Herrenhof Lamprecht - Furmint 2013Eine Ausnahme. Wiewohl: eine kurze Grenzüberschreitung gen Westen sei erlaubt. Nicht erst Schengen macht’s möglich. Ein Grenzgänger der besonderen Art ist er dennoch in vielerlei Hinsicht. Auch, weil der Winzer keine ungarischen Wurzeln hat wie sonst alle anderen, hier besprochenen Weine, die jenseits der ungarischen Grenze kultiviert werden.

Ein Furmint aus der Steiermark. Ja. „This is Furmint, Folks!“ und „Truly, this is Furmint!!“ Steht extra drauf. Wie als würde es der Winzer selber kaum glauben.

Aber natürlich hat der junge und an seinem Buchertberg und vor allem im Netz so umtriebige Gottfried Lamprecht ganz bewusst diesen ersten Jahrgang gebracht. Als Sipon und früher Mosler gab es die Rebsorte in der Steiermark schon. In Slowenien, der damaligen Untersteiermark, trifft man heute noch auf ihn. Von Ungarn ganz zu schweigen. Was macht der also? Was kann der?

Intuitiv hätte man eher an Grauburgunder als Furmint gedacht. Die anderen, deutlich kühleren klimatischen Bedingungen müssen sich ja bemerkbar machen. In der Nase und am Gaumen macht ihn das im Direktvergleich mit seinen ungarischen Artgenossen eher Sorten-untypisch, in jedem Falle eigen – und schon deshalb interessant. „Burgundisch“ ausgebaut in kleinen Holzfässern, biologischer Säureabbau hat er durchgemacht.

Der Kommt nicht über die Frucht. Der verweigert sie.

Ja. In der Tat. Furmint an sich ist nicht gerade für ausgeprägte Fruchtorgien bekannt. Und hat doch häufig mehr.

Die ist dann meist eng verwoben mit den Säuren. Diese sind hier fein gestrickt und vor allem am ersten Tag herrlich frisch. Saftig, süffig fast gar ist er. Apfel- und eher Birnenmost. Dann diese steinige, leicht trübe ungefiltert wirkende Mineralität als Hauptmerkmal. Daneben, dahinter, andeutungsweise auch grüngelblich-vegetabil. Steinobst. Fruchtkerne von Aprikosen und gelben, noch etwas unreifen Äpfeln. Das auch in der Nase. Spontanvergärungs-Noten. Nüsse. Wachs. Und Fruchtschalen, leicht angetrocknet. Das alles gibt Grip. Der hat Saft. Der bringt Frische. Auch am Tag zwei und drei noch gut präsent, wobei dann die Säuren schon Kraft gelassen haben. Etwas mehr Druck, etwas mehr Spannung geht freilich noch. Das kühlere Klima hinterlässt seine Spuren. Aber: guter, recht eigenständiger erster Jahrgang unter ja nicht gerade einfachen Witterungsbedingungen und damit freudige Anspannung, was die Zukunft bringen wird. Kurz: s‚ geht sich gut aus, wie die Österreicher sagen würden.

Anmerkung: der Wein wurde mir zur Verkostung zur Verfügung gestellt.

Wein: Furmint 2013
Weingut, Ort: Herrenhof Lamprecht, Markt Hartmannsdorf
Rebsorte/n: Furmint
Alkoholgehalt: 12,5% Vol.
Preis: 10,80 EUR (ausverkauft)
Internet: herrenhof.net

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