Hollóvár - Somlai Furmint 2006Furmint lebt. Auch im Jahr neun seit seiner Erschaffung. Wohlgemerkt: ein trocken ausgebauter 2006er bedeutet, dass nun etwas aus der Flasche gelassen wird, das damals noch zu den Vorreitern gehörte, was Neues war, Pioniercharakter hatte. Schließlich stieg das junge, nach Jahrzehnten des Massenweinproduzierens wieder ganz allmählich und dann immer schneller zu sich findende Weinland Ungarn erst um die Jahrtausende Wende erstmalig wieder in den Ausbau trockener Weißer Furmint und Hárslevelű ein.

Insofern ist das hier im Glas noch recht junge, aber dennoch vergleichsweise bedeutende Geschichte. Bemerkenswert gut gelungen ist das Takács Lajos mit diesem Furmint vom Großen Somló. Zwar wirkt er inzwischen in der Wahrnehmungsphase (schreckliche technisch anmutendes Wort für die Beschreibung eines Weines, allein mir fällt gerade beim besten Willen nichts Besseres ein) altersbedingt verkürzt, das ist aber auch schrecklich relativ zu sehen und dafür macht er mit einer nach wie vor erstaunlichen Intensität das locker wett.

Dunkles Strohgelb, ja schon hell Bernsteinfarben im Glas. In der Nase Kräuteraromen, medizinale Töne, warmes, kurz in Wachs getauchtes Holz. Am Gaumen recht füllig und sofort präsent und schlichtweg auch bestechend prägnant. Die Frucht eingekocht, will vom Alter doch schon und noch am ehesten gezeichnet: Quitten, getrocknete Aprikosen, Karamell über einen gaaaanz leichten Schmelz kommend. Wurzelholz. Asche. Aus dem medizinischen in der Nase wird hier ein sanfter Lack-Ton, etwas Petrol aber sehr im Abseits. Leicht spitze Säuren. Würze, nicht zu viel und eher schnell wieder durch die Karamell- und Alterstöne überlagert, verdrängt. In sich kompakt und nach wie vor druckvoll. Im Abgang noch ziemlich lange und zunehmend trocken: Laub, Erde, braune Fruchtreste auf einer Holzbank in der Abendsonne. Furmint lebt. Auch nach all den Jahren. Schöner Wein, danke, Lajos.

Wein: Somlai Furmint 2006
Weingut, Ort: Hollóvár Pincészet, Somlóvásárhely
Rebsorte/n: Furmint
Alkoholgehalt: 13,5% Vol.
Preis: seinerzeit rund 3400 HUF, damals wohl so um die 14 EUR

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