Demetervin - Úrágya 57 2012

Demetervin – da assoziiert man als Deutscher erst mal munter Demeter-Produkte, hier eben Demeter und Vin, also Wein erzeugt nach Demeter-Kriterien. Mir ging es zumindest so, als vor Jahren erstmals den Namen des Weingutes hörte.

Weit gefehlt. Demeter ist der Familienname, Ervin der Vorname des Besitzers. Das zusammen verschwurbelt birgt in sich im internationalen Anlehen auch im Ungarischen die Botschaft Vin = Wein.

Demeter Ervin also. Der sitzt vor allem auch im ungarischen Parlament als Abgeordneter der Regierungspartei. Und ist gänzlich losgelöst davon ein alteingesessener Aristokrat in Mád, jenem Ort also, der als vermeintliches Epizentrum Tokajs gilt. Das muss man nicht so sehen, mit Mád, das mit dem Arisokraten liegt da schon viel näher, ist recht offensichtlich. Jedenfalls hat sich quasi die ganze Familie mit Haut und Haaren dem Ort und der Region verschrieben, eine lange Tradition und steht konsequenterweise auch auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichen Rollen dem Thema Wein nahe. Wie sollte es in Tokaj auch anders sein.

Die Weine sind dennoch gar nicht so einfach zu kriegen. Jedenfalls in Budapest nicht und so verliert man sie bisweilen aus dem Blickfeld. Das Flaggschiff hier, die Cuvée aus Furmint und Hárslevelű (Lindenblättriger) aus der Premium-Lage Úrágya – bekannt durch Szepsys Furmint von ebendort -, nordwestlich von Mád gelegen, jedenfalls hatte ich vergangene Woche einschenken lassen bei einem Spontanbesuch in der Budapester Weinbar Divino, gleich neben der Basilika. Die Rebstöcke finden sich auf gerade einmal knapp 0,4 Hektar (sic!) weit oben am Hang, sind über 80 Jahre alt und erbringen im Schnitt vermeintlich nicht viel mehr je als ein halbes Kilo Trauben. Mineralität wurde und wird ihnen, den Stöcke und den Früchten von Beginn an eingeimpft, Jahr für Jahr: schließlich wurzeln sie in rotem Ton, Quarz-Tuffgestein vulkanischen Ursprungs, westliche und südwestliche Ausrichtung.

Was ich – weil bereits im Feierabend-Modus – leider vergaß zu fragen, und jetzt geht es auch endlich konkret um den Wein: seit wann die Flasche offen war. Denn dass er bereits mehr Luft gesehen hatte, war sofort spürbar, an Nase und am Gaumen. Dunkel-Strohgelb glänzend und recht dicht, dickt schlierend im Glas. In der Nase Mandeln, Marzipan, Mais, Kaltleim, Presspanholz und Trockenfrüchte, vor allem Aprikosen und gelbe Äpfel aber auch etwas Ananas. Ganz leichte Petrolnote. Am Gaumen dann auch wieder erst einmal Mandeln, auch Haselnuss. gewiss durch die Luftzufuhr fast schon gereift wirkend, auch hier mit leichtem Petrol-Einschlag. Trockenobst aus Aprikosen und Pfirsichen. Vertrocknete gelbe Apfelschalen. Kompott aus Quitten und Williamsbirnen. Schwefel. Polenta. Recht ausgeprägte mineralische Bitterkeit, erinnert an Flechten und getrocknetes Wurzelwerk. Die Säuren sind nur sekundär, allenfalls im Hintergrund mit dabei. Da wirkt zweifelsohne auch der Holzausbau mit rein, gibt Fülle, unterstreicht den recht fülligen Charakter. Der Hárslevelű-Anteil (keine Ahnung wie viel) unterstützt das auch. Insgesamt recht breit, mir persönlich etwas zu kraftvoll drängend, fast fett schon, schmelzend, dabei fein salzig. Nicht filigran, unumwunden maskulin, schwergewichtig. Ein Vertreter des“klassischen“ Mád-er Stils. Ordentlich lang. 808 Flaschen ergab 2012 gerade einmal.

Wein: Úrágya 57 2012
Weingut, Ort: Demetervin, Mád
Rebsorte/n: Furmint und Hárslevelű (Lindenblättriger)
Alkoholgehalt: 14,0% Vol.
Preis: rund 26 EUR, 7950 HUF
Internet: demetervin.hu

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