Blick aus der Lage Vióka in die Tiefebene. In die Slowakei gehts nach "links hinten", nur drei Kilometer sind es noch.

Weinlage, die Zweite. Nach der Nyulászó beim Ort Mád, geht es gleich noch einmal um eine Lage aus der Weinregion Tokaj. Und wie Mád und die Nyulászó ziemlich im Westen liegt, findet sich die Lage Vióka ganz auf der anderen Seite. Man muss quasi einmal durch das Anbaugebiet auf der Országút, der Landstraße 37 nach Nordosten fahren und hat dabei stets die vulkanische Bergkette linker Hand, im Norden von sich.

Recht auffällig schneidet sich der Streifen mit den Rebstöcken den Hang hinauf in den Wald und das Hagebutten-Holunder-Dickicht. Fast noch markanter springt einem „Lagen-Teiler“ ins Auge: die Zufahrtstraße, die einen ungebremst direkt den Berg hinauf führt, aus breiten, nach innen geneigten Betonplatten mit mittigem Abflusskanal gemacht. Ein Relikt aus Zeiten des Sozialismus, als es vor allem um den praktischen Einsatz schwerer Maschinen ging.

Gerade, praktisch, gut. Die Betonplatten-Zufahrt aus kommunistischen Zeiten, mittig im Weinberg.

Heute macht sie auch Zoltán Asztalos den Zugang zu seinen Rebzeilen leichter. Denen musste er, wohl gänzlich ungewohnt in ihrem Leben, erst einmal beibringen, dass sie von nun an nicht mehr für Masse, sondern für Klasse stehen sollen. Umerziehung war angesagt. Und Umstellung, auf biologische Bewirtschaftung. Platz gibt es viel auf den Terrassen, die früher praktischerweise befahren werden konnten. Ökonomisch gesehen sind die geschätzten sechs Meter pro Zeile und Terrasse allerdings eine Katastrophe.

 

Furmint gräbt sich hier, zwischen den Bergen Sátor und Fekete, tief ein in die Felsen aus Ryolith-Tuff und Pyroxen-Dazit, vulkanischer Ursprung, Mineralien nicht zu knapp. Glänzend schwarze und leuchtend rote Brocken liegen zwischen dem Graswildwuchs.

Die Steigung hat es in sich, das merkt gleich anfangs das Auto. Die Ausrichtung: voll gen Süden. Der Blick, die Aussicht: ein Traum, die ganze Tiefebene scheint einem zu Füßen zu liegen. dabei beginnt sie im Grunde erst ein gutes Stück weiter südlich. Aber platt ist das Land da unter einem.

Wind kommt und geht hier oben und kühlt. Der nahe Wald leistet einen ähnlichen Dienst. Nur dient er leider auch als Treffpunkt für allerlei Wild, das wiederum ein gutes Gespür und noch bessere Nasen hat für die reifen Früchte an den Rebstöcken.

AZ Nektár - Furmint Vióka 2008Zu den Weinen. Denn es geht mehr, als um einen. Das, ist der Einser. Daher gibt auch noch den Zweier. Muss nicht. Ist aber so. Da steht dann auch explizit Vióka 2 drauf. (mehr Informationen zu Weingut und Erzeuger hier und hier)

Aber eins nach dem anderen. Und damit auch numerisch gesehen sehr konsequent: erst der Einser. Den habe ich nun schon zum wiederholten Male im Glas. Und hat sich dann doch geändert. jaja, oh Wunder! Die Nase gar mit etwas animalischem Stallgeruch. Vor allem aber Heublumen, Honig und Marzipan, gar nicht mal so viel primärem Fruchteindruck. Aber der Gute ist ja auch schon fünf Jahre alt. Am Gaumen am Tag eins dann doch fast ein wenig erschreckend stark von seinen Säuren gezeichnet. Nicht, dass er damit jemals hinterm Haus gehalten hätte. Aber was zu viel ist, ist zu viel.

Also Zeit und Luft geben, vielleicht nur eine Midlife-Crisis? Und, ja, das tut ihm spürbar gut. Dachte man am Tag eins noch, dass der Aufdruck félszáraz, „halbtrocken“, sich nicht mehr wirklich würde halten können. Zog man gar kurz in Erwägung, dass hier einer trotz optimaler Lagerung sich in der Flasche vielleicht noch ein wenig weiter hat gären lassen wollen, da Asztalos letztlich vielleicht doch einen Tick zu wenig Schwefel ihm mit auf den Weg gab…

Doch, nein. Das legt sich auch sehr angenehm am Tag zwei für Vióka eins. Ein nach wie vor ausdrucksstarker Wein, mit sehr dezent Fülle gebendem Schmelz entfaltet sich nun am Gaumen. Das macht sich wunderbar elegant neben der kühl-adeligen Williams-Frucht. Hellgelbes, reifes, schwarz gesprenkeltes Fallobst. Saftig und reif. Die Säuren, stählern und klar, fest gezurrt. Seeluft. Kräuter im Steingarten. Schöner Wein, zweifelsohne, noch immer.

Das schreit nach: Vióka, die Zweite – in Kürze hier.

Wein: Tokaji Furmint Vióka 2008
Weingut, Ort: AZ Nektár Pince (Asztalos Zoltán), Kácsárd
Rebsorte/n: Furmint
Alkoholgehalt: 14,0% Vol.
Preis: 8,60 EUR (2.500 Ft)

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