Barnabás Pince - Furmint Aranyhegy Dűlő 2011Ich duck‘ mich lieber gleich mal weg… Schließlich ist dieser reinsortige Furmint hier aus der Lage Aranyhegy andernorts ordentlich gelobt worden. Bei der 2014er Furmint Február-Veranstaltung wurde er auf Platz vier gewählt. Nun gut, mit 89 Punkten. Ich vergebe bekanntlich ganz bewusst keine Punkte, Sterne, Gläser oder sonst. Bei mir wär’s aber auch weniger.

Mag sein, dass das hier auch wirklich eine Stilfrage ist. Ich sehe es anders. Das wäre zu einfach. Aber jetzt raus mit der Sprache. Als erste abstrakte Assoziation kam mir der Vergleich – Achtung! nicht wirklich jugendfrei – mit einer breitbeinig in der Dorfkneipe herumlungernden Nymphomanin von nebenan. „Offenherzig“, gänzlich unverstellt und ehrlich bis zum geht nicht mehr. Aber eben auch nicht vielschichtig, ohne Raffinesse. Bodenständig, ja. Echte Handarbeit, ok. Das hat auch an sich was. Kein Zweifel. Und der Besitzer und Macher ist bekanntlich auch ein Schaffer. Tóth Barnabás hat bereits bei Vinum Somlaicum in illustrer Runde mit den bekannten lokalen Erzeugern Spiegelberg, Kolonics und Laposa mit verantwortlich gezeichnet. Seit 2000 aber auch auf 0,6 Hektar (sic!) sich quasi als Mikrowinzer umgetan. 2011 ist soviel ich weiß der erste Jahrgang am Markt unter diesem, dem eigenen Namen.

Und ja, zweifelsohne hat der was, dieser Furmint. Er wirkt füllig, kräftig, bringt nen ordentlichen Körper auf die Waage, aber nicht ermüdend, nicht schwerfällig, nein. Man kann schier gar reinbeißen in die leicht ölige Textur. Goldgelb die Frucht – maßgeblich Birnen und Quitten -, reif und satt in der Nase und am Gaumen. Holz und Vulkangestein geben ansonsten die Taktung vor. Aber dann auch diese doch sehr direkte und daher plump, ja, „bäuerlich“ wirkende Dirket- und Einfachheit. Allzu offen, allzu breit, allzu willig und derb. Stroh, Schweiß, Stall, animalisch und auch vegetabil. Nicht zu starke Säuren. Das geht sich aus, wie man im südöstlichen Nachbarland sagen würde. Salz. Ingwer. Das Ganze wird durch die sehr plastische Mineralität unfreiwillig verstärkt. Filigran, feingliedrig, vielschichtig geht für mich anders. Mag eine Stilfrage sein. Ist es aber für mich nicht. Da geht noch mehr. Da darf gerne noch mehr. So gesehen: dabei bleiben, beobachten, gespannt sein. Immer, gerne, sowieso. Und jetzt schnell: wegducken.

Wein: Nagy-Somlói Furmint Aranyhegy 2011
Weingut, Ort: Barnabás Kézműves Pince, Somlóvásárhely
Rebsorte/n: Furmint
Alkoholgehalt: 13,0% Vol.
Preis: 3.400 HUF, also rund 11,20 EUR

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