Bott Pince - Hárslevelű Kulcsár 2011 und 2012

Es gibt doch diese „davor und danach“ Bilder. Auf denen Veränderungen fürs Auge fassbar werden. Deutlich Veränderungen, die sofort ins Auge springen.

Bei Weinen kommt so etwas eher selten vor. Zumindest, wenn ein Winzer dieselbe Parzelle mit denselben Reben auf dieselbe Weise draußen und drinnen, im Keller, über Jahre hinweg bearbeitet, bestimmt vordergründig das Wetter die Unterschiede. Auch so steht Wein als Erzeugnis der Natur eher für langsame Veränderungen. Schließlich kommt (es im Normalfall und erst Recht in Europa) immer zu nur einem Wein pro Jahr, dazwischen verstreicht viel Zeit mit viel Arbeit. Und am Ergebnis bei der Ernte kann kaum etwas beeinflusst werden, zumindest wenn man nicht in die chemische Trickkiste greifen möchte.

Umso spannender, wenn mal eine Ausnahme erleben darf. Umso interessanter, wenn der Unterschied sichtbar macht, wie das Ausleben von Qualität im Weinberg auch in kurzer Zeit zu einem, ja man kann  Schwarz-Weiß-Bild führt. Ein Kurzseminar in Sachen Weinbau, wenn man so will. Das liegt mit dem neuesten reinsortigen Lindenblättrigen von Judit und József Bodó von der Bott Pince vor.

Beim meinem letzten Besuch im November landeten nämlich zwei Flaschen Hárslevelű im Kofferraum, aus der Lage Kulcsár. Diese hatten die Bodós 2011 übernommen, von einem Freund gepachtet. Und so kam es zwar schon 2011 zum ersten Jahrgang. den konnten sie aber nicht allen ernstes ihr eigen nennen. Der Weinberg war in einem ziemlich schlechten Zustand, ein echter Eingriff nicht mehr wirklich möglich. So holte man im Keller noch das raus, was möglich war, mit der Philosophie und den Werkzeugen, die man auch sonst vertritt respektive verwendet. Das heißt verkürzt sanftes Pressen, spontanes Vergären, Ausbau in Holzfässern.

Das Ergebnis ist eigenartig – und ungewöhnlich für die Bodós. Konsequent war es daher nur, dass der Wein nicht auf den Markt kam, sondern nur Stammkunden und Freunden zusammen mit dem Folgejahrgang mit auf den Weg gegeben wurde. Eben als Kurzseminar in Sachen Weinbau. Jenen also, die das Ergebnis im Zusammenhang ihres bemerkenswerten Schaffens würdigen und richtig einschätzen können.

Denn der 2011er kommt doch sehr eigen daher, ragt mit seinem holzschnittartig wirkenden Gaumenauftritt aus dem sonstigen Portfolio der Bodós stilistisch doch sehr hervor. Die Nase ist noch eher an dem dran, was man kennt: mit Noten von Marzipan, Mandeln, grünen Äpfel, aber auch vegetabilen Tönen und etwas Klebstoffartigem. Am Gaumen dann jedoch viel Andersartiges, Ausgefallenes: eher schwache Säuren ducken sich unter doch recht markant und, ja wie bereits gesagt holzschnittartig wirkenden Eindrücken weg. Kartoffeln, Sellerie, Lindenblüte – am Ende aber vor allem wie Apfelwein. Nur eben nicht aus Äpfeln, sondern aus Trauben, nicht aus Hessen, sondern aus Tokaj. Das hat (auch) etwas, ist nicht unspannend. Aber gehört dann eben doch nicht dort hin, wo es herkommt. Nicht zu den Bodós, nicht nach Tokaj.

Der 2012 ist dann das Weiß. Der Direktvergleich verblüfft und zeigt, wie vermeintlich „einfach“ ein Qualitätssprung erreicht werden kann. Der Haupteingriff musste und fand im Weinberg statt. József schnitt die Reben im Winter drastisch zurück, minimierten den Ertrag. Die kargen Böden ließen die Extrakte dennoch in die Höhe schnellen. Die Lage Kulcsár liegt zwischen den Lagen Határi und Csontos, in denen die Bodós ebenfalls Parzellen mit Reben bearbeiten und ihr eigen nennen. Die Vulkanzeit hat hier, wie in vielen Teilen Tokajs, Ryolith-Gestein hinterlassen. Ein Meer aus Steinen. Mit einer leichten, schüchtern wirkenden Erdkrume obenauf. darin verwurzelt jene Rebstöcke, die nun zum ersten Mal in ihrem 40 jährigen Leben nicht für Quanitität bestimmt waren, sondern sich wie in einem Jungbrunnen fühlen mussten – und den ersten, ernst zu nehmenden Jahrgang hervorbrachten.

2012 also. Strohgelb im Glas – und nicht hell zitronenfarben, wie der 2011er. Eine reife Frucht spricht die Nase an. Grüne Äpfel, etwas Heu, etwas Bienenwachs. sonnig. Warm. Flowerpower. Am Gaumen klar und extrem sauber gezeichnet. Zitrusfrüchte, Äpfel, eine ja fast transparent wirkende gelbe Frucht. Sehr frisch. Intensiviert durch die Säuren, unterlegt von einer glasklar wirkenden Mineralität. Sehr viel Kraft und Intensität schwingt da mit. Der ist jetzt schon da, will es wissen, will sich zeigen. Aber er kann noch lange. da kommt noch einiges nach an Lebensjahren. Und, meine Güte, was soll aus der Lage noch auf einen zukommen, wenn schon dieser Jahrgang schon so vielversprechend ist?

Wein:  Hárslevelű Kulcsár 2011 und 2012
Weingut, Ort: Bott Pince, Bodrogkisfalud
Rebsorte/n: Hárslevelű (Lindenblättriger)
Preis: der 2012er ist für 4000 HUF zu haben, d.h. für rund 13,50 EUR
Internet: bottpince.hu

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