Demeter Zoltán - Narancsbor 2011Logisch. Die Assoziation drängt sich bei dem Namen erst einmal förmlich auf. Der Farbnachweis im Glas unterstützt das auch noch.

Orangen. Der Wein macht in Nase und Mund einen auf Orangen. Schalen, vor allem. Nach einiger Zeit eher das Weiße, nicht das Äußere.

Narancs (sprich: narantsch), das ist das ungarische Wort für Orange. Im Glas ist der (zumindest mir bekannt gewordene) Orange Wine Ungarns. Die kontrovers diskutierte Trend-Welle scheint somit also auch nach Ungarn geschwappt zu sein. Der stammt nicht von irgendjemandem, sondern von keinem anderen als Demeter Zoltán und damit einem der bedeutendsten Erzeuger Tokajs und damit einem der bedeutendsten Erzeuger des Landes. Der ist sonst so puristisch und stilistisch klar definiert unterwegs und damit eindeutig konzeptionell positionierbar, dass man sich kurz ein wenig wundert und ihn bei nächster Gelegenheit fragen muss, warum er hier aufspringt. Letztlich tut er es dann auch nicht, nicht auf die billige Tour jedenfalls, sondern nüchtern, wohl bedacht. Er bleibt auch seine Stil treu. Man kann sich also wieder setzen, würde man nicht ohnehin schon die ganze Zeit ruhig vor dem Glas verharren.

Denn der Wein hat so was von nichts mit einem hip-überdrehten Trend zu tun. Unaufgeregt betrachtet hat man es schließlich in diesem konkreten Falle schlichtweg mit einem Weißwein zu tun, der eine recht lange Maischegärung erlebt hat. „13 nap együtt“ hieß er in einer Vorstufe. 13 Tage zusammen. Das ist heutzutage nun so außergewöhnlich nicht mehr. Mir ist dennoch bislang kein Furmint untergekommen, mit dem so verfahren wurde, abgedrehte Experimente mal außen vor gelassen. Und dass der zudem minimalst geschwefelt wurde, versteht sich bei den Weinen von Zoltán Demeter von selbst.

Das Ergebnis aus den Lagen Holdvölgy und Becsek jedenfalls ist nicht nur die dunkel goldgelbe, tatsächlich leicht ins Orange tendierende Farbe. Es ist in der Tat ein Geschmackserlebnis der etwas anderen Art – und dann doch wieder ein typischer Demeter Zoltán. Das ist gut so. Das macht es spannend und gibt dem Ganzen gleichzeitig auch den Halt, die Seriosität – und Eleganz. Denn dieser reinsortige Furmint kommt auf diese seine ganz eigene Art so klar und rein und elegant herüber, wie es nach wie vor leider nur wenige in Ungarn können.

In der Nase mehr als am Gaumen erinnert er mit deutlichen Tönen von sehr reifen dunkelgelben Früchten auf erstaunliche Weise an einen trockenen Szamorodni. Allerdings frei von Botrytis-Noten. Schwarztee. Oxidativ, mit ganz sanftem Kräutereinschlag, Minze, Brenneseln, sonnenwarmem Vulkangestein. Am Gaumen kurz auch wie ein trockener Szamorodni. Sehr fest, fleischig, druckvoll und extraktreich und souverän, mit selbstbewusstem, aufrechtem Gang und eng gepackten, verdichteten goldgelben Säuren, wie man sie aus so manchem wunderbaren Aszú moderner Prägung kennt und die man immer am liebsten packen, an denen man sich festbeißen und die man nimmermehr loslassen möchte. Orangenschalen auch hier, dem Ende zu abgepuffert, ins Weiße Schalenfleisch gehend. Pfirsich, gelbe und grüne Äpfel, diese ungemein frisch, vor Kraft sprühend. Ganz nebenbei auch fein adstringierend, die Maischegärung macht’s wohl. Diese Herbheit fügt noch einen hellgrünen Teint bei, ein feiner Kick, eine Zusatzdimension. Lang, mit feiner Mandelbitterkeit und einem letzten, spielerisch-tänzelnd wirkenden Säure-Streich im Aus. Nochmals: außergewöhnlich – und dann doch auch wieder ganz Zoltán. Schöner, bemerkenswerter Wein. Danke.

Wein: Tokaji Furmint Narancsbor 2011
Weingut, Ort: Demeter Zoltán, Tokaj
Rebsorte/n: Furmint
Alkoholgehalt: 13,0% Vol.
Preis: 25,00 EUR, 7.500 Ft
Internet: demeterzoltan.hu

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