Határi Dűlő

Blick aus der Lage Határi

 

Határ, Grenze. Diese markiert die Gemarkungen zwischen den Ortschaften Olaszliszka und Erdőbénye. Genau dort liegt die Lage, von der diese Furmint-Vertikale stammt.

Der Eintrag hier markiert auch eine Grenze. Es ist der 1.000ste auf BorWerk. Im April 2008 begann das hier. Im siebten Jahr wird es nun also vierstellig. Wie viele Weine dafür selbst geöffnet oder auf zahlreichen Veranstaltungen verkostet wurden, keine Ahnung. Und man könnte viele Zeilen verlieren darüber, was es heißt, so eine Nische wie die ungarische Weinlandschaft bloggend als „One-Man-Show“ zu begleiten, als Hobby dem irgendwie gerecht zu werden, ein Stück weit für mehr Bekanntheit zu sorgen. Stets mit positiver Grundeinstellung, stets subjektiv, stets kritisch. Am Ende würde man gar noch sentimental. Daher nur ein kurzes Danke an alle meine, vielfach stille Leserschaft.

Und zu den Weinen. Denn darum geht es auch jetzt und soll es auch in der Zukunft hier noch gehen. Die Lage „Határi“ hat es mir lange schon angetan. Wegen der Weine der Bott’s, und wegen diesen hier. Mit dem reinsortigen Furmint aus 2006 von Attila fing die intensive Beschäftigung mit Tokaj und den trocken ausgebauten Furminten letztlich so richtig an. Auch hier wäre es an der Zeit, sich einmal länger über all das auszulassen, was inzwischen geschehen ist: wo man her kam, wo man sich hin bewegt hat, wo und wie es weiter geht, weiter zu gehen scheint. Viel hat sich jedenfalls getan. Jedes dieser wenigen Jahre ist ein ausgeprägtes Lehrjahr. Das noch junge, sich selbst wiedergärende Tokaj lernt nach der quälend langen Pause der Sozialistischen Jahre wieder, für Qualität zu stehen. Da klappt nicht immer alles gleich auf Anhieb. Aber vieles ist dafür umso spannender und ich möchte an dieser Stelle doch auch noch vermerken, dass es an sich eine wahre Freude ist, an dieser Phase so nahe teilnehmen, sie begleiten zu dürfen.

Die Reben für die die Vertikal-Weine der Határi jedenfalls haben ganz zu Beginn einen radikalen Wandel erleben dürfen. Manche der Stöcke sind nahezu 100 Jahre alt. Als Attila Homonna sich ihrer annahm, lag der Weinberg brach. Rückschnitt, sanfte Wiederbelebung, Aufzucht am zügig ansteigenden Südhang der Zempléner Berge, mit dichten Wälder und vorgelagert dichtem Gestrüpp, das weitere brachliegende Weinberge verdeckt. Hier lässt es sich gut an für die sehr tief wurzelnden Reben: im Kaolin, Porzellan- oder auch weiße Tonerde genannten Untergrund, vulkanisch, mit nur sehr karger Erdkrume obenauf. Allein das Wild aus den Wäldern ist gerne und leider viel zu häufig Gast – stets dann, wenn die wenigen Trauben an jedem Stock wunderbar reif sind.

Attila Homonna - Határi Furmint 2006, 2007, 2008

So verringert sich der ohnehin schon verschwindend kleine Ertrag bisweilen noch mehr. Attila presst alles von Hand in einer alten Korbpresse, die Gärung setzt spontan ein, alles unter Luft, dann für die Gärung in Edelstahltanks, anschließend der Ausbau in etliche Male gebrauchten 500-Liter Eiche-Fässern. Heraus kommen gänzlich unverfälschte, absolut authentische Weine, Zeugen von heißen Sommern, kluger, weil rechtzeitiger Ernte – und somit nicht alkoholgeschwängerten Endprodukten, wozu viele seiner Kollegen sich nach wie vor hinreißen lassen. Und: Zeugen der Rebsorte Furmint, die zu absolut bemerkenswerten Weinen in der Lage ist.

