Die erste Syrah-Trilogie von damals. Spannender Ansatz in Zeiten, in denen Erzeuger händeringend nach was Neuem, was Besonderem suchen.

Man nehme von einem Jahrgang – 2005 – aus zwei mit derselben Rebsorte bepflanzten Lagen – Szarkás und Nagy-Eged; kleiner Schönheitsfehler, dass es nicht eine ist – aus drei unterschiedlichen Höhenlagen – 200-300, 300-400 und 400-500 Metern – das Erntegut und kreiere daraus drei Weine, die im Verbund verkauft werden.

3-5 kg Trauben fanden sich am Ende gerade mal am Stock. Spontan vergoren in offenen Tanks. Zwei Jahre in ungarischer Eiche, dann auf die Flasche.

Um es vorweg zunehmen: die sind richtig, richtig gut. Und die bereiten noch so richtig lange richtig viel Spaß. Keinerlei Ermüdungserscheinungen bei keinem der dreien. Allesamt mit dunklem, dichtem Rubinrot im Glas.So weit, so gut, so ähnlich oder gar gleich. Jetzt zu dem, was die Weine unterscheidet und damit eigenständig macht.

Der 200-300er Syrah aus der Lage Szarkás wuchs auf vulkanischem Untergrund: Rhyolith-Tuff. Dafür kommt er ausgesprochen kühl und gediegen daher. Kaltes Metall, viele Kräuter, Lardo-Speck, dezent kalte, rauchige Töne, Lavendel, Johannisbeerfrucht an einem schlankem, fast schon grazilen Körper. Dezent Druck ausübend, hat der fast schon was herablassendes an sich, eine adelige Grazilität, ein von oben herab schauen. Bemerkenswert.

Gróf Buttler - Egri Syrah 2005 - Trilógia

Der 300-400er Syrah aus der Lage Nagy-Eged tritt da vom Stand weg kompromissloser, direkter, fordernder auf. Der Boden hier: Kalkgestein, stark durchsetzt mit den toten Überresten fossiler Einzeller und damit porös und durchlässig. Die Säuren wirken straffer, aber auch wie fein polierte, glänzende Gebilde. Druck allenthalben. Würze. Tannine, Holz, eine fleischige Frucht aus dunklen, zerkochten Waldfrüchten. Asche von Holz, Wundschorf, Rosinen, Salbei und Rosmarin auf Teer. Ein (nach wie vor leicht unterdrückt wirkender) Kraftprotz.

Der 400-500er Syrah aus derselben Lage und eben Rebstöcken, die bis knapp über 500m über dem Meeresspiegel ihre Wurzeln ins Kalkgestein graben ließen – schon absolut außergewöhnlich in und für Ungarn – kommt erstaunlich ähnlich daher wie der Vorgänger. Den Unterschied macht ein in sich runder und „dicklicherer“ wirkender Körper. Dennoch maskulin durch eine zunehmend an Fahrt gewinnende Würze. Frucht aus schwarzen Kirschen, Johannisbeeren, Holunder. Ordentlich Grip, sattes, fest strukturiertes Säuregerüst. Speckig wirkend, Rauchfleisch, Vanille, Arabica-Bohnen. Zu den Rändern hin läuft das alles aus, verschwimmt, wird weich gezeichnet. Lang, länger – am längsten von den Dreien.

Die haben alle was und viel mehr noch. Die wirkend fast noch jung, jedenfalls noch nicht gereift und geben viel her: Format, Klasse, Druck, Beständigkeit. Das tut gut und freut. Da braucht sich Ungarn nicht verstecken. Ganz und gar nicht. Dumm nur, dass ich hier irgendwie zu wenig Worte finden konnte. Noch dümmer, dass ich keine zweite 2005er Trilogie mehr habe.

 

P.S.: Aktuell gibt es die 2008er, allerdings „nur“ als Magnum-Ensemble, im Vergleich zum 05er quasi zum halben Preis, für rund 200 EUR das Paket.

 

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