rebsorte Kadaraka wieder zu beleben: durch Versuche mit zahlreichen Rebklonen. Und genau daraus kann sich jene Authentizität und Lokalität gewinnen, nach der man sonst bislang vergeblich sucht.

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