 

Határi Furmint 2006, 13,0%

Der ragt am deutlichsten heraus aus der Reihe. Schon die Farbe: deutlich dunkleres, mittleres Goldgelb. Ihm merkt man am ehesten sein Alter an. Orangenbitterkonfitüre, Ingwer, recht deutlich auch Petroltöne, Sauerteigbrot, Klebstoff (nein, nicht im sinne von Fehlton), offen liegende Traubenfrucht. die kommt auch am Gaumen wieder, und bittere dunkelgelbe Früchte, Quitten, Birnen, wieder Bitterorangen, hier angetrocknete Schalen. Grüne Stängel. Leicht oxidiert wirkend, Safran. Die Säuren kommen erst mit der Zeit, dann mit Nachdruck und vegetabiler grünlich-gelblicher Würze. Maskulin, schon etwas erhaben vom Alter. Sehr fest aber noch und auch am Folgetag klar im Kopf. Sauerteigbrot auch hier. Stroh, Wachs. Kraftvoll, sogar zunehmend im Druck. Lang im Abgang.

Határi Furmint 2007, 12,5%

Am verhaltensten in der Nase von den dreien hier. Limetten, Seife, Birnenschalen, Ananas, vor allem aber ganz feine, vegetabile Töne, am deutlichsten noch Dill, Ackersalat, und eine fast parfümiert wirkende Note, die letztlich an unkapriziöse, klassische Handseife erinnert. Am Gaumen am deutlichsten über die Säuren kommend – klassisch für einen Furmint. Dabei extrem frisch, fast schon jugendlich noch und kräftig, mit einer bisweilen fast schneidenden Schärfe in der Säurestruktur. Das baut sich bis Tag zwei ab. Dann wirkt er runder. Aber immer noch am angriffslustigsten, maskulinsten. Die Fruchtschicht mit Mandarinen, Äpfel, Birnen eher sanft, wie leicht verdünnt, geschmeidig auf Mädchenhaut, Salz, Ingwer, das Holz spielt hier im Hintergrund sehr angenehm, wohlwollend strukturierend mit. Am schmalsten geschnitten, am strengsten gehalten, fast karg und doch mit viel Tiefe und Ausdruckskraft und Nachhall. Burgund, made in Tokaj.

Határi Furmint 2008, 13,5%

Der offenste, weichste, „verständlichste“, weil zugänglichste. Dazu trägt ein Tick spürbarer(er) REstzucker gewiss einen entscheidenen teil bei. Das macht ihn breiter, geschmeidiger, fast wäre man geneigt zu sagen: lieblicher. Aber weit gefehlt! Das führt im deutschen Sprachraum zu gänzlich falschen Assoziationen. Aprikosen, Pfirsiche, Steinobst in Nase, asiatische Töne, Koriander, ganz verhalten Curry, Hagebutten. Am Gaumen dieselbe Frucht. Vielleicht am ausgeprägtesten hier die Mineralität. Und am engsten verschmolzen mit der Säure, die sich hier breiter, kompakter gibt. Doch die Mineralität bringt den Druck, bemerkenswerte Würze, Wurzelwerk, Stein. Starkes Rückgrat. Die Säuren sorgen für den Nachhall. Zarter Schmelz hier. Der wirkt nach. Wie ein steiniger Kräutergarten im frühsommerlichen Sonnenschein der karstigen Alb.

Absolut bemerkenswert. Herausragend. Großes, fettes Ausrufezeichen! Das hat was, verdammt nochmal! Aristokraten. Ganz groß, allesamt. Und mit noch ordentlich Potential. Tiefe Verbeugung. Úgyis jó fej vagy! Köszönöm szépen, Attila.

 

 

 

Homonna Attila

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