Tállya Wines - Tokaji Furmint Selection 2012Zugegeben: die Umstände des nächtlichen Umtrunks waren nicht optimal. Die Flasche alles andere als wohl temperiert. Das Glas wurde ohne böse Absicht quasi randvoll gefüllt. Wohlwollende, von Herzen kommende Gastfreundschaft machte das. Sprich: man hatte so ungefähr 0,3 Liter über den schlanken Stil auszutarieren und zu stemmen und diesen strohgelben Furmint bei Zimmertemperatur und fortgeschrittener Stunde einzuflößen. Dafür machte er seine Sache durchaus ordentlich. Gut war und ist er projiziert auf angemessenere Rahmenbedingungen aber dennoch nicht. Ordentlich eben. Doch wirklich gute Weiße zeigen auch in unnötig erwärmtem Zustand Ihre Größe, ihre Stärken, wenn auch verzerrt.

Nun hat man, auch das sei an dieser Stelle mal wieder gesagt, natürlich immer leicht reden. Da sitzt man, probiert und gibt sich kritisch. Mach’s doch erst mal besser, hört man von der anderen Seite. Ja, gewiss. Und doch ist auch das eben wahrnehmbar und muss gesagt werden, dass nämlich zunehmend Erzeuger am ungarischen Markt erscheinen und umgehend salonfähig gemacht werden, die eben das nicht halten was sie versprechen.

Auch das hat in Teilen Gutes. Denn der Auftritt von außen, die Optik stimmt. Das Etikett hat was. Der Names des Ortes, Tállya, prangt gut sichtbar mittig darauf. Und die Flasche in der dieser einfache reinsortige Furmint steckt reiht sich in jene, erst vor denke ich 3 Jahren begonnene Linie ein: eine schlank und daher elegant gehaltene Aszú-Flaschen in XL, als Alleinstellungsmerkmal für die große weite Welt da draußen.tallya_flasche

Zudem: drei, künftig gar vier Winzer haben sich hier zusammen getan, Trauben aus sechs Bereichen rund um den Ort Tállya zusammengetragen und zusammen ausgebaut: Szűcs Ferenc, Barta Péter, Zsadányi László und Márton-Kováts Krisztina. Um gemeinsam mehr zu bewegen, auch um sichtbarer zu werden. Letzteres ist ihnen ja schon mal gelungen. Und man freut sich stets, wenn es zu einem Miteinander kommt – und nicht in einem Gegeneinander verharrt.

4,000 Flaschen hat dieser erste Jahrgang ergeben.  Auch das mengenmäßig nicht viel, trotz der konzertierten Bemühungen. Die Frucht macht einen Spagat zwischen unreifem und überreifem Dasein. Grünlich-gelb ist sie. Dazu neigt der Furmint recht schnell. Oder er driftet ab, hin zu übermäßigen, zumeist unkontrollierbaren Säuren. Die sind hier zwar auch präsent, aber beileibe nicht dominant. Die Frucht – Zitronen, künstliche Äpfelaromen, Birnen – hingegen hat etwas vergoren-unfertiges. Recht breit und ansatzweise ölig wirkt das. Wie ein kleiner Bodybuilder. Das Holz fügt etwas Vanille hinzu, vor allem aber eine etwas unsauber wirkende Note, grünlich-bräunlich, Birnenschalen, Traubenkerne. Recht abrupt endend im Abgang. Nicht teuer, nein. Ein erster Jahrgang, ein erster Einstieg. Aber auch nicht vom Stande weg ein Aushängeschild für jenes Tállya, wo seit neuestem auch Alkonyi László werkelt. Abwarten, was die nächsten Jahrgänge bringen.

Wein: Tokaji Furmint Selection 2012
Weingut, Ort: Tállya Wines, Tállya
Rebsorte/n: Furmint
Alkoholgehalt: 13,5% Vol.
Preis: 2.490 HUF, 7,90 EUR
Internet: tallyawines.hu

 

 

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