Demeter Zoltán - Furmint Kakas 2007, 2009, 2011

Vertikale Verkostungen sind ja grundsätzlicher immer interessant. Als mal mehr, mal weniger durchgeknallter Weinfreak kauft man sich die Jahrgänge bewusst zusammen. Man sammelt also bedächtig und mit Eselsgeduld – was bleibt einem anderes übrig als Jahr für Jahr zu warten – sich eine Kollektion zusammen, um dann irgendwann einmal eine mehr oder minder beachtliche Reihe vor sich zu haben. So weit, so gut. Dann kommt erst recht die Erwartungshaltung ins Spiel. Wofür hat man schließlich so lange gewartet, (bestenfalls) so viel stoische Ruhe mitgebracht, auf die Lagerung geachtet und so weiter und so fort. Spannung also, im Positiven wie im Negativen.

Hier ging es nach längerem Zögern – auch das zeichnet so manch einen Freak aus, dass er nämlich zu lange wartet, nie genug kriegen kann, die Strecke doch bitte länger und länger werden soll – um drei Jahrgänge von Zoltán Demeter, ungerade, 2007, 2009, 2011, alles reinsortige Furmint aus der Lage Kakas. Ein großer Unterschied, und der war dann auch wesentlich bei dieser Vertikalen: der 2007er hatte noch einen Naturkorken, der 09er und 11er war mit Glas verschlossen. Das hat sich inzwischen weit verbreitet in Tokaj und auch darüber könnte man länger referieren und gewiss trefflich streiten. Darum soll es aber hier nicht gehen.

Zweifelsohne führte der Verschluss zu einem signifikanten Unterschied. Denn der Furmint Kakas 2007 mit seinem Kork war deutlich anders nach so ziemlich allen Gesichtspunkten, wie die 09er und 11er. Diese lagen vor allem direkt nach dem Öffnen erst einmal erstaunlich nahe beisammen. Der 07er wirkte schon gereift, die anderen beiden recht verschlossen. Wo der 07er offen und recht breit angelegt war, fuhren der 09er und 11er erst einmal auf einem recht schmalen, zu den Seitengrenzen hin streng, fast hart diktierten Grat.

Am treusten blieb dieser Linie der Furmint Kakas 2009: irgendwie gar der frischste, vielleicht der feingliedrigste, muskulöseste der Reihe, mit subtilem, latent immanentem Druck ausgestattet. Klingt technisch, unterkühlt, distanziert? So wirkt er auch. Das etwas Mehr an Frucht, Apfel nämlich, im Vergleich zum 2011 er und ein leicht herber, kräuteriger Einschlag täuschen da auch nur in einer Zwischenphase. Kieselstein, Seife, Schalen von gelben Zitrusfrüchten. Zum Ende hin recht markant, markanter als der 11er jedenfalls, bei beiden jedoch spielen die Säuren eher eine untergeordnete, wohl integrierte Rolle.

Der 2011er hat da mehr Schmelz – was leicht fällt, neben dem messerscharf gezeichneten 09er, ist breiter geschnitten, kommt insgesamt mild daher, mit sanften Säuren, Butter, Blumenwiese, etwas Karamell, Menthol aber auch, zum Ende hin zieht das an. Dann zeigt er eine kalte Schulter, wirkt abweisend, steinig-mineralisch. Beide, sowohl der 11er als auch der 09er machen es einem nicht leicht. Beide können noch lange. Das ist sicher. Der 07er hat schon eine Wegstrecke zurückgelegt, ist wesentlich oxidativer, hat erste Petroleum-Töne dabei, Anklänge von Apotheken-Besuchen, seien Frucht ist goldgelb, gereift, spürbar existent. Da hat was. Das schafft Zugang. Die anderen sind schwer lesbar. Können und wollen (derzeit) nicht so recht. Alle haben Format. Alles haben Länge, sind komplex gebaut. Der 07er kann noch mehr. Der 09er und 11er sollen sich finden. Dann schaut man gerne wieder vorbei. Mit Spannung und Ungeduld. Und inzwischen sammelt man fleißig weiter.

2 Antworten

  1. Sehr geehter Herr Klingler,
    der guten Ordnung halber möchte ich gerne darauf hinweisen, dass die abgebildeten Flächen weitgehend im Besitz des Weinguts Gróf Degenfeld sind. Eine kleine Teilfläche gehört Alládar Zichy. Mir ist nicht bekannt, dass Z. Demeter Weinberge am Kakas besitzt.
    Mit freundlichen Grüßen
    Th. Lindner

    • Werter Herr Lindner,

      freut mich, dass Sie sich hier erstmals melden – wiewohl der Anlass, wie ich finde, ein anderer, eben positiver sein könnte.

      So richtig klar wird mir die eigentliche Stoßrichtung, oder genauer, der Zweck Ihrer Aussage nicht. Sollten Sie damit sagen wollen, dass Zoltán Demeter seit Jahren zu Unrecht die Lagenbezeichnung “Kakas” verwendet, so würde ich Sie bitten, sich direkt an ihn zu wenden. Dies hier ist lediglich ein kleiner Wein-Blog, der etwas für den ungarischen Wein tun möchte, rein privat, non-profit (das Gegenteil ist der Fall), als Hobby, auf konstruktiv kritische Weise. Nicht mehr und nicht weniger.

      Freuen Sie sich doch, dass es derart herausragende Erzeuger in Tokaj gibt, die (nicht nur aber insbesondere) im Bereich trocken ausgebauter (Lagen)-Weine seit über zehn Jahren bemerkenswerte Pionierarbeit leisten. Das ist nachhaltig positives Marketing für die Region. Hier werden Trends gesetzt, wird auf hohem Niveau an Alleinstellungsmerkmalen gefeilt. Das strahlt auf manch großen Erzeuger zumindest indirekt ab, der sich diesem Thema nun langsam aber sicher zuwendet.

      Es grüßt freundlich gestimmt
      Peter Klingler

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