Karner Gábor - Boróka 2009Hätte, hätte, Fahrradkette.

Hätte Blaufränkisch jene Bedeutung, wie sie der Rebsorte im westlichen Nachbarland, in Österreich, zuteil wird.

Hätte man den Umgang mit ihr vor allem nicht viel zu häufig reduziert auf ein „und der Kékfrankos macht sich natürlich auch gut in unserem Portfolio“.

Hätte dieser Kékfrankos, so der ungarische Name der Rebsorte, mehr Aufmerksamkeit im Sinne eines konzentrierteren Umgangs mit ihr – dann wäre man jetzt schon gewiss ein gutes Stück weiter in der Entwicklung zu einem ausgezeichneten Ruf, einem eigenen Image für Ungarn.

So sucht und findet man immer nur ab und an das Besondere. Und noch seltener, etwas wirklich Herausragendes. Nun wird der geneigte Leser sagen: das stimmt doch für so ziemlich überall. Ja. Und doch wird in Ungarn deutlich mehr Potential leichtfertig verschenkt, als andernorts. Das ist umso bedauerlicher, als dass Kékfrankos eine Tradition hat. Auch zeigen die letzten Jahre, dass wirklich Großes entstehen kann. Hier und da. Von einigen wenigen Erzeugern.

Dieser hier gehört zweifelsohne dazu. Unter den ungarischen Roten im allgemeinen und den Blaufränkisch im besonderen ist er einer der ganz Großen. Ein Benchmarking vor internationalem Hintergrund soll es nicht sein. Aber der 2009er Boróka von Karner Gábor ist nicht nur eigenständig, sondern wirklich eine echte Hausnummer.

Das fällt anfangs gar nicht so sehr auf. Denn auch im fünften Lebensjahr braucht der ordentlich Luft, um aus sich raus zu kommen. Einmal entfaltet, kommt er vielschichtig und mit einer dicht gewobenen Struktur daher. Er macht seinem namen alle Ehre. Schon in der Nase kommen die Boróka-Töne raus, überdeutlich Wachholder. Leicht rauchige Töne, Speck, erkaltete Zigarrenasche, grüner Pfeffer, Kapern, Kaffee, tiefdunkle Zwetschgenfrucht, Graphit. Am Gaumen eher mit subtilem Druck kommend, der nachhaltig durch eine prägnante Blaufränkisch-Würze unterfüttert wird. Die Frucht wirkt anfangs etwas allzu dominant und willfährig. Doch tut man ihm unrecht. Sie verharrt bei einer spürbar süßen Note, schwarze Kirschen, Johannisbeeren, Holunder. Rohes Rindfleisch. Grüne Paprika, erkaltet, vom Grill. Wieder Pfeffer. Wieder Kaffee. Abermals Asche. Rostiges Eisen. Nicht fett, in der Mitte breit geführt, hinten dann eng werdend und mit einer deutlichen Würze und leicht adstringierend im Aus. Mittel im Abgang. Und nach einer Woche offen nach wie vor mit Kraft und bemerkenswerter Präsenz. Chapeau!

Wein: Vitézföldi Kékfrankos 2009
Weingut, Ort: Karner Gábor, Szűcs
Rebsorte/n: Kékfrankos (Blaufränkisch)
Alkoholgehalt: 14,5% Vol.
Preis: 28 EUR, 8.500 HUF

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