Variszkusz - Rajnai Rizling 2011Sieh an. Gar nicht mal so übel. Der zweite Jahrgang im Handel von diesem jungen Quereinsteiger-Mini-Weingut (typisch Ungarn: von dem gibt es gerade mal 1.116 Flaschen) – bei nächsten Mal mehr dazu. Den ersten hatte ich ausgelassen. Der war süß. Der ist trocken. Kommt aus Nadap, vom Berg Csúcsos. Dort also her, wo auch József Szentesi seine in Ungarn doch schon recht bekannten Rieslinge gedeihen lässt. Dort, wo laut Einheimischer bis zum Ende des zweiten Weltkrieges der gesamte Berg mit Trauben bedeckt war. Heute ist davon nicht mehr viel übrig. Umso interessantere Kleinst-Experimente werden auf seinem Rücken vorangetrieben. das hier: mit rund 25 Jahre alten Reben auf Granitböden mit recht dünner Erdkrume.

Zwei Kerle machen hier Wochenend-Weine als Hobby aus Passion. Bácsi Zoltán und Urbán Zsolt heißen sie. Was sie sonst so machen, womit sie ihren Lebensunterhalt verdienen? Keine Ahnung, ehrlich gesagt. Getroffen, persönlich kennen gelernt hatte ich Zsolt ehemals auf einer Verkostung, als meinereins begonnen hatte deutsche Rieslinge nach Ungarn zu importieren. Dass sie verrückt sind, geben die beiden zu. Dass sie nicht anders können, auch. Passion. Berufung. Spagat – denn das Arbeitsleben unter der Woche und die Familie sind schließlich auch noch unterzubringen. Und immerhin – kommt dann doch mehr als ein passabler, in Ansätzen nämlich recht spannender, jedenfalls eigenständiger Wein zustande. Infrastrukturell unterstützt werden die Jungs vom oben genannten Szentesi. Ihr eigen nennen sie gerade mal vier 500l-Holfässer und einen Edelstahltank. Es wird im Ganzen gepresst, hier 18 Stunden auf der Maische belassen, immer spontan vergoren, das zog sich über 4 Monate hin, im Anschluss kamen noch 12 Monate Ausbau in Holz hinzu.

Helles Zitronengelb. Kräuterig, leicht medizinsche Riesling-Nase. Estragon. Pullmoll. Minze. Seeluft. Feuerstein. Gelbes Steinobst, ja, herrjeh. Klingt abgedroschen für alle, die wein-plus regelmäßig lesen, ich weiß. Aber das ist da drin. Was soll ich machen. Am Gaumen mit karger, ergo wenig Frucht. Trocken, bei 5,8 g/l Säure noch 1,8 Zucker. Der fährt ohnehin eher die Stein-Kräutermischung-Linie. Close to Earth. Der Körper dabei eher schlank, schmal, geradlining – hinten recht kurz. Recht kräftige Zitrusfrucht-Säuren. Die spielen die wichtige Rolle des Rückgratgebers. Mit einer herben Mineralität aus getrockneten Flechten, Stein. Seetang. Angetrocknete Grapefruit-Schalen. Pilze. Wirklich recht interessant, mit diesem kargen, aber auch eben nicht puristischen, würzig-steinverbundenen Standing. Für Ungarn und für den (etwas hohen) Preis was nettes, eigenständiges. Man freut sich auf das, was in den Folgejahren da noch kommen mag.

Wein: Rajnai Rizling Nadap Csúcsos Hegy 2011
Weingut, Ort: Variszkusz
Rebsorte/n: Rajnai Rizling (Riesling)
Alkoholgehalt: 13,5% Vol.
Preis: 8,65 EUR (2.570 Ft)
Internet: variszkusz.hu

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