Breitenbach - Furmint Ordinarium 2008Nicht einmal für 1.000 Flaschen hat es bei dem Jahrgang gereicht. Bei 978 versiegte der Fluss der strohgelben Furmint-Lindenblättrigen-Cuvée. Das ist alles andere als unüblich für die ungarische Weinlandschaft. Dennoch soll hier mal wieder daran erinnert werden, mit welch kleinteiligen Strukturen und einem fragmentierten Markt man es zu tun hat, wo solche Kleinerzeuger wie Kiss János von der Breitenbach Pince mit knapp 5,6 Hektar Rebfläche alles andere als eine Seltenheit sind. Hier, im Ordinárium, sind es 30% Lindenblättriger, der Rest Furmint. Gewachsen auf einem halben Hektar in der Lage Alsó-Gát an der Ostseite des Megyer-Gebirges unweit des größeren Ortes Sárospatak. 20-45% Gefälle. Nach oben abgeschirmt durch Wald. Geschützt von Westwinden. Auf vulkanischen Böden, Ryolith, Tuff, etwas Erdkrume obenauf.

Ordinárium. So nannte man ab dem 16 Jahrhundert in Tokaj trocken ausgebaute Weine. Aszú-Trauben, also von Edelschimmel befallene, hatten darin nichts zu suchen. Wohl aber die schon etwas dehydrierte, überreifen. Dies ergab dann die trockene Basis für die Aszú-Weine, aber auch den Wein für jeden Tag. Hier setzt Kiss János an. Mit Trauben von teils über 75 Jahre alten Rebstöcken. Die Lese fand spät statt, Mitte November. Wie geschaffen für eine Spätlese. 12 Tage Maischestandzeit. Handarbeit mit der guten alten Korbpresse. Spontan setzte die Gärung ein. 18 Monate Ausbau in ungarischer Eiche, die dritte Fassfüllung.

Mächtige 14,8% Vol. sind es so am Ende geworden. Der Zucker musste schließlich umgewandelt werden. 4,6 g/l sind dennoch verblieben, gegen 6,4 g/l Säure. Das an sich gibt ordentlich Fülle, Oberfläche, Reibungswiderstand. Gereift wirkt er in der Nase, mit deutlichem Holz, etwas Petrol, Schwarztee, Rum, dunkel gelbe Frucht aus Quitten, Trauben, fein-bittere Orangenkonfitüre. Am Gaumen fast schon etwas oxidiert wirkend und vor allem bei der Frucht nicht mehr frisch.

Aber standhaft. Handgemacht wirkt er. Ehrlich und direkt. Etwas grob geschnitzt vielleicht, weil hier mit Extremen gespielt wurde, auf Extreme bewusst gesetzt wurde auf den Pfaden der Geschichte. An der zerkocht, eingekochten Frucht aus Birnen, Johannisbeeren, Stachelbeeren macht sich die noch recht muntere, leicht spitz angelegte Säure fest. Wie ein fester, mittiger Strang zieht sich das sehr aufrecht und geradlinig durch. Das Holz und die oxidativen Töne geben einen Seitenhieb, nachhaltig. Filigraner wird er dadurch nicht. Grüne, nicht völlig gereifte Äpfel, Ingwer, Grüntee, eingelegte Zwiebeln, Honig, auch ein leicht medizinischer Einschlag, angerostetes Metall. Bemerkenswert, weil eigen. Interessantes Experiment, für den (damaligen) Preis allemal die Beobachtung wert. Auch das macht Ungarn aus. Mal schauen, wie weit der noch mitgeht.

P.S.: Amüsant auch – das sei doch mal erwähnt – dass beim Drucken der ersten Etikettenserie der (peinliche) Fehler unterlaufen ist, dass aus Breitenbach „Breintenbach“ wurde. Blieb so.

Wein: Ordinárium Alsógát dűlő 2008
Weingut, Ort: Breitenbach Kézműves Pince, Bodrogkisfalud
Rebsorte/n: Furmint, Hárslevelű
Alkoholgehalt: 14,0%
Preis: 6,60 EUR (2.000 Ft)

 

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