Jackfall - Pillangó 2006

Eisheilige, Kältewelle gerade hinter sich gebracht, noch ein schneller Griff zu einem fetten Roten aus dem Süden, aus Villány, ehe es gar zu heiß dafür wird. Doch: Halt! Fett ist der eigentlich nicht. Anfänglich sogar derart behäbig, dass man beim ersten Eindruck nach dem Weight Watchers Logo auf dem Etikett sucht. Fündig wird man natürlich nicht, stößt aber doch auf die 14,5% Vol.-Angabe. Zwar wirkt sich das auch im weiteren Verlauf nicht unangenehm aus, im Sinne von alkoholischer Würze oder süßlicher Frucht. Und dennoch hat man es zunehmend mit einem dicht gepackten, recht komplexen Kerl zu tun, der ganz offensichtlich lieber noch einige Jahre in der Flasche schlummern sollte.

So hat man zwar jetzt schon einen schönen Roten in Bordelais-Gewand, denkt man an eine Cuvée. Doch: da stecken 100% Cabernet Sauvignon drin, vermutet hätte ich zumindest auch einen gewissen Anteil Franc. Die Anleihen bleiben bestehen, doch umso beachtlicher, da ich kaum mal auf einen vernünftigen Cabernet Sauvignon traf in Ungarn – und der ist mehr als vernünftig.

Im Glas recht dicht und trüb, Rubinrot. In der Nase anfangs warm und breit sich öffnend, doch auch gedrungen und sich fast ein wenig sich verrucht gebend: Teer, Salmiaklakritz, tiefdunkle, etwas zu heftig eingekochte Früchte. Am Gaumen dann umso verschlossener, mit füllig-dumpfer Frucht aus Johannisbeeren, Blaubeeren, keine Frische, es fehlt Prägnanz, Struktur, Halt, verschwommene Ränder, die Konsistenz ist schwierig zu bestimmen, liegt irgendwo undefiniert zwischen allem. Nach hinten dann mit recht kräftigen Tanninen, im Abgang ledig-teerig.

So weit, so gut – oder eben auch nicht. Am Tag zwei, drei und vier zeigt er dann eher, was er kann, sein will und dass er wohl noch ein paar Jahre verträgt, in der Flasche ertragen möchte. Dann ist auch sein Nase wärmer, die Frucht hier und am Gaumen präsenter, klarer und dabei weich gezeichnet, Zwetschgen, schwarze Johannisbeeren, es bleibt neben schön eingebetteten Säuren ein etwas wilder, animalischer Touch durch ledige, tabakene Noten und deutlichen Tanninen. Der Pillangó, Schmetterling (keine Ahnung wie der Name entstand), ist dann breiter, vielschichtiger und charakterliche Eigenständigkeit. Was weiterhin etwas fehlt, ist ein Durchzug, die Festigkeit. Dennoch: ein gelungener erster Jahrgang dieser Cuvée von Jackfall (hier ein paar Zusatzinfos zum Weingut bzw. auf dessen eigener Seite).

Wein: Pillangó 2006
Weingut: Jackfall Bormanufaktúra, Kisjakabfalván
Rebsorte/n: Cabernet Sauvignon
Alkoholgehalt: 14,5% Vol.
Preis: 19,60 EUR (5.890 HUF)
Internet: jackfall.com

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