Légli Ottó - Gesztenyés Riesling 2008Wieder ein Riesling. Wieder (für ungarische Verhältnisse) ein „gealterter“. Doch nun ein „richtiger“. Kein Welschriesling. Kein Zweifel. Steht ja auch drauf: „Riesling“.

Ich hatte ihn im Direktvergleich mit dem Gutsriesling von Leitz, Rheingau, ebenfalls 2008. Also einem Wein, der eigentlich schon hätte getrunken werden müssen. Der Unterschied ist frappierend und zeigt das Problem der Rebsorte mit Ungarn. Oder eben das Problem, das ungarische Erzeuger, gleich was sie auch an sich im Weinberg tun mögen, eben haben: es ist zu heiß.

Egal wie rum man es dreht: verloren geht Frische, Kühle, Säure. Und Tiefe. Nicht, dass der Riesling aus der Lage Gesztenyés – Kastanie – sich noch ganz gut halten würde und an sich interessant ist. Auch die kleine Prise Restzucker kann nicht darüber hinweg täuschen, dass es hier an Druck fehlt. Warm wirkt er, Struktur gibt ihm das Holz, das ihn beim Ausbau begleitet hat. Bereits leicht bräunliche Quittenfrucht, etwas Petrol, Karamell, gelbe Äpfel, von denen auch die Säuren zu stammen scheinen.

Angedeuteter Kraftsportler-Body mit Umkehrung: weichen Kanten und hartem, aber zerfranstem Kern aus diesen Säuren und einer mineralisch-erdigen Note. Das geht nach hinten dann schnell in eine gelblich-bräunliche Beliebigkeit über, hier fehlt dann vollends der Druck, die Kraft, kein Ausdauerläufer. Aber trotz all der Kritik: hat sich gut gehalten. Schließlich kann ja keiner was dafür, dass das ungarische Klima so ist, wie es ist. In Zukunft 2-3 Jahre früher trinken. Aber den Versuch war’s allemal wert.

 

Wein: Gesztenyés Riesling 2008
Weingut, Ort: Légli Ottó, Balatonboglár
Rebsorte/n: Riesling
Alkoholgehalt: 12,5% Vol.
Preis: etwa 10 EUR damals
Internet: www.legliotto.hu

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