Der dritte und letzte Teil der Verkostungsnotizen. Hier geht es zum ersten und hier zum zweiten Teil.

Dumm nur, wenn einem in der Zwischenzeit die schriftlichen Anmerkungen abhanden gekommen sind… Daher fällt der verbliebene Rest etwas kürzer aus als gedacht und gewollt, muss nun alles improvisiert werden und mein Suffkopp sein Bestes geben.

Pósta Borház, Szekszárd

… wartete einmal mehr mit herrlich leicht zugängigen, weil stets eher fruchtbetonten Weinen auf, die aber immer eine eigene, vom vielfach recht internationalistischen Szekszárd-Mainstream dank (zumindest in der Nase) spürbarer Spontanvergärungs-Stilistik auch immer eigen, anders daher kommen.

Kékfrankos 2012
Herrlich süffig, mit zum Glück schwächeren Alkoholgraden (ich denke 13,0% oder 13.5%, der 11er hatte 14,0%). Mit fast ordinär offen liegender knallroter Kirschfrucht, Erdbeeren, viel Saft und frischen Säuren, nicht zu reif, schönem, warmen Holz, nicht allzu viel Würze, feinen Tanninen, läuft gefährlich gut.

Cabernet Franc 2012
Auch eher über Frucht und Saftigkeit kommend, als über Festigkeit, Würze, Dichte. Wobei, letzteres hat er, aber ehr um einen Fruchtkern herum. Grüne Paprika, Tanninen rund um den saftig felischverpackten Knochen, Bitterschokolade, Wachholder.

Maurer Oszkár, Délvidék / Vojvodina, Serbien

der Erzeuger mit ungarischen Wurzeln, in der serbischen Vojvodina tätig und bekannt für seinen stets herausragenden Kadarka, aber auch für den Umgang mit recht exotischen, autochthonen Rebsorten wie Szerémi Zöld, Bakator oder Kövidinka. Ich hatte auch eine rote Alltagscuvée im Glas, die aber nicht allzu aussagekräftig bzw. erinnerungswürdig war – oder es liegt einfach an meinen grauen Zellen.

Szerémi Kadarka 2013
Der hingegen war schön. Sehr klassischer Vertreter seiner Sorte, als auch der Spontanvergärung. Ungefiltert. Sehr hell im Glas, mit hellroter, leicht bräunlicher Frucht, am Gaumen aus Himbeeren, Stachelbeeren, Hagebutten, Rost, Leder, nasses Fell, überhaupt animalisch-schweißige Töne auch in der Nase, recht verhaltene, im Hintergrund zusammen gezurrte Säuren, schlanker, etwas dünner, fast transparent wirkendes Körperchen. Aber ordentliche Länge. Stille Wasser, und so…

Pelle Pince, Tokaj

…. hier hatte ich eine Spätlese leider verpasst, war zu spät an den Stand gekommen. Es blieb die Cuvée aus der Lage Betsek

Betsek Furmint-Hárslevelű 2013
noch sehr jung und verschlossen wirkend. Sehr klare Linie, straffe Säurenarchitektur, verhaltene gelbe Apfel-Birnen-Frucht. Eher schlank und klar und eher als Furmint kaum wahrnehmbar als (auch) Lindenblättriger (die Anteile? keine Ahnung), ins ich sehr ausgewogen, schlüssig. Die 14,0% Vol. Alkohol merkt man dem Jüngling nicht an. Erst einmal Zeit geben.

Exzellent. Yepp!

Bott Pince, Tokaj

… gerade wieder in Deutschland angekommen und der halbe Kofferraum war voll mit diversen Erzeugnissen von Judit und József Bodó, von der Bott Pince. Allesamt aus dem Jahrgang 2013. Ganz groß.

Exczellencziás 2013
Den hatte ich wie fast alle 2013er schon im Sommer bei den Bodós vor Ort im Glas gehabt. Auch da zog er mir den Boden unter den Füßen weg. An diesem Abend kam er nach Somló und nach der Cuvée aus der Betsek. Mag ungerecht gewesen sein, den Vorgänger gegenüber. Aber: viel lag dazwischen. Enorme Tiefe, mächtige Substanz, extrem klare, saubere Frucht und quasi transparente Säuren. Druckvoll. Schönste Reinzeichnung. Wohl mit einem Wahnsinns-Potential. Exzellent. Ja.

Bottrytis 2013
Modernes, extrem junges, frisches Süßwein-Tokaj. Viel Aprikose, noch mehr Pfirsich, knackende Säuren, goldgelb glänzend, wunderbarer Schmelz. Trinken! Warten! Trinken! Warten! Man kann es dem nicht recht machen. Außer man kauft Unmengen davon und setzt die Reihe so beliebig fort.

bodo_jozsef_bott-pince

Bodó József.

Édes Szamorodni 2012
Auch noch richtig jung. Gleich ernster, so gesehen auch „gereifter“ als der 2013er Bottrytis. Mehr Widerstand entlang der Aprikosenfrucht, mehr Mineralität, Salz, Hefegebäck, Fleischfasern, Quitten, Ingwer. Schön. Auch hier: gebt dem Zeit.

 

Die Highlights; wirklich bemerkenswert bzw. herausragend in vielerlei Hinsicht:
Wetzer Péter – Pinot Noir 2012 (!!!)
Wassmann – Kékfrankos 2012 und SB-ME 2012
Hummel – 13er Portugieser und Merlot 2011
Bott – die ganze Reihe…

 

 

 

 

 

 

 

 

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