Badacsony (Balaton)

Beim Balaton, dem Plattensee, muss man stets eine Entscheidung treffen. Wählt man das Südufer, hat man den herrlichen Blick auf das Bergpanorama im Norden. Aber man kriegt es auch mit den größeren Städten und dem Massentourismus in seiner unangenehmeren Ausprägung zu tun. Siófok ist hierfür das Mahnmal schlechthin.

Wein gibt es hier wie da. Wirklich spannend wird es aber dort, wo es auf der anderen Seite des Seeufers vom Süden aus betrachtet fürs Auge schön wird: im westlichen Norden. Dort fügt sich das Panorama aus zahlreichen Vulkankegeln zu einem Anbaugebiet, dessen Name vom Größen und damit Auffälligsten stammt, dem Badacsony.

So viel zur Einleitung. Und gleich danach wird es kompliziert. Denn zum Anbaugebiet zählen einige andere Berge. Sie sind mal mehr, mal weniger nah am Wasser stehen gelassen worden. Das, führt zu ziemlich unterschiedlichen Mikroklimata. Schließlich wirkt der See nicht nur wie ein riesiger Reflektor für alle Sonnenstrahlen. Er gefällt sich und den Trauben auch als Wärmespeicher für unzählige Nächte. Die geringe Wassertiefe von durchschnittlich 3,3 Metern tut ihr Übriges, gerne steigt die Wassertemperatur im Sommer auf unsägliche urinwarme Grade.

An Sonnenstrahlen und Wärme mangelt es in der Regel auch den leicht nach hinten ins Land versetzten Zeugen längst vergangener Aktionismen der Erdkruste nicht, wie etwa dem Szent György Hegy (Berg des Heiligen Georg) oder dem Csobánc. Den Rest gibt dann der Common Denominator, der gemeinsame Nenner aller Berge: der vulkanische Untergrund aus dunkelbraunem bis schwarzem Basalt. Das ist ein Gesamtpaket, das hohe Mostgewichte quasi unabhängig vom Jahresklima garantiert. Viel eher stellt sich die Frage, ob kühlere Sommer im Vergleich nicht gar die besseren Jahrgänge hervorbringen.

Denn so einzigartig all die Einzelfaktoren hier am Badacsony einen kontinental-submediterranen Mix für mehrheitlich weiße Sorten bieten, so sehr schaukelt sich alles gegenseitig hoch und damit bis zur Ernte im frühen Herbst auch die Zuckergehalte und in der Verlängerung im Keller die Alkoholgrade. Das führt leider auf zuverlässige Weise immer und immer wieder zu schweren, allzu stark vom Alkohol geprägten Weinen. In Verkennung der Problematik oder perverser Geilheit einer entsprechend untragbaren Stilistik wird ein Grauburgunder dann gerne auch mal voller Stolz Brutális genannt, weist er doch 16,5% Vol. aus.

Wer als Erzeuger über den Tellerrand des lokalen bzw. heimischen, ungarischen Marktes einen Blick geworfen und das Terroir im Griff hat, sprich die physiologische Reife des Erntegutes nicht überreizt, kann wirklich interessante Weine auf die Flasche bringen. Der Basalt bringt ohne weiteres Zutun eine mineralische Note mit, die zu deutlicher Würze und leicht salzigen Einschlägen führt. Lokale Besonderheiten wie die Rebsorte Kéknyelű, der Blaustengler, kommen dann auch noch dazu. Kurz, an sich hat das Anbaugebiet Badacsony einiges zu bieten. Nur, sein Potential ganz ausgeschöpft hat es wohl nicht. Da kann und soll gefälligst noch einiges kommen, bitte.

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