Dass 2010 auch in Ungarn kein einfacher Jahrgang war, zeigt sich auch an den Weinen von Lajos Takács. Alle sind doch recht farbarm und säurelastig und dahinter geht dann auch einiges verloren, wird der Gesamteindruck zumindest verstellt. Man tut sich, will ich zugeben, mit allen in diesem Zustand doch auch schwer. Luft tut gut, das ist sicher. Zeit also vermutlich auch. Die eigentlich dann auch wirklich spannende Frage, die sich stellt: soll man sie einfach mal liegen lassen und am Ende gar ein kleines Wunder an Langlebigkeit und Frische und so unerkannter wie unerwarteter Komplexität erleben?

Sauvignon Blanc 2010
13% Vol., geerntet am 4. Oktober

Nase: Hellgrüne Früchte, Kiwi, Stachebeere, verbranntes Gras, kühlnasser Gummiabrieb auf Asphalt, kalt auch die Sellerie, vegetabilen Eindrücke. Am Gaumen mit knackig-krachenden Säuren, gelbgrünes, leicht bitteres Gras, glasklar, ja fast mehr als transparent wirkend, sehr direkt, sehr dominant, sehr geradlinig. Aber eben doch auch zu eindimensional, Früchte schälen sich erst nach viel Luft an die Oberfläche durch, wirken aber auch dann noch karg, unreif und angetrocknet.

Hárslevelű 2010
12,5% Vol., geerntet am 20. Oktober

Huch. Anfangs hat der eindeutig was animalisch, schweißiges in der Nase. Und getrocknete Gewürze. Das bricht dann langsam auf, bleibt aber bestehen, neben stroh und unreifer Goldfrucht, sprich: man riecht das Potential, allein, erreichen, bei ihm ankommen, wird man wohl nie. Sonnenabstinenzler eben. Am Gaumen eine „herbsäuerliche Schöne“. Mit kerniger Frucht, warm, trocken, Aprikosen auch hier, aber deutlicher, ausgeprägter, „echter“. Daneben: Abrieb von gelben Birnen und Äpfeln, Schale und Kerngehäuse, das gibt neben den kräftigen Säuren den Counterpart, Griffigkeit, (scheinbares?) Volumen. Und eben auch nicht nur wenig Eigenständigkeit, sondern Substanz und ja fast Eleganz. Hat was.

Furmint 2010
12,5% Vol., geerntet am 18. Oktober

Gurke, getrocknete Dörräpfel, Joghurt, Salz in der unerkühlten Nase. Hier schon verschlossen wirkend. Kühle, keilförmig geschnittene, nach hinten breiter werdende Apfelfrucht, halbreif und grün. Direkt in der Ansprache, ohne viel weiteres Pipapo links und rechts ein straffes Gesamtpaket mit ordentlichem Säureschub, Limettenfrucht, klater, steinerner Mineralität. Auch er sehr klar und gerade laufend.

Dennoch: alle wirken verschlossen, alle haben ein Übermaß an Säure abbekommen, alle müssen fast schon mit dem Bunsenbrenner zwangsangewärmt werden, um ein gewisses Potential hinter dieser Wand, besser gesagt (um im Bild zu bleiben): hinterm Ofen hervorzulocken, ansatzweise sichtbar zu machen. Keine leichte Kost. Mit offenem Ende in einigen Jahren, das durchaus das Zeug zur großen, positiven Überraschung hat.

Anmerkung: die Weine wurden mir zum Verkosten zur Verfügung gestellt.

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