Die beiden sind für die junge, neuzeitliche ungarische Weinwelt, will sagen die post-kommunistische, schon richtig alte Knaben. Die beiden im speziellen haben zudem drei Umzüge mitgemacht. Einen davon im Hochsommer. Ein anderer im tiefsten Winter, als der Karton fast zu Bruch ging. Ganz zu anfangs stand auch eine viel zu lange, nicht gerade optimale Lagerung in der kleinen Wohnung im Zentrum von Budapest, gleich hinter dem Nationalmuseum. Sie waren damals außergewöhnlich, Vorreiter einer Zunft, die erst in den letzten Jahren sich verbreitete und verstetigte und doch in vielen Fällen nur Schein und nicht Sein ist.

weninger_kekfrankos-spern-steiner_2003_2004

 

Die Rede ist von Weinen, die für sich sprechen, weil sie von sich sprechen. Die etwas zu sagen haben, weil Sie aufs Wesentliche reduziert wurden. Das fängt bei der Rebsorte Kékfrankos an. Beim Blaufränkisch, mit dem sich viel zu lange viel zu viele Erzeuger in Ungarn nicht ernst genug auseinandersetzten. Das hat sich zum Glück geändert. Steckt aber nach wie vor relativ in den Kinderschuhen. Denn viele der ohnehin wenigen Jahre wurden mit dem Herstellen (sic!) uninteressanter Rebsäfte verbracht – während im Nachbarland Österreich die Post abging.

Sopron, direkt ans Burgenland angrenzend, stand da von jeher in der Pflicht. Blaufränkisch und Sopron. Da geht was. Da muss was gehen. Da muss auch künftig noch mehr gehen. Doch hier wurde früh der Anfang gemacht. Richtig gut. Denn die Weninger’s, das muss fairerweise auch sagen, brachten schon jene Erfahrung aus ihrer Heimat mit, welche viele ungarische, zumeist Neueinsteiger, erst Jahr für Jahr sammeln mussten. Die Lage Spern Steiner war und ist ganz offensichtlich prädestiniert für Rebwuchs im Allgemeinen und Blaufränkisch im Besonderen. Gneis- und Glimmerschiefer durchsetzen den Boden und liefern Mineralität. So klar war das den lieben Leuten vor 400 Jahren gewiss noch nicht, als in der Gegend bereits ernsthaft mit Wein umgegangen wurde. Gleichwohl galt schon früh eben jene Lage als die Geburtsstätte für die besten Weine der Region. Die Kirche, mal wieder, wusste das auch. Der gehörte Spern Steiner einst.

Und darauf bauten die Weninger’s mit all ihrem Knowhow, von Anfang an. Das spürt man. Das hat sich hier materialisiert. Der Rebhang neigt sich schwach gen Osten zum See hin. Die Pflanzen aus den 1960er Jahren wurzeln hier tief im steinigen Grund, obenauf Braunerde. Diese elf und zehn Jahre alten Knaben also, haben diese gemeinsame Zeit mit mir trotz mancher Widrigkeiten gut überstanden. Besser, als ich ehrlich gesagt vermutet hätte. Umso erfreulicher, dass neben der ersten nüchtern-technischen Erleichterung – die Korken waren in beiden Fällen in absolutem Top-Zustand – auch schiere Weintrinker-Freue einen überkam.

Farblich dunkles, recht dichtes Rubinrot, ohne „Altersverfärbung“. In der Nase erschien der 2003 fast ein wenig offener, warmer, mit deutlicherer Frucht. Das setze sich dann als allgemeiner Eindruck auch am Gaumen fort: runder und weicher und, ja, fruchtiger ist der 2003er im Vergleich zu seinem ein Jahr jüngeren. Ein Kräuternäschen hat er zudem, ein feines, warmes. Der 2004er gibt sich maskuliner. Ein dunkler, kalter Fruchtkern. Erkaltete Lava. Bitterschokolade. Auch insgesamt stahliger, sehniger, als der dafür etwas feingliedriger, einfühlsamer sich gebende 2003er. Reste von Blaufränkisch-typischen Grafitnoten finden sich hier – und da. Waldbeeren beim 2004er, der 034 geht eher in die Kirsch-Zwetschgen-Richtung. Jeweils stark zerkocht und angeräuchert. In beiden Fällen kommt noch erstaunlich viel Kraft aus der Klassischen Würze. Anspannung ist noch da. Die Säuren sind fest und geradlinig, geben Halt. Kaltes, leicht angerostetes Eisen in feuchtkalter Luft. Kakao und Wurzelwerk an trockener Erde beim 2004er im Abgang. Der 03er verharrt eher noch bei dunkelviolett-schwarzen Fruchtresten. Pionierarbeit, bemerkenswerte.

 

Aktuell ist der 2011er Jahrgang für rund 21,50 EUR auf dem (ungarischen) Markt. Diese beiden kosteten damals, dunkel kann sich meinereins erinnern, wohl so 18-20 EUR…

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