Gute Weine erkennt man auch daran, dass sie einiges Schulterzuckend mitmachen. Gute Weine sind nämlich stabiler, als das was man fürderhin auf der Schulbank lernt, können auch so manche Strapazen wegstecken und schrecken nicht so ohne weiteres vor Temperaturschwankungen oder etwas mehr Luftkontakt zurück oder oxidieren gar auf unverschämte Weise in kurzer Zeit.

Das heißt nicht, dass man alles mit ihnen machen kann oder nicht grundsätzlich Vorsicht walten lassen sollte. Doch schon durch dieses so simple wie einfach nachweisbare Kriterium heben sich die „Guten“, ehrlichen, echten Zeugen der Natur auf angenehme Weise und ohne jedes Brimborium ab von der breiten Masse charakterloser, technisch gefertigter Schnell-Schluck-Und-Vergess-Tropfen, die sich entweder durch ein Übermaß an Zugänglichkeit (definiert über Frucht) oder ein Übermaß an Holz („Parker-Gefälligkeit“) leicht entlarven. Letztere sind die schlimmeren, kommen sie doch meist trügerisch-heuchelnd in falschem Gewande daher.

Der hier, der 2011er von Attila Homonna, wie schon der 09er aus Furmint und Hárs gewonnen, steht für die „Guten“. Seine Geschichte, bzw. die jener Flasche, die bei mir landete, geht wie folgt:

Es ist eine Fassprobe, die mir Attila bei sich kurzerhand in die Hand drückte. Ein Stummel von Korken verschloss das vom Keller schön gekühlte Gut notdürftig, ehe es aufrecht gestellt ins warme Auto wanderte und sicher verschlossen eine kurze Fahrt über stand. Da war es dann auch über die milde Nacht hinweg in vermeintlich sicherer Lage. Morgens dann, das bösen erwachen: der Korken hat sich verselbständig, wurde, besser gesagt, vom Wein aus dem Hals geschossen. Über unzureichende Belüftung konnte man also ganz gewiss nicht klagen. Rein mit dem Korken, Zwischenstation im Kühlschrank und weiter ging es im Auto für eine längere Fahrt. Am Abend desselben Tages zeigte sich der Wein dann so frisch und verschlossen, als käme er gerade aus dem Fass. Keine Spur von Oxidation, Ungereimtheit jedweder Art, nichts.

Was sich dann an diesem und dem folgenden Tage ergab:

So zarte wie gefällige und außergewöhnliche Nase aus trockenem Gebäck, Salz, Rosmarinkartoffeln, kalter Quittenfrucht. Jung, verhalten. Sehr frische, ausgeprägte, dabei quasi transparent wirkende Säuren und eine feine, elegante und (vermutlich dank des Hárs-Anteils) doch leicht saftig fest wirkende Frucht aus Limetten, halbreifen Pfirsichen und grünen Äpfeln. Dann noch eine kühle, grün-steinige Mineralität, die konstant im Hintergrund mitläuft. Schön zu trinken, doch irgendwie etwas „unter“komplex. Da offenbart einer sein Sein von Tag zu Tag etwas mehr und verharrt letztlich doch in einer vorpubertären jugendlichen Starre, die es einem nicht einfach macht, das Potential annähernd abzuschätzen.

An sich und insofern schade, als dass es auch im doch wirklich guten 2011 von Homonna seinen Lagen-Furmint aus der Határi nicht geben wird.

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